Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Fear Factory, Devin Townsend Project im Konzert (Hamburg, Oktober 2012)

Jackasses on Halloween

Devin Townsend nimmt alle mal wieder gehörig aufs Korn

Zum Thema

Devin Townsends Kreativität nimmt anscheinend kein Ende: 2011 erst veröffentlichte der Kanadier unter dem Banner des Devin Townsend Projects mit „Ghost“ und „Deconstruction“ gleich zwei Alben, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, auf einmal, und nur ein Jahr später ist er mit „Epicloud“ schon wieder am Start. Klar, dass er da auch schon gleich wieder auf Tour geht, wenn auch diesmal nur als Supportact. Dies allerdings für niemand Geringeren als Fear Factory, die er jedoch mal als einen seiner Haupteinflüsse genannt hat, was gerade angesichts des Schaffens von Strapping Young Lad nicht allzu sehr verwundert. Hinzu gesellen sich jedenfalls hier in Hamburg als Dritte im Bunde die Lokalmatadoren Syqem, welche den Eröffnungsact markieren.

Hier gibt es gleich den ersten Anlass zum Meckern: Auf den Eintrittskarten und der Homepage der Markthalle steht unmissverständlich „Einlass 20 Uhr, Beginn 21 Uhr“ – doch als die Pit-Brigade (wohlgemerkt um kurz nach halb neun) eintrifft, sind Syqem mit ihrem Set schon durch und zu unserer Verwunderung steht um neun bereits Hevy Devy auf der Bühne. Zugegeben, sowohl der Verfasser dieser Zeilen als auch andere Kollegen der Musikschreiberzunft haben sich schon x-mal über das unsägliche Früher-Beginnen geärgert, aber was soll man anderes tun, als nur immer wieder gebetsmühlenartig auf diese Unsitte hinzuweisen, bis es so nervt, dass sie endlich abgeschafft wird (passiert leider auch immer wieder in der Bochumer Zeche; Anm. d. Red.)? Warum zur Hölle schreibt man nicht gleich, dass es um acht losgeht? Unbegreiflich und für die betroffene Band und die Zuschauer gleichermaßen eine Frechheit! Daher ein fettes Sorry an Syqem, dass sie hier weder mit Fotos auftauchen noch im Bericht erwähnt werden, doch es lässt sich leider nicht ändern.

Devin Townsend Project

Im Gegensatz zu den meisten anderen Muckern beginnen Devin Townsend und seine drei Sidekicks nicht mit einem Song aus dem aktuellen Album, sondern stattdessen mit „Supercrush!“ von der 2009er „Addicted“-Scheibe. Obwohl die Musik des Kanadiers ja sehr Soundwall-artig ist, fällt sogleich auf, dass leider wieder alle Synthie- und Keyboardparts vom Band beziehungsweise von Laptops, die im Hintergrund der Bühne stehen, kommen. Bei derartig vielen spacigen Elementen sollte Townsend vielleicht doch endlich mal über das Engagement eines Tastendrückers nachdenken. Dies ändert freilich nichts daran, dass der Mann live immer wieder ein Erlebnis und seine Musik ebenso einzigartig wie er selbst ist.

Natürlich wird wieder die komplette Show mit Leinwänden, auf denen wahlweise komisch-bekloppte Filmchen oder psychedelische, Kaleidoskop-artige Visuals laufen, geboten. Hin und wieder taucht ein lustiger Muppet auf dem Zelluloid auf und auch Ziltoid ist hier und da zu sehen, wenngleich vom Album „Ziltoid The Omniscient“ diesmal keine Songs gespielt werden. Dennoch ist selbstverständlich klar, dass die kultige Alien-Puppe längst ein Markenzeichen von Devin ist und daher nie fehlen darf. Ein hübsches Mädel in der ersten Reihe hat sich sogar eine Ziltoid-Mütze aufgesetzt und sieht sich nach dem Gig dem einen oder anderen Fan gegenüber, der gerne ein Foto von ihr mit der witzigen Kopfbedeckung machen will.

