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Evergrey, Post Traumatic Stress Disorder im Konzert (Hamburg, Mai 2010)

Soundprobleme, wenig Zuschauer und etliche Spielfehler - Spaß gemacht hat's trotzdem

Hatten mit massiven Soundproblemen zu kämpfen: Evergrey

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Evergrey

Glücklicherweise verstehen es die spärlich vorhandenen Anhänger aber trotzdem, einigermaßen für Stimmung zu sorgen und auch Tom Englund und Co. scheinen gut gelaunt, jedenfalls grinsen sie sich viel und oft an und scheinen doch sichtlich erleichtert, die Band nicht aufgelöst, sondern im Gegenteil noch so kurzfristig Ersatzmusiker gefunden zu haben.

Leider ist trotzdem zu merken, dass man nicht eben viel Zeit hatte, um im neuen Line-up bereits sicher zusammenzuspielen. Besonders Zweitgitarrist Marcus verhaut sich vor allem bei den Harmonics das ein oder andere Mal und ist auch mit seinem Gitarrensound während des ganzen Gigs nicht zufrieden. Dies auch zurecht, denn des öfteren ist kaum etwas von seinen vielen Filigran-Soli, die er gerne mal vorne am Bühnenrand posend zum besten gibt, zu hören. Außerdem hat er einen Effektkoffer, in dem sich unter anderem Delay und Wah-Wah befinden, doch kommen diese Effekte kaum zur Geltung, da der Sound fast die ganze Zeit über sehr breiig aus der PA dröhnt.

Bassist Johan Niemann und Drummer Hannes Van Dahl, der ein bisschen wie ein jüngerer Adrian Erlandsson aussieht, wirken hingegen recht sicher, dafür aber hat mit Rikard Zander auch einer Probleme, der nicht neu dabei ist. Bei „Rulers Of The Mind“ weist ihn Englund einige Male per Handzeichen darauf hin, dass er in der falschen Tonart spielt, und erklärt dem Publikum danach: „We have some problems with the keyboard. It is wrongly pitched, which sounds kinda funny.“
Richtig so, von Problemen darf man sich eben nicht verrückt machen lassen, auch wenn es am heutigen Abend genug davon gibt, und Tom Englund ist ein Mensch mit sehr viel Humor. Von so verhältnismäßig wenig Zuschauern lässt er sich nicht unterkriegen, sondern freut sich vielmehr darüber, dass diese Wenigen wenigstens etwas Stimmung verbreiten können. Und ganz ehrlich: Trotz des miesen Sounds, der leider über den gesamten Gig nicht wirklich besser wird (hinten ist er sogar noch viel undifferenzierter als ganz vorne), macht es unheimlich Spaß – was zugegebenermaßen nicht zuletzt daran liegen dürfte, dass zumindest ich persönlich mich einfach tierisch darüber freue, diese geniale Band endlich live sehen zu dürfen.

Die Mischung der Setlist stimmt, mit dem Eröffnungstrio „Blinded“, „End Of Your Days“ und „As I Lie Here Bleeding“ vom überragenden „Recreation Day“-Album hat man gleich drei absolute Oberknaller im Programm, die man ins Publikum feuert, und die natürlich bestens Laune machen. Danach kommen mit „Obidience“, „Soaked“, „Still In The Water“ und „Monday Morning Apocalypse“ etwas neuere Stücke an den Start, bevor man sich dann ganz altem Material zuwendet: Über „Solitude Within“ freue ich mich ganz besonders (mit dieser Perle konnte man nicht unbedingt rechnen) und „Nosferatu“ (beide Songs stammen vom Zweitlingswerk „Solitude Dominance Tragedy“) ist und bleibt mit seinem grandiosen Chorus bestes Headbanger-Futter, bei dem dann auch entsprechend kreisende Matten zu beobachten sind.

Heute abend scheinen die Schweden die Songs aus ihren Alben bevorzugt blockweise zu spielen, denn die nächsten drei Tracks sind im Original auf „In Search Of Truth“ zu finden und gehören definitiv mit zum kompositorisch Besten, was die Band je abgeliefert hat – bei der Hitdichte von Evergrey ist das allerdings im Prinzip nur schwierig zu sagen.
„Rulers Of The Mind“, „Mark Of The Triangle“ und das unverzichtbare „The Masterplan“ bilden jedenfalls das umjubelte Ende des regulären Sets (Tom Englund vor „The Masterplan“ sinngemäß: „This is the last song of the evening, before we leave the stage and you yell, so we eventually come back.“), obwohl laut Setlist (vergleiche Fotogalerie) eigentlich noch „Words Mean Nothing“ und „I’m Sorry“ gespielt werden sollten.

Auch die Zugabensektion wird anders als ursprünglich vorgesehen eröffnet: Rikard Zander kommt zunächst alleine auf die Bühne und stimmt das großartige, ergreifende Instrumental „When The Walls Go Down“ an: ah, endlich was von „Inner Circle“. Symptomatisch für die Soundprobleme heute: Selbst die als Samples eingebauten Spoken-Words-Passagen ertönen völlig verzerrt aus den Boxen, und das anschließende Riffing wird von der Band komplett in den Sand gesetzt.

Neben der Tatsache, dass außerdem auf „Recreation Day“ verzichtet wird, das ich schmerzlich vermisse und das eigentlich auch auf der Setlist vermerkt war, und dass für meinen Geschmack ohnehin mehr von „Inner Circle“ hätte gespielt werden dürfen (neben „When The Walls Go Down“ gibt es lediglich noch „A Touch Of Blessing“ als letzte Zugabe um die Ohren), gibt es also einige Kritikpunkte heute abend: Abstimmungsprobleme, schlechter Sound und viele Spielfehler. Doch ehrlich gesagt: Mir ist es scheißegal. Ich hab meinen Spaß gehabt und die meisten anderen Zuschauer sicherlich auch. Und dass die Band in dieser völlig neuen Konstellation noch Probleme im Zusammenspiel hat, ist völlig klar; Spielfehler stören mich eh nicht allzu sehr, so lange sie nicht andauernd und in jedem Song auftauchen, und überhaupt sollte man den Jungs lieber Respekt dafür zollen, dass sie es so kurzfristig noch geschafft haben, ein Line-up zusammenzutrommeln, das einen Set mit technisch weiß Gott nicht gerade anspruchslosen Songs zu lernen hatte.
Es war ja außerdem der Tourauftakt für Evergrey – bestimmt werden sie sich noch steigern und sicherlich auch nicht jeden Abend mit solchen Soundproblemen zu kämpfen haben.

Setlist:

- Blinded
- End Of Your Days
- As I Lie Here Bleeding
- Obidience
- Soaked
- Still In The Water
- Monday Morning Apocalypse
- Solitude Within
- Nosferatu
- Rulers Of The Mind
- Mark Of The Triangle
- The Masterplan
------------------------------
- When The Walls Go Down
- Broken Wings
- A Touch Of Blessing

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