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Emil Bulls, KIM?, Sturch im Konzert (Weinheim, Oktober 2009)

The Phoenix has landed...

Die Punkrocker KIM?

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… und kein Schwein interessiert´s. Zumindest sieht es ganz danach aus, denn wo sich sonst zwanzig bis dreißig Leute tummeln, rauchen heute lediglich eine Handvoll Menschen ihre letzten Zigaretten. Ob das ungemütliche Wetter Schuld ist, dass sich zwanzig Minuten vor Einlass noch kaum Fans eingefunden haben, oder was sonst der Grund sein könnte – man weiß es nicht. Tatsache ist: Die Crossover-Metaller Emil Bulls haben zur „Phoenix“-Tour ins beschauliche Weinheim und das noch beschaulichere Café Central geladen. Mit im Gepäck haben sie ihr am 25. September erschienenes Album und zwei relativ unbekannte Vorbands.

Bevor das Spektakel starten kann, muss man sich erstmal mit der obligatorischen Warterei zufrieden geben; ein Teil der Band stopft noch die letzte Mahlzeit vor der Show in sich hinein, der Rest frönt dem Soundcheck. Erfreulicherweise sind die Preise am gut sortierten Merchandise-Stand im Vergleich zum letzten Konzert gesunken, daher decke ich mich erstmal dort ein. Frauen shoppen ja bekanntlich gerne aus Langeweile. Ein Teil der Emil Bulls-Crew entspannt kein bisschen aufgeregt an der Theke, als wir uns um kurz nach halb neun neben den Boxen direkt vor der Bühne postieren.

Eigentlich ist der Beginn der Show erst für 21:00 Uhr angesetzt und normalerweise muss man mindestens noch eine halbe Stunde drauf rechnen – allerdings taucht schon um zwanzig vor neun ein Mensch mit Gitarre auf der Bühne auf, der lautstark fordert: „Wo ist der Mischer, wir wollen unser Intro!“ Charmant, charmant, aber angesichts der leicht desorganisierten Crew durchaus verständlich.

Sturch

Der Tonmensch ist schnell gefunden und der Gitarrenmann on stage entpuppt sich als Hannes, seines Zeichens Gitarrist der Hamburger Sturch, die den undankbaren Job der ersten Vorband übernehmen durften, um dem Publikum einzuheizen. Doch von „Publikum“ kann fast keine Rede sein: Weniger als zehn Leute haben sich in den Zuschauerraum verirrt, der Rest schaut feige vom Tresen aus zu oder raucht draußen noch eine. Sänger Dennis löst das Problem auf seine Art: Der Mann mit der unglaublichen Stimme wandert immer mal wieder gemächlich durch den Raum, besucht Andy und Jamie von den Emil Bulls an ihrem Tisch und kümmert sich fürsorglich um die wenigen Fans. Unglaublicherweise hatte ich vorher nie auch nur ein Wort von dieser Band gehört, werde sie jedoch zu meinen persönlichen Top Ten hinzufügen.

Das 2001 gegründete Quintett legt trotz der wenigen Zuschauer eine extrem gute Show hin. Wie ich im Nachhinein lese, wird Dennis gesanglich mit dem Sänger von Tool verglichen – dabei hat der Hamburger Jung´ seinen völlig eigenen Stil. Ich habe einen permanenten Kloß im Hals, weil seine Stimme einfach perfekt dazu geeignet ist, Emotionen zu transportieren. Mit ihrer Mischung aus großartigen Melodien, knallenden Riffs und den überraschend starken Core-Shoutings von Bassist Lennart – dem kleinen Mann mit der großen Stimme, der in die Fußstapfen des auf unerklärliche Weise verstorbenen vorherigen Bassisten tritt – müssten die Hamburger, die gerade ihr zweites Album „The Green Album“ veröffentlicht haben, eigentlich den Nerv des relativ jungen Publikums treffen. Trotzdem wächst die Zuschauerzahl nicht. Nach nur 25 Minuten und mitreißenden Songs wie „Kill Your Thoughts“, „Poisoned With Impurity“, „My Great Comfort“ und der an die wenigen Zuschauer gerichteten Zugabe „For You“ machen die Fünf die Bühne frei für die zweite Vorband des Abends.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“