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Enslaved, Winterfylleth im Konzert (Hamburg, April 2013)

Heißer Anwärter auf das Konzert des Jahres!

Mehr Black Metal als man vermuten würde: Winterfylleth

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Dass es in der Welt meist nicht gerecht zugeht, ist eine Erfahrung, mit der man immer wieder konfrontiert wird. Würde es das nämlich tun, würden Enslaved nicht in einem vergleichsweise kleinen Laden wie dem Logo auftreten. Mit dem fantastischen „RIITIIR“ haben die Norweger im letzten Jahr das Dutzend vollgemacht und bereits ihr zwölftes Studioalbum herausgehauen – ein Qualitätseinbruch ist allerdings auch weiterhin nicht auszumachen. Ganz im Gegenteil, die Band hat sich einmal mehr weiterentwickelt und erneut untermauert, dass sie aus vorzüglichen Musikern besteht, die, obwohl sie einen der eigenständigsten Sounds der gesamten Szene kreiert haben, keine Lust auf Stillstand haben. „Eine Schande, dass eine Band von dieser Qualität in so ’nem Scheißschuppen spielen muss, und dann ist noch nicht mal ausverkauft“, lautet das Fazit eines Fans kurz nach der Show denn auch treffenderweise – doch eins nach dem anderen. Zunächst einmal steht der Auftritt der Vorband

Winterfylleth

an. Die Briten spielen recht puristischen Black Metal und haben genau wie der Mainact 2012 eine neue Scheibe veröffentlicht – sie allerdings sind vom Dutzend noch eine Kleinigkeit entfernt; bei „The Threnody Of Triumph“ handelte es sich um die dritte Scheibe des Quartetts. Da sie bislang aber sehr regelmäßig im Zweijahresrhythmus ihre Alben herausgebracht haben, dauert es vielleicht gar nicht mehr so lange, bis sie ebenfalls im zweistelligen Bereich angelangt sind.

Wie auch immer; die Düsterheimer stellen ein wunderbares Beispiel dafür dar, dass lange Haare und ein martialisches beziehungsweise Metal-typisches Outfit zwar wichtige Identifizierungspunkte bedeuten, aber letztlich nichts darüber aussagen, ob einer gute, authentische Musik macht oder nicht, oder ob er „true“ ist oder nicht. Wenn man diesen vier Typen auf der Straße begegnen würde, käme man jedenfalls wohl kaum auf die Idee, dass sie in einer Black-Metal-Combo zocken. Völlig unscheinbar in Jeans und schwarze T-Shirts gehüllt und mit Kurzhaarfrisuren ausgestattet sehen sie ganz und gar nicht nach Schwarzmetall aus, beweisen jedoch von der ersten Sekunde an, dass sie diese Musik sehr wohl begriffen haben.

Da das Logo nun wahrlich kein Club ist, in dem man stets mit makellosem Sound verwöhnt wird, kommt zunächst Skepsis auf, ob bei zwei Extrem-Metal-Bands alles glatt läuft, doch auch diese Bedenken werden vom ersten Takt an weggewischt. Es ist nicht zu laut und nicht zu leise, die Instrumente sind alle sauber herauszuhören, sogar wenn beide Gitarren unterschiedliche Dinge spielen, kann man dies herausfiltern – und dass das nicht Standard ist, weiß jeder, der mal auf einem Black-Metal-Gig war.

Trotz dieser erfreulichen Tatsache ist die Stimmung anfangs noch etwas zurückhaltend. Während Winterfylleth ihre Dunkelhymnen ins Publikum feuern, stehen die Leute zunächst gute zwei bis drei Meter von der Bühne entfernt, erst etwa ab der Mitte des Sets, als Frontmann Chris Naughton erklärt, man dürfe auch gerne etwas näher kommen, tauen die Zuschauer auf und wagen sich etwas näher an den Ort des Geschehens heran. Warum auch nicht; das, was die Engländer bieten, ist zwar nichts Neues oder Innovatives, aber doch old-schooliger Black Metal auf hohem Niveau. Melodien sind dementsprechend kaum vorhanden, dafür jede Menge Blastbeats, die der mit putzig gezwirbeltem Schnauzer ausgestattete Drummer Simon Lucas souverän darbietet, und ganz viel Atmosphäre.

Die Jungs haben sich den wachsenden Applaus daher redlich verdient und bedanken sich artig beim Hamburger Publikum. Ein starker Auftritt einer zum Headliner passenden Combo, der die Fans gut anheizt und kurz vor Schluss noch eine lustige Überraschung bietet, als die Kollegen von Enslaved plötzlich in Uniformen auf der Bühne erscheinen und vor ihren Tourkameraden stramm salutieren. Natürlich, schießt es einem da durch den Kopf, es ist der letzte Tour-Gig heute und da ist es ja durchaus üblich, der/den anderen Band(s) Streiche zu spielen. Man möge mir verzeihen, dass ich hier keine Songtitel aufführe, ich kannte die Band bislang nur vom Namen her, und da sich Naughton mit Ansagen eher zurückhält und keine Setlists ausliegen, kann ich damit leider nicht dienen. So oder so war dieses überzeugende Konzert allerdings ein Anlass, sich mal näher mit dem Schaffen Winterfylleths zu befassen.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“