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Feuertal Festival

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Das Feuertal Festival hat Tradition: Bereits zum dritten Mal laden outback, wickedwoods

und der Live Club Barmen in Zusammenarbeit mit der Börse die ganz großen der Mittelalter- und Gothicszene ein. Startete das Feuertal Festival noch ganz klassisch mit der Mittelaltercombo Saltatio Mortis und Fiddlers Green, gefolgt von Schandmaul und Subway to Sally wurden im letzten Jahr In Extremo und die Apokalyptischen Reiter eingeladen.

Zum diesjährigen Festival sah man dann bereits wieder bekannte Gesichter: Sowohl Schandmaul als auch Saltatio Mortis hatten vor zwei Jahren derart überzeugt, dass sie wieder eingeladen wurden. Unterstützt von Schelmish und der Letzten Instanz boten sie ein derart beliebtes Line Up, dass es auch dieses Mal bereits Wochen vor dem 25. August hieß: Ausverkauft!

Und auch wie in den Vorjahren bestach die Hardtbühne in Wuppertal nicht nur durch ihre malerische und durchaus praktische Lage: Die Bühne befindet sich im Tal der Hardtberge und dauerhaft im Schatten dieser. Ebenfalls reizvoll ist nach wie vor der kleine Mittelaltermarkt mit den leider sehr unmittelalterlichen Crêpes - nur leicht durch das Steinofenbrot gemildert.

Wer sich dann von diesem Teil des Geländes losreißen konnte und vor der Bühne einfand, kam dann bereits in den zweiten Genuss der Hardtanlage: Die amphitheater-ähnlichen Zuschauerränke, die das typische Festivaldesaster der hinteren Reihen verhinderten. Rücken, Rücken, Rücken und mit viel Glück ab und zu einen Blick auf die Bühne.

 

 

 

Den Auftakt spielten wie schon vor zwei Jahren Saltatio Mortis, die bereits nach wenigen Liedern die gefüllten Ränge zum Springen brachten. Bereits nach dem Intro “Salz der Erde” beginnt ein bunter Albenmix, der gute Laune macht. Ob vom aktuellen Werk “Des Königs Henker”, Klassiker wie “Equinox” oder Appetithappen von “Aus der Asche”. Aber nicht nur der “Spielmannsschwur” oder “Varulfen” waren neu, auch die Spielmänner boten für den ein oder anderen einen neuen Anblick.

Für Dominor, Die Fackel und Ungemach sind jetzt die Neulinge Cordoban, Bruder Frank, El Silbador und Mik El Angelo dabei. Oder um es wie Alea auszudrücken: ”Drei sind gegangen, vier gekommen. Irgendwie eine komische Rechnung!” Jene bewiesen sich dann aber an Instrument und Unterhaltung sehr gut , und waren, abgesehen von teilweise dezenteren Kleidungsweise nicht mehr äußerlich von der übrigen Spielmännern zu unterscheiden.

 

 

 

Man merkte der Band ihre Spielfreude und Euphorie deutlich an und boten eine interessante Show, auch wenn man auf den üblichen “Schweinskram!” verzichten musste. Dafür kamen aus Lasterbalks Richtung der ein oder andere freche Kommentar (“Und die Moral von der Geschicht: Nehmt nicht die Spielmänner, nehmt die Trommler” bezüglich der Geschichte zu “Varulfen”).

Der Funkte sprang über und zusammen mit 2000 begeisterten Zuhörern rockten Saltatio Mortis - und qualifizierten sich so für die Zugabe; nach dem “Dunklen Engel” fragte man noch einmal rhetorisch bei der Letzten Instanz nach - und endete schließlich erst nach “Licht und Schatten”.

