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Enslaved, Imperium Dekadenz & Heretoir im Konzert (November 2017)

Insgesamt gelungener Tourauftakt im verregneten Hamburg

Enslaved reisen topmotiviert zum Tourauftakt an (hier Gitarrist Ice Dale).

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Witzig eigentlich: Als Enslaved das letzte Mal in Hamburg gastierten, war dies ebenfalls im Logo, damals war es das letzte Konzert der Tour; heute, über viereinhalb Jahre später, ist es im selben Laden der Auftakt der Tournee. Es ist ja nichts Neues, dass am Anfang einer solchen Rundreise nicht immer alles glatt laufen will und so ist tatsächlich der Sound – nachdem er bei beiden Supportacts ja sehr brauchbar tönte – nicht optimal. Insbesondere sind ausgerechnet das Keyboard und die Vocals des neuen Tastenmannes und Clean-Sängers Håkon Vinje, der auf „E“ einen ausgezeichneten Einstand hinlegte, kaum zu hören. Ärgerlich, wo man natürlich gerade darauf erpicht ist, die Qualitäten des neuen Bandmitglieds auch live zu ergründen.

Ist anfangs noch praktisch gar nichts von ihm zu hören, bessert sich dies später ein wenig, aber durchschlagskräftig ist etwas anderes. Das ist ein bisschen schade, zumal der neue Mann vor allem bei den neuen Songs recht viel zu singen hat. Doch natürlich will man sich dadurch nicht den Spaß verderben lassen, gefeiert wird die Band vom mittlerweile zahlenmäßig recht ansehnlichen Publikum selbstverständlich trotzdem. Es ist nicht ausverkauft, was eigentlich eine Schande ist, wenn man bedenkt, dass diese Band in 26 Jahren 14 Studioalben herausgehauen hat, die qualitativ stets recht weit oben anzusiedeln waren, und dann kommen nicht einmal genügend Leute, um diesen kleinen Schuppen vollzumachen.

Was soll’s, die Stimmung ist auch so sehr gut, an einem Freitagabend ist man schließlich grundsätzlich deutlich mehr in Feierlaune als mitten in der Woche und so dürfen sich die Norweger über auch von zwei tollen Vorbands gut angeheizte Zuschauer freuen. Gestartet wird mit „Storm Son“, dem Opener der aktuellen Scheibe, danach folgt mit „Roots Of The Mountain“ ein weiteres Stück aus der eher neueren Enslaved-Ära.

Insgesamt hält man die Waage zwischen neuerem und älterem Material, wobei „Convoys To Nothingness“ zum Beispiel als ältere Nummer zuletzt öfter auf der Setlist stand und somit keine wirkliche Überraschung mehr darstellt. Schon bedauerlich jedoch, dass fast das gesamte Schaffen mittleren Alters kaum Berücksichtigung findet (die drei Meisterwerke „Ruun“, „Vertebrae“ und „Axioma Ethica Odini“ sind überhaupt nicht vertreten), aber man muss natürlich zugeben: Bei dieser unglaublichen Masse an Songs ist es bestimmt nahezu eine Qual, eine Auswahl zusammenzustellen.

Motiviert ist die Band bis in die Haarspitzen, das ist definitiv zu jeder Sekunde spürbar; man ist natürlich stolz auf das tolle neue Album und sicherlich froh, wieder on the road zu sein – trotzdem schade, dass „Feathers Of Eolh“ nicht zum Zuge kommt, wo sich Håkon besonders hervortun und seine Sangeskünste demonstrieren kann, aber da er bei dem Mix heute Abend ja ohnehin kaum zu hören ist, wäre das wohl eh Verschwendung gewesen. Dafür wurde Ivars derzeitiger Favorit (so jedenfalls sein Statement im Interview) „Sacred Horse“ auf die Songliste gepinselt.

Auch Frontmann/Bassist Grutle Kjellson zeigt sich gut gelaunt und sorgt mit seinen trockenen Ansagen für vereinzelte Lacher – am besten kommt die Vorstellung des Drummers Cato Bekkevold kurz vor dessen Solo, welches die erste (und stets unverzichtbare) Zugabe „Allfǫðr Oðinn“ einleitet, als Karl-Heinz Rummenigge an. Wobei man das, so ein unsäglicher Dampfplauderer wie der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München ist, schon fast als Beleidigung betrachten könnte.

Mit dem wunderbar mitsingkompatiblen „Isa“ wird der Gig dann kurz und knackig abgeschlossen und so viel Spaß es auch wieder gemacht hat: Ein, zwei Songs mehr wären vielleicht noch drin gewesen. Aber was sollen die Berliner erst sagen: Dort sollen am nächsten Tag alle drei Bands zu Kürzungen ihrer Sets gezwungen worden sein, weil im bespielten Club später noch eine andere Veranstaltung stattfand. So etwas ist natürlich eine absolute Unverschämtheit, die uns Hansestädtern glücklicherweise erspart blieb.

Setlist:

Storm Son
Roots Of The Mountain
Return To Yggdrasil
The River’s Mouth
Convoys To Nothingness
Vetrarnótt
One Thousand Years Of Rain
Sacred Horse

Drum Solo
Allfǫðr Oðinn
Isa

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