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Fiddler’s Green im Konzert (Bayreuth, Mai 2012)

Folk’s Not Dead – Muss man mehr sagen?

Fiddler's Green lassen in Bayreuth die Puppen tanzen

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Fiddler’s Green sind ein bemerkenswertes Phänomen. Die Folk-Rock-Pop-Band vereint seit Jahrzehnten Fans der unterschiedlichsten Musikgenres. Auf einem Fiddler’s-Konzert trifft man Folkfreunde, Rockfans, Metaller aller Genres und natürlich auch ganz „normale“ Musikfans. Bei den Altersklassen sieht die Sache ähnlich aus. Die jüngsten Anhänger könnten inzwischen locker die Kinder der Musiker sein, wobei die ältesten Fans immer noch locker älter als die Protagonisten sind. Noch breiter gefächert kann ein Publikum kaum sein.

Die Tour zu der neuen CD „Wall OF Folk“ war so begehrt, dass die Band diese um fast 100% verlängert hat. Im Zuge dieser Tour macht die Gruppe auch in Bayreuth Station. Die Location das Zentrum ist für die Gruppe kein Neuland. Schon mehrfach, unter anderem bei der Akustiktour (wir berichteten), hat die Combo hier Station gemacht.

Der Konzerttag ist äußerst heiß für den gerade beginnenden Mai und das Zentrum hat sich dementsprechend aufgeheizt. Trotzdem haben sich in der Halle jede Menge Fans versammelt um der Musik der Fiddler’s zu lauschen. Krankheitsbedingt fällt die Vorband leider aus, was den Konzertstart um eine halbe Stunde nach hinten verlegt. Die Zuschauer nehmen es gelassen und genehmigen sich in der Zwischenzeit etwas zu trinken oder verlieren sich in Fachsimpeleien über Musik.

Fiddler’s Green

Als das Licht im Zentrum ausgeht, wird sofort Jubel laut. Passend zum Thema der Tour beginnen Fiddler’s Green mit „Wall Of Folk“. Fast augenblicklich kommt Bewegung in die Bude. Freudestrahlend wird die Band von ihrem Publikum empfangen. Lautstark wird der Rhythmus mitgeklatscht, auch wenn die Zuhörer recht schief zum Takt klatschen. Der Titelsong der aktuellen CD kommt schon sehr gut an. Auf Albis Kommando „ Und ab geht’s!“ geht es auch ab. Von null auf hundert praktisch.  Ohne Pause geht es weiter mit „P Stands For Paddy“. Die sehr flotte Nummer kommt auch sehr gut an. Immer wieder werden die Zuhörer zum Mitmachen animiert, was diese aber ja eh schon sehr fleißig tun. Mit „Milk The Damn Cash Cow“ kommt das dritte Lied von der neuen Platte zum Zuge. Damit enden aber zumindest für ein Lied die Neuvorstellungen.

Altbekannt, aber immer wieder gerne gehört ist die Nummer „Queen Of Argyll“. Das Lied wird als „Lied mit Sprung“ angekündigt und nur zu gerne erfüllen die Zuhörer im Zentrum die Bitte von Albi und Pat. Freudig hüpfen junge und ältere Fans im Takt auf und ab und als müsste es mit dem Teufel zugehen, heißt die nächste Nummer sogar „Jump“. Das Motto zu dem Lied ist von vornherein klar und muss nicht lange erklärt werden. Trotzdem ruft Pat die Riesenparty aus und stimmt mit einer verrucht rauchigen Stimme die fröhliche Hupfdohlennummer an. Die ersten Reihen des Konzertsaals drehen nun zum ersten Mal wortwörtlich durch. Es ist für das menschliche Auge schwer, einen Fokus zwischen all den umher fliegenden Haaren zu finden. Die Fans ganz vorne haben offensichtlich bereits einen Heidenspaß und sorgen inzwischen auch dafür, dass die Temperaturen im Zentrum von unangenehm warm zu subtropisch wechseln.

„Blöde Alte“, mehr hat Pat zu „Scolding Wife“ gar nicht zu sagen, bevor die ersten Töne der Nummer erklingen. Um hier nicht den Eindruck zu erwecken, dass nur vor der Bühne der Punk abgeht – auf dem Podest ist es keinen Deut anders. Die Fiddler’s schenken sich wie gewohnt nichts. Im Gegensatz zu den Zuhörern werden sie aber auch noch von den Scheinwerfern gegrillt, die im Zentrum nicht so weit entfernt hängen und somit bestimmt eine brutale Wirkung auf die Musiker haben.

Ein neuerlicher Höhepunkt wird mit der Nummer „Victor And His Demons“ erreicht. Das Lied von der aktuellen Scheibe beeindruckt durch seine interessante Atmosphäre und durch die Anteilnahme des Publikums. Schon beim ersten Takt sind jede Menge klatschender Hände über die Köpfe ihrer Besitzer erhoben. Mitten während des Liedes fordert Albi die Zuhörer nochmals zum Mitklatschen auf, was die Fans natürlich gerne machen.

