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Fiddler's Green im Konzert (Bochum, März 2011)

Auf ihrer Akustiktour mischen Fiddler's Green die Kirche auf

Fiddler's Green machen Lust aufs kommende Album

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Fiddler’s Green sind wieder unterwegs. Nach einem ereignisreichen Sommer und einem längeren Aufenthalt im Studio meldet sich die Irish Speedfolk-Truppe aus Erlangen mit einer Tour zurück. Allerdings haben die sieben Musiker nicht ihr neues Album im Gepäck, sondern ziehen mit einer Akustiktour durch das Land und präsentieren ihren Fans einmal andere Töne. Der heutige Tourtag führt die Band ins tiefe Ruhrgebiet, genauer: nach Bochum. Dort steht die Christuskirche, die am heutigen St. Patrick’s Day geschändet werden soll. Na gut, ganz so schlimm wird es dann vielleicht doch nicht, doch kann man sich vorstellen, dass der Pastor nicht unbedingt amused über Horden von "Bugger Off! brüllenden Fans sein dürfte - und dass es dazu kommen wird, davon kann man heute ziemlich sicher ausgehen.

Bevor die Band die Bühne betritt, verrät die Kulisse schon einiges über die kommenden Stunden: Das Backdrop ist um einiges größer als gewöhnlich ausgefallen, erstreckt sich über die gesamte Länge der Bühne und ruft die wohlige und gemütliche Atmosphäre eines Irish Pubs hervor. Überall auf der Bühne kann man bunte Instrumente und allerlei potentiell lärmende Plastikgegenstände entdecken, die einen lustigen Abend versprechen. Anstelle von Rainers üblichem E-Bass steht ein gewaltiger Kontrabass bereit; für alle Fiddler sind Barhocker aufgestellt.

Als erster betritt Trommler Frank Joost die Bühne. Während er ein ruhiges Solo trommelt, kommen nach und nach die anderen Bandmitglieder auf die Bühne, um das Set mit „Little Beggarman“ zu eröffnen. Schnell tummeln sich in den ersten Reihen einige Fans, die ganz offensichtlich keine Lust haben, den Rest des Abends auf den massiven Holzbänken der Kirche sitzend zu verbringen. Fiddler’s Green haben sich für die Akustiktour in schicken Zwirn geworfen. Mit Anzug, Hemd und Krawatte ist ihre Kleidung dem besonderen Anlass angepasst.

Schnell wird klar, dass gute Laune auf beiden Seiten heute besonders groß geschrieben wird: Die Band strahlt bis über beide Ohren und die Anzahl der Fans vor der Bühne nimmt stetig zu. Ein paar Fans scheinen etwas sehr mitteilungsbedürftig zu sein, was den ein oder anderen später noch ein wenig auf eine Geduldsprobe stellen wird. Mit Wortwechseln wie: „Tänzer bereit?“, das von einem vielkehligen „Halt’s Maul und Tanz!“ gekontert wird, setzt sich der fortwährende Dialog des Abends in Bewegung. Während Fiddler’s Green mit einigen älteren Liedern wie „The Creel“ und „Don’t Come Again“ von ihrem ersten, 1992 erschienenen Album für akustischen Genuss sorgen, scheint die Meute keinen Unterschied zwischen einem Akustikkonzert und einer Rockshow von Fiddler’s Green zu machen. Bald wird vor der Bühne sogar gemosht und an der Stimmgewalt der Fans hat wohl eh niemand gezweifelt. Es gibt unter den Zuschauern jedoch auch ein paar Plappermäuler, die es nicht schaffen, auch nur in einer kurzen musiklaischen Pause zwischen zwei Liedern mal den Mund zu halten. Albi und Pat geben mittlerweile nettes und lustiges aber zunehmend ernst gemeintes Gegenfeuer:  „Ab mit dir in den stillen Kirchturm!“

Rainers Kontrabass brummelt derweil scheinbar in noch tieferen Tönen, als man ihn mit einem gewöhnlichen E-Bass hören würde und Stefan ist einmal mehr der Spaßvogel und greift zu einer Melodica. Wer sich schon immer über ihn amüsiert hat, wenn er an seinem Akkordeon in seine eigene Welt eintaucht, dürfte sich bei diesem Anblick herrlich amüsiert haben. Bei „Rose In The Heather“ recken sich sämtliche Hände gen Kirchengewölbe  und schwanken im Takt hin und her. Aber das scheint für Fiddler’s Green schon beinahe zu gesittet zu sein. Irgendein Blödsinn muss her, der für mächtig Unterhaltung sorgt. Und natürlich schütteln die Erlangener auch gleich einen genialen Gag aus dem Ärmel: Violinist Tobi verzaubert die Fans mit einem Glockenspiel-Solo, das es in sich hat.

