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Faun im Konzert (Münster, November 2010)

„Mittelalterliche Balladen für bestuhlte Konzertsäle“

Faun wussten das Publikum zu verzaubern

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„Mittelalterliche Balladen für bestuhlte Konzertsäle“ heißt es in der Beschreibung des Faun Acoustic Programms und mit diesem touren sie 2010/2011 durch Deutschland und spielen Lieder aus dem neuesten Album „Buch der Balladen“ sowie von älteren Alben.
Vor der Halle in Münster warten bei Einlass etwa 20 Besucher, die sich auf 60 bis zum Konzert steigern. Trotzdem bleiben die letzten fünf Sitzreihen frei, was eine fast private Atmosphäre schafft. Kein Gedränge, kein Kampf um gute Plätze und viel Beinfreiheit; allerdings auf Bänken anstatt auf Stühlen.

Die Bühne ist mit Faun-Banner und viel Efeu um die Mikrofone dekoriert. Nur die Leiter im Hintergrund stört das mittelalterliche Bild, welches die vielen verschiedenen Instrumente wie Harfen, Flöten, Dudelsack, Nyckelharpa und Lauten auf der Bühne bieten.

Pünktlich um 20 Uhr betreten Faun die Bühne, wobei Fiona, Rairda, Oliver und Rüdiger ganz selbstverständlich alle Sitzreihen passieren. Kaum auf der Bühne und das Publikum begrüßt, geht es sofort mit „Ne Alouj El“ los und alle sind sofort verzaubert. Es folgen bekannte Lieder wie „Sao Roma“ und „Karuna". Mit „Zauberhafte Träume“ gibt es ein Lied von Rairdas Album, das aber perfekt in die Arrangements von Faun passt. Rairda spielt Harfe und singt und wird von den anderen nur im Hintergrund begleitet.
Oliver Sa Tyr erzählt zu jedem Lied eine kleine Geschichte zur Entstehung oder zum Inhalt. Beim Lied „Herr Heinerich“ sagt er, es ginge um ein Trollweib, welches Herrn Heinerich besuche und vieles von ihm verlange. Und jeder habe vielleicht schon mal ein Trollweib zuhause gehabt, was das Publikum zum Lachen bringt. Als dann auch noch das Mikro kreischt, wird dies als Schrei des Trollweibes gedeutet und mit dem Lied begonnen, in dem Oliver den Part des Herrn Heinerichs sang und die Frauen das Trollweib.

Als letztes Stück vor der halbstündigen Pause spielt Oliver die „Ballade des Äußeren Lebens“. Nur mit der Harfe spielt er das alte Lied, in dem es um den Sinn des Lebens auf Erden geht.
Passend dazu kündigt er an, dass es am Merchandisestand den „Palo Santo“ zu kaufen gäbe. Dies ist sozusagen heiliges Holz, dessen Erlös für den Erhalt der Regenwälder in Peru gespendet wird. Nach der sehr gefühlvollen Darbietung entlässt er die Zuschauer in die Pause, in der sie am Merchandise Stand mit Niel Mitra reden. Dieser spielt bei der Acoustic Tour zwar nicht auf der Bühne mit, ist aber bei jedem Konzert dabei und macht den Verkäufer.

In der zweiten Hälfte entführen die Spielleute von Faun die Zuschauer in verschiedene Länder; von Portugal und Polen bis nach Spanien. Eindrucksvoll ist der zweistimmige Gesang von Fiona Rüggeberg und Rairda, die mit ihren unterschiedlichen Stimmlagen perfekt harmonieren. Besonders bei „Brücke über den Main“, einem Kinderlied über den Tod, ist dies zu hören. Auch Rüdiger Maul weiß das Publikum zu verzaubern. Mit seiner Sammlung an Perkussionsinstrumenten zeigt er, dass er nicht nur laut und leise spielen kann. Zwei lange Soli demonstrieren die Vielfalt und sein Können, den eher einfachen Instrumenten die unterschiedlichsten und interessantesten Rhythmen zu entlocken.

Doch neben der mystischen Wunderwelt von Faun Acoustic bleibt zwischen den Liedern immer wieder Zeit, das Publikum zum Lachen zu bringen. Als Oliver eine weitere Ballade ankündigen will, fällt Fiona eine Flöte aus der Hand. Er kann es sich nicht verkneifen zu sagen, dass ihm gerade das Herz in die Hose gerutscht sei, was alle amüsiert.
Zu „Zum Truge“ erzählt Oliver die Geschichte eines Jungen, der einer Elster (eine verzauberte Prinzessin) eine Prise Salz auf den Schwanz streuen wollte, um einen Wusch erfüllt zu bekommen.

Es folgen noch einige Lieder, aber nach dem letzten Lied „Tinta“ verabschieden sich Faun. Sie werden aber vom Publikum zurück auf die Bühne gerufen. Als Zugabe spielen sie „König Thule“, aber auch damit ist das Publikum nicht zufrieden. Beifall und Standing Ovations helfen und „Fort“ soll das letzte Stück des Abends werden, sehr passend als letztes Lied. Danach versammelt sich die Band am Merchandise Stand, um Autogramme zu geben.

Insgesamt ein sehr schönes Konzert im kleinen Kreis. Alle Balladen wurden sehr gefühlvoll gespielt und man hat die Spielfreude und die Konzentration in den Gesichtern gesehen. Die Zuschauer waren wie gebannt und ganz still, sodass selbst beim ruhigsten Lied kein Laut zu hören war. Sogar die Presse, die die Musik eigentlich nicht kennt, stand verzaubert am Rand und lauschte.

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