Als mit „Lost To The Moon“ eine Ballade angekündigt wird, fügt Albi hinzu, dass das Stück immer die Nummer ist, bei der vor allem Männer gerne zur Toilette gehen. Nur sehr wenige folgen dem Vorschlag. Das Lied zeigt die andere Seite von Fiddler’s Green. Die Band kann nicht nur erstklassige Hüpfnummern schreiben, auch nachdenkliche, ruhige Stücke liegen der Band nach wie vor, was „Lost To The Moon“ eindrucksvoll beweist. Zum Ende des Liedes werden neben Albi zwei Laternen mit Mondlicht platziert, was eine einfache, aber eindrucksvolle Inszenierung darstellt. Die Überleitung in die folgende Solophase ist etwas irreführend, aber noch lange nicht der Gipfel des Abends. Direkt nach dem Solo aus  Bohran und Fidel kommt die Wall Of Folk. „The Rocky Road To Dublin“ steht an. Dazu steigt Albi direkt ins Publikum und singt auch von dort aus die erste Strophe. Die Wall Of Folk gleicht am heutigen Abend aber schon eher dem Vorbild, der Wall Of Death. Mit aneinander vorbeitanzen ist heute nicht, Vollkontakt ist angesagt. Den TeilnehmerInnen an der Aktion scheint diese Tatsache aber nur recht zu sein. Vor allem beteiligen sich viele Frauen an dem Spektakel. Mitten im Song drehen Fiddler’s Green den Spieß noch einmal um. Nun wird ein Circle Pit gefordert, den die Band natürlich bekommt. Fast das ganze Zentrum läuft  im Kreis.

„Yindy“ wird als Stück angekündigt, das demnächst auch als Video auf den Markt kommen wird. Das Lied hat inzwischen offensichtlich jede Menge Anhänger, denn das ganze Zentrum tobt vor sich hin, „Days Of Yore“ wird zur Mitsingparty für alle Anwesenden. Nachdem Albi und Pat den Sinn einer Pausenstille geschickt auf Deutsch und Englisch erklärt haben (nicht ohne sich dabei vor Lachen zu bepissen), funktioniert die Interaktion mit den Zuhörern nahezu perfekt.

So hangeln sich Fiddler’s Green von einem Höhepunkt zum anderen. Perfekte Songs, die live einfach mitreißen, hat die Gruppe ja genügend. Nach und nach kommen Perlen wie „Shut Up And Dance“, „The Night Pat Murphy Died“ und auch „Folks Not Dead“ zum Einsatz. Folk-Massenvernichtungswaffen sozusagen. Mit „Folk’s Not Dead“ beenden die Fiddler’s das Konzert fürs Erste.

Was dann kommt, das hat das Zentrum in Bayreuth wahrscheinlich noch nicht erlebt. Da auf die üblichen „Zugabe“-Rufe nicht gleich reagiert wird, werden diese immer lauter bis sich aufforderndes Klatschen hinzugesellt und das Ganze in richtig fies lautem Klatschen, Rufen, Pfeifen und auf den Boden stampfen gipfelt. Daraufhin kommt die Band wieder auf die Bühne und legt noch mal nach. „Tam Lin“, „Rollin“ und das finale „Bugger Off“, das ja eine eindeutige Aussage besitzt, sollen die Zuhörer besänftigen. Diese zeigen aber immer noch keine Ermüdungserscheinungen und das Spiel beginnt erneut, als die Musiker nach dem furiosen „Bugger Off“ abermals die Bühne verlassen.

Natürlich geben die Zuhörer wieder keine Ruhe und Fiddler’s Green kommen noch einmal zurück und beginnen die zweite Zugabe mit dem Green Day-Cover „Time Of Your Life“. Da kann einem schon wirklich schwer ums Herz werden. Nun geht es zurück zum Album „Folk Raider“. „Bonnie Ship The Diamond“ heißt die nächste Nummer und sogleich ist wieder Stimmung in der Halle. Donnernder Applaus schlägt den Musikern entgegen, als das Lied verklingt. Die Mitsingnummer „Dirty Old Town“ beendet das Konzert nun endgültig. Begeisterte Fans verlassen nur widerwillig den Veranstaltungsort und Fiddler’s Green haben wieder bewiesen, das sie eine der besten Live-Bands sind, die es momentan auf diesem Planeten gibt.

Setlist:

Wall Of Folk
P Stands For Paddy
Milk The Damn Cash Cow
Queen Of Argyll
Jump
 Scolding Wife
Walking High
I’ll Tell Me Mah
Victor And His Demons
Greens And Fellows
Lost To The Moon
 Solo
The Rocky Road To Dublin
The County Down
Yindy
Hangman’s Lullaby
Lanigan’s Ball
Days Of Yore
Shut Up And Dance
Irish Air
The Night Pat Murpy Died
Folk’s Not Dead
Tam Lin
Rollin
Bugger Off
Time Of Your Life (Good Riddance)
Bonny Ship The Diamond
Dirty Old Town

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