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Emil Bulls, KIM?, Sturch im Konzert (Weinheim, Oktober 2009)

The Phoenix has landed...
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Emil Bulls

Nach akrobatischen Einlagen seitens des Tontechnikers mit dem Bemühen, die KIM?-Fahne zu entfernen und den Blick auf das Logo des Headliners freizugeben, haben die Bayern auch noch mit Soundproblemen zu kämpfen. Tonmensch möchte man heute wirklich nicht sein; der arme Mann rennt von seinen Geräten zur Bühne und wieder zurück, während sich allmählich mehr Fans einfinden. Die Temperatur hat inzwischen garantiert die 30-Grad-Marke geknackt und steigt mit der Menge der Fans. Als die bayerischen Bullen endlich spielfertig sind, haben sich doch noch allen Widrigkeiten zum trotz die üblichen 200 bis 300 Nasen vor der Bühne versammelt. Ich durfte die Band schon bei ihrer letztjährigen „The Black Path“-Tour bewundern, obwohl mir damals ein Kreislaufdefizit einen pechschwarzen Strich durch die Rechnung gemacht hatte.

Das wird mir heute wohl kaum passieren: Schon beim Opener „Here Comes The Fire“ werde ich mit Flüssigkeit in Form des Schweißes von Sänger Christ und Gitarrist Moik versorgt. Es ist aber auch verflucht heiß im Konzertraum – und die Ventilatoren auf der Bühne sind natürlich ausgeschaltet. Super. Der neue Gitarrero Andy fügt sich optisch wie performancemäßig super ein und hat sichtlich Spaß – auch wenn man ihn der extrem unauffälligen Schleichwerbung bezichtigen muss: Immerhin trägt er ein Shirt seiner Band From Constant Visions, die auf der letzten Tour für die Bulls die Show eröffnen durften.

Allmählich erklärt sich die Leere bei den Vorbands von selbst: Der Großteil der Leute ist nur für Emil Bulls gekommen und fand die Auftritte der Vorbands schlichtweg unnötig. Schade eigentlich, aber die heutigen Stars des Abend wissen um ihren Status und geben ordentlich Gas: Mit „Most Evil Spell“, „Leaving You With This“ und dem Mix „Wolfstunde/Ad Infinitum“ bieten sie einen guten Querschnitt durch sämtliche Alben. Man merkt dem Quintett die Spielfreude an; Bassist Mr. James überrascht und überzeugt mit genialem Background-Gebrüll und Schlagzeuger Fab bekommt endlich auch mal seinen verdienten „Fame“ (O-Ton Christ) bei einem außerplanmäßigen Drumsolo.

Tatsächlich scheint vor allem Christ etwas überrascht ob des kleinen aber penetranten Moshpits, der beinah vom ersten Song an besteht und kaum unterbrochen wird. Der Sauerstoffgehalt wird allmählich bedenklich knapp, dennoch feiern die Fans die Überhymne „Smells Like Rock `n Roll“, ebenso wie das fast epische „All In Tune (With The Universe)“ und „When God Was Sleeping“, die Vorab-Single des aktuellen Albums. Bei „Worlds Apart“ lässt Christ sich dazu hinreißen, zu einer „kleinen aber feinen“ Wall Of Death aufzurufen, was auf so engem Raum nicht nur eine saublöde Idee ist, sondern auch scheitert. Keiner der Teilnehmer versteht, dass die ausgestreckte Hand des Sängers DAS Signal zum Aufeinanderprallen darstellt, also prügelt die kleine Gruppe einfach dann los, wenn sie es für richtig hält. Großes Entertainment auf kleinem Raum, so muss das sein!

Die Band zieht sich zurück, nur Christ erscheint mit seiner Gitarre für das sehr ruhige „I Don´t Belong Here“ erneut auf der Bühne. Der Song ist zwar wunderschön, schläfert das ohnehin erschöpfte Publikum aber fast ein, so dass es auch beim folgenden Song nicht mehr so richtig in die Gänge kommt. Die Zugaben „Revenge“ und „Tomorrow“ erwcken die müden Geister allerdings noch ein letztes Mal zum Leben und das nicht zu knapp: Der Mini-Mosh brodelt, die überschaubare Menge grölt aus vollem Hals mit und der Sänger teilt sein Mikro hier und da brüderlich mit der ersten Reihe.

Um kurz nach Mitternacht gehen die Lichter schließlich wieder an. Rotgesichtige Menschen mit verknoteten Gliedmaßen suchen den Boden und die Bühne nach Plectren oder sonstigen Rückständen der Band ab, schwitzende Menschen strömen nach draußen in die eiskalte Nacht, während die drei Bands es sich nicht nehmen lassen, am Merch-Stand für Autogramme, Fotos oder einen kleinen Kaffeeklatsch zur Verfügung zu stehen. Obwohl der Abend nicht ganz frei war von Unfällen – Toms abgebrochener Zahn, diverse Hodenquetschungen kleiner Jungs im Mosh und Christ wäre fast in eine Lücke zwischen Lautsprecher und Bühne gefallen – hinterlassen die Bullen ausschließlich ein breites Grinsen, verknotete Haare und einen Tinnitus in beiden Ohren. Ich für meinen Teil bin außerdem froh, mir als eine der wenigen die Vorbands angeschaut zu haben. Der Phoenix ist also gelandet… und schlussendlich fanden sich doch noch Menschen, die ihn sehen wollten.

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