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Fear Factory, Neaera im Konzert (Köln, März 2010)

Eiskalter Stahl traf auf matschigen Sound
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Fear Factory

Wie steht es so schön auf der Fear Factory-Homepage? Nach drei Jahren der internen Reorganisation öffnen die Gründer der Angstfabrik die Tore, um ihre Mission fortzusetzen. Dabei konnte doch der ganze Klimbim der letzten Zeit kaum besser im Komödienstadel verhunzt werden. Tja, wo es um viel Kohle geht, da setzt der Verstand nun mal aus, und auch Freundschaften verkümmern zu trockenen Grützwürstchen. In neuer Besetzung also wollten die Vier dem Publikum das Fürchten lehren – und das fing schon direkt mit den doch arg übertriebenen Körperfülligkeiten der Herren Dino, Byron und Gene an. Burton kam dagegen schon fast als dünner Hering durch. So massiv sich die Herren gaben, so massiv war dann auch die Gitarrenwand – wenn da nur nicht der weiterhin miese Sound gewesen wäre. Viel zu leise, ein wenig matschig, da hatte sich doch jemand zu viel Schmalz in die Ohren gepopelt.

Nun gut, die Leibesfülle deutete schon darauf hin, dass auf der Bühne nicht gerade Bewegungsmonster am Werke sein werden – so der erste Gedanke, der sich wohl auch auf die Fans erstreckte, denn trotz des starken Einsteigers „Mechanize“ konnte der erste zaghafte Crowdsurfer erst bei „Smasher/Devourer“ gesichtet werden. Bis dahin bildeten sich eher Schweißperlen bei den HeadbangerInnen und innerhalb des Tanzvolkes, welches munter die mangelnde Bewegung auf der Bühne auszugleichen versuchte.

Neben den noch immer nicht besser werdenden Soundergüssen war auch die Lightshow recht unspektakulär – ständig hat man in der Essigfabrik das Gefühl, dass von der Lichtbatterie an der Hallendecke nur ein minimaler Anteil auch seiner leuchtenden Bestimmung zugeführt würde. „Powershifter“ wurde mit einem Stroboskop-Blitzlichtgewitter untermalt, in dem sich Dino und Byron malerisch durch tonnenschweres Riffing ackerten, welches locker-fluffig aus den Handgelenken geschüttelt wurde. Doch bis auf sanfte Kopfverschüttelungen passierte nicht viel, die Songs lebten von der Faszination, endlich wieder durch elektrische Impulse freigelassen zu werden. Selbst Burton stand mehr in der Mitte seiner großen Spielwiese und hatte sich auf seinen Gesang zu konzentrieren, der leider nicht ansatzweise an die Studioqualität heranreichte. Gerade die cleanen Passagen stellten doch schon gewaltige Hürden dar. „Fear Campaign“ startete mit einem zerstörerischem Anfangskurs, und bei „Martyr“ hatten die Crowdsurfer schließlich den Mut wieder gefunden und schwangen sich über die Köpfe der dichtgedrängten Meute Richtung Bühnengraben. Und ab da hatten die Securityleute in der Landezone reichlich zu tun und empfingen mit stoischer Gelassenheit die entfesselte Vorwärtsbewegung. In blutrotem, indirektem Licht badete Burton bei „Resurrection“, und der Applaus zum Ende des regulären Abschnitts strahlte in gleißender Verblendung.

Die Zugabe wurde herzlichst von den Fans begrüßt, war doch klar, dass nun eine Zeitreise in die seligen Anfänge einer doch noch damals unbedarften Combo anstand. Die meisten dürften ohnehin über die Setlist informiert gewesen sein, lag sie doch in einem käuflichen Büchlein am Merchstand zur Ansicht bereit. Die gereckten Fäuste, die steigenden Crowdsurfer, die zwirbelnden Nackenverwirbler und der Spaß an guter Musik machten einen Quantensprung nach vorn, denn Tracks wie „Demanufacture“ oder das finale „Replica“ zeigten, warum Fear Factory Maßstab für Legionen von Nachfolgebands waren und sind – wenn denn der Sound auch noch ein Schüppchen zugelegt hätte. Unterhaltsamer Abend, aber da war mehr drin.

Setlist:

1. Mechanize
2. Shock
3. Edgecrusher
4. Smasher/Devourer
5. Industrial Discipline
6. Acres of Skin
7. Linchpin
8. Powershifter
9. Fear Campaign
10. Martyr
11. Christploitation
12. Resurrection
13. Final Exit
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14. Demanufacture
15. Self Bias Resistor
16. Zero Signal
17. H-K (Hunter-Killer)
18. Replica

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