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Enslaved, Winterfylleth im Konzert (Hamburg, April 2013)

Heißer Anwärter auf das Konzert des Jahres!

Über jeden Zweifel erhaben: Enslaved

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Enslaved

Eine gute halbe Stunde dauert die Umbauphase, in der das Keyboard aus der Ecke geholt und eines der beiden Drum-Sets abtransportiert wird. Selbstverständlich ist es nun etwas kuscheliger im Logo geworden, jetzt sind endgültig alle näher an die Bühne herangerückt. Man kann von dem Laden ja halten was man will, doch da die Bühne sehr niedrig ist, befindet man sich quasi auf Augenhöhe mit der performenden Band, was die Intensität merklich erhöht und wesentlich zur Stimmung beiträgt. So auch heute: Kaum haben Enslaved die Bretter betreten, brandet lauter Jubel auf und sofort geht es ordentlich zur Sache.

„Riitiir“, der Titeltrack des aktuellen Outputs, ist aber auch ein Set-Opener, der den Leuten sogleich Feuer unterm Arsch macht. Das folgende „Ruun“ hingegen ist schon längst ein Klassiker und lässt die Meute noch mehr aus sich herausgehen. Ob ausverkauft oder nicht – eine solch tolle Atmosphäre wie heute erlebt man selten. Es ist kein Problem, weit vorne zu stehen und sich in Ekstase zu bangen, denn es ist immer noch genügend Bewegungsfreiraum da. Keine betrunkenen Idioten, die meinen, durch nervige Zwischenrufe auf sich aufmerksam machen zu müssen, keine Spacken, die es wagen würden, einen Moshpit zu eröffnen – es herrscht eine beinahe schon familiäre Stimmung vor, einfach genauso, wie es sein sollte.

Sich in Ekstase zu bangen, das kommt übrigens ganz von selbst. Der Sound ist 1 A und die Performance über jeden Zweifel erhaben. Obwohl die Norweger mit der Zeit immer progressiver wurden, gehörten sie noch nie zu der Fraktion, die nur dasteht und ihre Songs herunterrattert. Der mit freiem Oberkörper aufspielende Gitarrist Ice Dale begibt sich immer ganz nah an den Bühnenrand und macht Fistbumps mit Fans in der ersten Reihe und auch Bassist und Frontschreihals Grutle Kjellson ist sichtlich gut gelaunt und hat seinen Spaß mit den Zuschauern. Den größten Lacher erntet er, als er die Bandmitglieder vorstellt: Als er bei Ice Dale angelangt ist und gerade dessen Namen sagen will, kommt dieser auf ihn zu und flüstert ihm etwas ins Ohr, woraufhin Kjellson zum Publikum gewandt verkündet: „And on guitar Helmut Kohl… that’s what he told me. Lost a lot of weight…“ Auch die Crew wird gewürdigt, ganz besonders einer der Roadies, der neben den üblichen Dingen wie Instrumente stimmen auch dafür zuständig ist, dass dem Frontmann auf der Bühne nicht der Schnaps ausgeht. Überflüssig zu erwähnen, dass sich das Trinken kein bisschen negativ auf die Performance auswirkt.

Ob es daran liegt, dass es heute der letzte Gig der Tour ist und man sich nun doch auch auf die Heimat freut? Setzt dies noch einmal zusätzliche Kräfte frei? In jedem Fall sprühen Enslaved vor Spielfreude und die Fans danken es mit viel Applaus. Grutle Kjellson stellt entsprechend fest, dass die neuen Songs offenbar ebenso gut ankommen wie das ältere Material, was bekanntlich besonders in der Metalszene nicht so wahnsinnig häufig vorkommt. Mit immerhin vier Stücken steht „RIITIIR“ klar im Mittelpunkt und in Form des Titelsongs, des Album-Openers „Thoughts Like Hammers“, des dramatischen Epos’ „Roots Of The Mountain“ und des marschierenden „Materal“ wurden auch die besten Songs der Scheibe ausgewählt. Dennoch wird der Jubel natürlich noch einmal lauter, als Grutle nach letztgenannter Nummer ankündigt, dass es nun Zeit für älteren Stoff sei: Tatsächlich hat „Convoys To Nothingness“ vom 2001er Werk „Monumension“ schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, doch noch viel älter ist „Allfǫðr Oðinn“, das der EP „Hordanes Land“ von 1993 entnommen wurde.

Dieses Lied widmen die Jungs den Kollegen von Winterfylleth, die laut Kjellson supercoole Typen und exzellente Musiker seien und außerdem einen tollen Sinn für Humor hätten. Den können die Engländer bei der letzten Zugabe „Isa“ unter Beweis stellen, als sie den Spieß umdrehen und nun ihrerseits die Bühne stürmen, bekleidet mit Wikinger-Papphelmen und bewaffnet mit Pappschwertern, und anschließend mit dem Publikum zusammen das Titelstück des 2004er Albums grölen. Man sieht schon anhand dessen, wie sich die Musiker beider Combos angrinsen, dass das Verhältnis tatsächlich sehr freundschaftlich sein muss – es ist also gut vorstellbar, dass es irgendwann eine erneute gemeinsame Tour gibt.

Nicht unter den Tisch fallen soll jedoch, dass Cato Bekkevold vor diesem unterhaltsamen Finale noch ein kleines Schlagzeugsolo zum Besten gibt, das zumindest von Grutle Kjellson dafür genutzt wird, erst mal schnell eine Zigarette im Backstageraum zu rauchen. Als man für die zwei Zugaben zurückkommt, reicht er den Rest der Kippe kurzerhand an jemanden in der ersten Reihe weiter – auch eine Art, Fannähe zu demonstrieren… Als der Event nach zwölf Songs vorüber ist, kann man kaum fassen, dass schon gute 110 Minuten vergangen sind – so kurzweilig war das Ganze. Keine Frage, ein absolut grandioser Auftritt, der bereits jetzt einer der Anwärter auf das Konzert des Jahres ist!

Setlist:

Riitiir
Ruun
The Watcher
Thoughts Like Hammers
Ethica Odini
Roots Of The Mountain
Materal
Convoys To Nothingness
Allfǫðr Oðinn
As Fire Swept Clean The Earth
--------------------------------
Drum Solo
Fenris
Isa 

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