 

 

 

Setlist Saltatio Mortis:

 

01 Salz der Erde

02 Falsche Freunde

03 Heuchler

04 Spielmannsschwur

05 Die Hoffnung stirbt zuletzt

06 Uns gehört die Welt

07 Equinox

08 Varulfen

09 Tritt ein

10 Keines Herren Knecht

11 Dunkler Engel

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12 Licht und Schatten

 

 

Saltatio Mortis hatten die Messlatte hochgelegt, die Letzte Instanz nahm Anlauf ... und sprang drüber. Mittlerweile hatte man sich warm geklatscht und obwohl es immer wieder die Band als Vorbild benötigte: Die Menge machte mit. Vielleicht war es die Tatsache, dass Septett zuletzt im Frühjahr in Bochum gespielt hatte, vielleicht aber auch die Tatsache, dass man nach SaMo ein wenig überfordert war. Konzentrierte sich deren Show unleugbar ganz auf Frontman Alea, sah man bei der Letzten Instanz Benni Cellinis faszinierendes Cellospiel, Herrn Stolz’ energiegeladenes Geigenspiel, konnte etwas versetzt Oli und Micha an Gitarre und Bass beobachten, Speckis Kapriolen an den Drums verfolgen oder schließlich dem Charme von Holly und Holly d. erliegen - je nachdem, wohin man den Blick wand.

 

 

 

Nach der “Sonne” kommt der Frontman dann auch auf “Gegenveranstaltung: Love Parade” zu sprechen und schafft es tatsächlich ein kräftiges “Umpf Umpf!” vom Publikum rufen zu lassen. Auf “Das Meer” kommt man über den etwas verregneten Sommer zu sprechen. “Heute ist es zum Glück trocken“, und wer noch nicht am Meer war, sei jetzt eingeladen.

Das kleine Missgeschick mit der Gitarre bemerkt bei so viel Show niemand: Erst reißt die Saite, dann der Gurt der Ersatzgitarre und das angeblich nur, weil Herr Stolz durch seine Sprungfreude eine Flasche Bier umstieß.

 

 

 

Neben dem “Stimmlein”, das die Mehrzahl der Schandmaul- und Instanz-Fans natürlich überragend klar anstimmen konnte folgte als letztes Highlight der Setlist schließlich “Rapunzel” mit der Erweiterung durch Kiss-Klassiker “I was made for loving you”. Sind die Zuschauer schon jetzt begeistert, flippt die Menge beim Anblick der Texttafeln erst recht aus.

Eine Zugabe gibt es nicht, dafür den Anblick von Benni, der sein Cello tragend über die Bühne lief.

 

 

 

Setlist Letzte Instanz:

01 Intro + Du und Ich

02 Unerreicht

03 Sonne

04 Ohne Dich

05 Und das Meer

06 Sturmvogel

07 Das schönste Lied der Welt

08 Tanz

09 Mein Todestag

10 Wir sind allein

11 Das Stimmlein

12 Rapunzel (Dein Kuss)

 

Aber Saltatio Mortis waren nicht die Einzigen, die im Studio waren: Auch Schelmish hatten sich ins Studio begeben, um „Wir werden sehen“ aufzunehmen. Das ist zwar erst im Oktober erhältlich, aber die Schelme hatten sich gut vorbereitet und boten mit Verzicht auf irgendein Intro bereits vier neue Stücke feil. Die Jungs um DesDemonia kannten vielleicht nicht alle, was aber die meisten nicht am Mitklatschen hinderte.

 

 

 

Ob „Interregio“ oder „Der letzte Kuss“, Schelmish sind keine klassische Mittelalterband. Neben Bouzouki, Schalmei und Davul spielen die acht Bonner durchaus auch E-Gitarre. Und nehmen sich und ihre Sujet nicht ganz so ernst. Da wäre zum einen der obligatorische Tanz Luzis zu nennen, unter dessen grau geblümten Mantel sich angeblich die Unterwäsche verbergen soll, die ihm seine Mutter zu Weihnachten geschenkt hat. Diese Aussage kann man dann trotz Anwesenheit dieser nicht überprüfen. Dafür aber sichergehen, welche Art von Weihnachtsgeschenk man definitiv nicht bekommen möchte.

Nach dieser hocherotischen Einlage (hust), erfahren wir von Dextro über das Volk der Rotta, dass sie damals der Inquisition wegen Verbrannt wurden. Zum Gedenken an diese Standhaftigkeit im Glauben haben ihnen die Schelme ihnen „Rotta“ gewidmet - ein erstaunlich melancholisches und nachdenkliches Lied.