Es gibt einige Klassiker, die neben den typischen „must have“ Liedern von Fiddler’s Green nicht fehlen dürfen. „Habt ihr Lust auf ein Sauflied?“, brüllt Pat ins Mikro und bekommt ein passendes Echo zurück. „Bottom Of Our Glass“ lässt all die dagewesene Ruhe in Nullkommanix verpuffen, und sorgt für erhobene und verschüttete Bierbecher. Damit auch Frank für passende, musikalische Unterstützung sorgen kann, kippt sich Pat ein Bier in den Hals und überreicht dem Drummer die leere Flasche, der sie kurzerhand ans Drumset schraubt und zum Schlaginstrument umfunktioniert. Kurz darauf verkündet Albi fröhlich das erste „Entjungferungs-Lied, Part I“ und Fiddler’s Green präsentieren den Fans ein erstes Lied, das erst vor kurzem im Studio entstanden ist: „The Jolly Beggar“ heißt es und kommt beim Publikum in der Christuskirche super an, sodass sich nach kurzer Zeit eine Polonaise vor der Bühne entlangschlängelt.

„Apology“  findet sich dieses Mal auch in der Setlist wieder. Ruhig setzt sich der sonst tanzende Teil der Fans auf den Boden und lauscht Klängen, die dem Priester wohl schon eher passen würden. Tobis Violine tut sein Übriges und bekommt auch beinahe den letzten Fan zum Schweigen, wären da nicht die gut betankten Kollegen, die zunehmend an den Nerven zerren.

„Bugger Off“ sollte wohl eigentlich ein wenig ruhiger ablaufen als gewohnt. Während der Song von Seiten der Band etwas langsamer gespielt wird, ist das obligatorische „Fuck Off!“-Gebrüll der Fans jedoch in keiner Weise zurückhaltender. Die Fans sind so gerade maximal angeheizt, als Fiddler’s Green nach „Bugger Off“ die Bühne verlassen. Aber wer die Band kennt, weiß, dass sie natürlich zurück auf die Bühne kommt, um noch das ein oder andere Lied zum besten zu geben. In diesem Fall folgen unter anderem „Tan Linn“, „The Mermaid“ und „Folk’s Not Dead“, das total abgeht und die letzten Kraftreserven des Publikums mobilisiert.

Natürlich versäumen Fiddler’s Green es nicht, ihr neues Album anzusprechen, das im September erscheinen soll. Darauf folgt dann eine weitere Tour, welche die Band Mitte Oktober ein weiteres Mal ins Ruhrgebiet führen wird. „Ohne Stühle!“, verspricht Albi.

Als Vorgeschmack auf das Ganze folgt mit der zweiten Zugabe „Freeman“, ein weiterer Song und Appetitanreger vom neuen Silberling. Dabei handelt es sich um ein instrumentales Stück, das anfangs gar nicht so sehr nach Fiddler’s Green klingt, sondern eher nach Strand und Palmen. Erst als Tobi mit seiner Violine in die gemütlichen Klänge einstimmt, sind Fiddler’s Green wieder voll zu erkennen, und der Song rockt gewaltig. Das macht definitiv Appetit aufs neue Album und, als der letzte Song „Dirty Old Town“ beendet ist, auch richtig Lust auf die gemeinsame Tour mit In Extremo, die nächsten Monat folgen wird.

Setlist:
1.    Little Beggarman
2.    The Creel
3.    Don’t Come Again
4.    Days Of Yore
5.    Rose In The Heather
6.    Bottom Of Our Glass
7.    Cripple Creek
8.    The Jolly Beggar
9.    Highland Road
10.    As I Roved Out
11.    Empty Pockets, Empty Fridge
12.    Dead End Street
13.    Apology
14.    Another Spring Song
15.    Strike Back
16.    Charlie
17.    Drum Solo
18.    Star Of The CountyDown
19.    Irish Air
20.    Rose Of Ballymore
21.    Irish Rover
22.    Bugger Off
23.    Tan Linn
24.    Folk‘s Not Dead
25.    The Mermaid
26.    Freeman
27.    Mary Mack
28.    Dirty Old Town

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