Devin selbst gibt sich wieder sehr fannah und bemerkt sicherlich ebenfalls jene Zuschauerin, auch wirkt er wieder sehr gut gelaunt. Aber bei ihm hat man immer das Gefühl, sobald er auf der Bühne steht, fühlt er sich so wohl wie an keinem andere Ort der Welt – ein Livemusiker durch und durch, doch für jemanden, dessen Körper seit der Kindheit zu viel Adrenalin produziert, kann die Bühne ja auch nur der passendste Platz sein. Grimassen schneidend stolziert er über die Bretter und nutzt die Songpausen, um mit originellen, humorvollen Ansagen zu glänzen. Es sind auch nicht ausschließlich Albernheiten, die der Frontmann verbreitet, vielmehr nimmt er auf grandiose Weise Metalklischees und überhaupt die Szene aufs Korn. Beispiel: „Alright, time to stop talking like a jackass for a minute“, dann eine  Sekunde später: „Alright, time to talk like a jackass now, because talking like a jackass is part of being Heavy Metal. So, you guys fucking rule, nobody fucking rocks like in…“ – ein kurzer Blick auf die Rückseite der Gitarre – „…Hamburg.“

Auch wenn er sich lustig macht und herumblödelt, man merkt doch immer, dass er seine Musik ernst nimmt, aber dazu ist er auch ein viel zu brillanter Künstler, und mal abgesehen davon hat er ja auch recht damit, dämlich-abgedroschene Klischees zu verballhornen, vieles schreit nun mal geradezu danach, verarscht zu werden. Leute, die mit verschränkten Armen ganz hinten stehen und die Show eher skeptisch begutachten (offenbar welche, die nur für Fear Factory gekommen sind), bekommen ebenso ihr Fett weg („This next song is dedicated to all the true metalheads in the back who stand there like this… it’s called ‚Suck It‘!“). Immerhin zeigt Townsend  erneut auch viel Selbstironie, indem er sein Heimatland Kanada und seine (natürlich wieder ein Klischee) angeblich stets freundlichen Bewohner durch den Kakao zieht.

Was die musikalische Komponente angeht, so hatten wohl einige auf ein paar Strapping Young Lad-Songs gehofft, da der Meister bei seiner fetten „Retinal Circus“-Show in London vor ein paar Tagen einige Klassiker der 2007 aufgelösten Band spielte, doch dieser fromme Wunsch wird nicht erfüllt. Dafür packt er mit „Regulator“ vom ’97er Werk „Ocean Machine: Biomech“ eine andere olle Kamelle aus und auch „War“ und „Wild Colonial Boy“ datieren aus den Neunzigern. Vom neuesten Streich „Epicloud“ stammen „Kingdom“, „Where We Belong“, „Lucky Animals“ (wo es sich die Leute nicht nehmen lassen, ähnlich grenzdebil zu tanzen wie Devin in seinem inoffiziellen Video zu dem Song – wer’s nicht kennt, unbedingt bei YouTube anchecken!) und das finale, sich mächtig steigernde „Grace“.

Insgesamt eine Stunde darf der Nordamerikaner ran und nicht wenige hätten sich wohl mehr Spielzeit erhofft, zumal der Sound nach üblem Beginn mit dröhnendem Bass, zu dominanten Drums und Gitarrenbrei letztlich doch recht differenziert erklingt – was bei dem komplexen Material nicht immer Standard ist.

Setlist:

Supercrush!        
Kingdom        
Regulator        
Planet Of The Apes    
Where We Belong    
War            
Wild Colonial Boy    
Vampira        
Lucky Animals    
Juular            
Grace    

Seite
  • 1
  • 2
comments powered by Disqus

Sag zum Abschied mal so richtig laut Servus

Vor Freunden spielen ist doch auch ganz nett...

Rauschende Jubiläumsparty mit ein paar Wermutstropfen

Bundeswehr-Musikkorps und U.D.O. für den guten Zweck

Delirious und Terrorblade im Rausch der Kanalfahrt

Darkness Drummer Lacky beim Selbstversuch mit dabei