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Firewind, Leaves' Eyes im Konzert (Hamburg, September 2012)

Perfekt zur Einstimmung auf eine lange Freitagnacht

Integrierten dezente Folkelemente und überzeugten das Publikum: Leaves' Eyes

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Mit „Few Against Many“ hat die griechische Power-Metal-Formation Firewind um Gitarrenwunderkind Gus G. vor ein paar Monaten ihr nunmehr siebtes Studiogeschoss veröffentlicht und konnte dort mit einigen starken Hymnen abseits von Kitsch und Schlagernähe erneut unter Beweis stellen, dass das Genre trotz solcher Kapellen wie den unsäglichen Sabaton nicht inzwischen zu einer totalen Lachnummer verkommen ist. Die Festivalsaison ist zu Ende und nun geht es wieder an die guten alten Clubtouren, wie traditionell im Herbst und Winter; für die Griechen ist es auf der aktuellen Tour heute im wunderbaren Hamburger Knust das zweite Konzert in Deutschland, nachdem man bereits gestern in Bochum zockte. Als Support hat man sich Leaves' Eyes ins Boot geholt, welche die einzige Vorband markieren, und dank des Verzichts auf das sonst meist gängige Dreiergespann dürfen Liv Kristine und ihre Jungs auch immerhin für eine Stunde ran, etwas mehr als sonst bei Anheizern meist üblich.

Leaves’ Eyes

Fairerweise muss allerdings gesagt werden, dass die deutsch-norwegische Interessengemeinschaft nicht einfach nur irgendeine Vorband darstellt, das zeigt schon der rege Publikumszuspruch. Klar, Leaves' Eyes sind jetzt keine völlig Unbekannten mehr, und vor allem die charismatische und attraktive Liv Kristine ist natürlich ohnehin so gut wie jedem Metalhead ein Begriff. Glücklicherweise ertrinkt die Band nicht im Kitsch wie andere Genrekollegen (dasselbe wie bei Firewind also), integriert auf erfreulich unaufdringliche Weise folkige Elemente in ihren Sound – so greift Gitarrist Thorsten Bauer gelegentlich zu einer Art Laute, um auf diese Art jene Passagen dezent aufzuwerten – und hat einige wirklich gut reinlaufende Nummern am Start.

Beispielsweise gibt es da „Ocean’s Way“ oder „My Destiny“, das 2009 als Single aus dem Album „Njord“ ausgekoppelt wurde, und bei dem Alexander Krull, Frontmann und der „Beast“-Gegenpart zu Livs „Beauty“-Part, außerdem privat auch ihr Ehegatte, die Leute auffordert, ordentlich zu hüpfen. „Wer nicht hüpft, fliegt raus“, lautet seine gnadenlos-augenzwinkernde Ansage, schließlich revidiert durch ein: „Na ja, ich habe gesehen, dass hier einige schon Mitte 30 sind, da kann man dann schon nicht mehr so richtig.“ Und ob denn auch Mittfünfziger und -sechziger hier wären, denn das sei ja die Zeit, wo man wieder anfangen würde zu trainieren. Jedenfalls, wer es mit dem Rücken habe, dürfe auch gerne mitklatschen.

Redselig ist er, der gute Alex, der – das muss mal am Rand erwähnt werden – wohl über eine der längsten und beeindruckendsten Matten der gesamten Szene verfügt, wahrscheinlich braucht er damit morgens im Badezimmer länger als seine Frau. Doch auch Letztere übernimmt einen Teil der Ansagen – komplett auf Deutsch. Und auch wenn die Norwegerin schon lange in Deutschland lebt und mit einem Deutschen verheiratet ist: Respekt vor dieser völlig akzentfreien Aussprache. Überhaupt kommt sie ausgesprochen nett und freundlich herüber.

Für den amüsanteren Teil der Ansagen ist dennoch Alex zuständig, der nach einer starken Performance von „Kråkevisa“ (Liv: „Jetzt gehen wir noch nördlicher, in meine Heimat Norwegen“) ein kleines Battle von den Zuschauern verlangt. „Was Fußball angeht, bewege ich mich hier auf ganz dünnem Eis, das weiß ich“, stellt er klar. „Hier um die Ecke ist gleich der FC St. Pauli beheimatet, aber dann ist da ja noch der HSV. Deswegen machen wir jetzt lieber ein Duell ,Hamburg Metal United‘ gegen ,Ruhrpott Metal United‘.“ Letztlich geht es darum, wer lauter schreit; er will die Fans an der Ehre packen und die Leute dazu auffordern, mit dem Klischee von der hanseatischen Zurückhaltung aufzuräumen, die Crowd gestern sei nämlich verdammt laut gewesen und das gelte es nun zu überbieten.

Ob dies tatsächlich geglückt ist, sei dahingestellt, doch eine gute Stimmung herrscht ohne Zweifel vor, wobei Krull mit seiner Einschätzung des Alters beim Publikum gar nicht so daneben liegt: Der Mix macht’s; In der Tat sind auch einige Altrocker, die die Fünfzig schon weit überschritten haben, anzutreffen, genauso aber Leute um die Zwanzig. Irgendwie scheinen Leaves’ Eyes doch ein breiteres Publikum anzusprechen, als man sonst bei dieser Musik vielleicht denken würde. Und das Mike-Oldfield-Cover „In France“ kennt sowieso jeder, also wird dieser Evergreen auch von den eher zurückhaltenderen Anwesenden amtlich abgefeiert. Der Verfasser dieser Zeilen hatte ehrlich gesagt vorher nicht wirklich Bock auf die Band, doch sie hat durchaus positiv überrascht und kommt live viel intensiver und kraftvoller als auf Platte zur Geltung – wenn auch leider alle Keyboards vom Band laufen. Übrigens: Wer muss beim Titel „Melusine“ noch an Loriot (R.I.P.) denken?

Setlist:

  • Spirits’ Masquerade
  • Velvet Heart
  • Ocean’s Way
  • My Destiny
  • Melusine
  • Emerald Island
  • Kråkevisa
  • Take The Devil In Me
  • Elegy
  • To France
  • Froya’s Theme
  • Mot Fjerne Land (Outro)
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