 

 

 

Einen Lacher gibt es noch zum Schluss, als Dextro zu „Herr Niemand“ die Rezension eines Journalisten aufgreift, der die letzte CD der Band verriss - leider dann auch die Rechtschreibung. Und als wirklich letztes Highlight treten schließlich sieben Cheerleader, unter ihnen Luzis Schwester mit einer G-O-O-D-B-Y-E-Choreografie auf.

Auf „Ring of Fire“ und „Pank!“ muss dann aus Zeitgründen trotzdem verzichtet werden - und auch die Ankündigung des Moderators, dass man die Schelme im Herbst in der Börse auf Tour sehen wird, lässt das Publikum nicht unbedingt zufrieden zurück.

 

 

 

Setlist Schelmish:

 

01 Freigang

02 Mente Capti

03 Interregio

04 Marionette

05 Der letzte Kuss

06 Rotta

07 Der Narr

08 Mehr Schein als Sein

09 Moor

10 Gelobtes Land

11 Tanz mit mir

12 Herr Niemand

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(13. Ring of Fire)

(14. Pank!)

 

 

Die Headliner des Abends sind mittlerweile so bekannter als bunte Hunde in der Mittelalterszene. Schandmaul spielen auf Wacken, veranstalten das Funkenflug Festival, das mittlerweile den Zenith füllt, und organisieren ihr nächstes Fantreffen auf einem Schiff. „Alle guten Dinge sind drei - und deswegen sind wir jetzt auch schon zum dritten Mal hier!“ Auch wenn Thomas die Statistik ein wenig nach oben korrigiert hat, bieten Schandmaul wieder eine herrlichen Anblick in dem hereinbrechenden Abend.

 

 

 

Apropos Abend: Schon den ganzen Tag feiert das Publikum derart mit, dass nun Tribut gefordert wird. „Wasser!“ „Seit Ihr hier um zu trinken oder zu singen?“ Diese Dialoge zwischen Zuschauern und Band setzt sich fort, immer wieder unterbrochen von fliegenden Flaschen und gipfelt schließlich bei der Ansage zu „Sichelmond“: „Ihr bekommt was zu Trinken und dann...“.

 

 

 

Neben solchen Lachern hat die Show aber durchaus romantische Momente: Den melancholischen Feuertanz im lauen Sommerabendwind, da bekommt der ein oder andere schon mal eine Gänsehaut.

Ordentlich gesprungen wird noch mal zu „Vogelfrei“, und als Zugabe klatscht man „Teufelsweib“ und zum gelungenen Ausklang „Dein Anblick“ heraus.

 

 

 

Setlist Schandmaul:

01 Vor der Schlacht

02 Herren der Winde

03 Leb!

04 Drachentöter

05 Das Tuch

06 Der Schatz

07 Der Hofnarr

08 Feuertanz

09 Seemannsgrab

10 Kein Weg zu weit

11 Sichelmond

12 Tyrann

13 Die Tür in mir

14 Lichtblick

15 Mitgift

16 Vogelfrei

17 Walpurgisnacht

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18 Teufelsweib

19 Dein Anblick

 

 

Das war es also, das Feuertal Festival 2007. Ein kleines Festival, das sich durchaus gegen die anderen Sommeraufgebote absetzen kann; sei es Namenskonkurrent Feuertanzfestival oder überfüllte Veranstaltungen wie Königsstein. Vor der Wuppertaler Hardtbühne kam es zu keinen nennenswerten Zwischenfälle und so feierten 2000 Menschen ein Festival, von dem alle etwas sahen, und erstaunlicherweise weder gequetscht noch gedrängelt wurde.

Wer wollte, konnte den Abend noch entspannt auf dem kleinen Markt ausklingen lassen, und hier und da auch noch über Bandmitglieder stolpern. Ich denke, man kann gespannt sein, wer nächstes Jahr auf der Hardtbühne anzutreffen ist.

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