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Eläkeläiset im Konzert (Hannover 2006)

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Für den gesetzten Bürger im goldenen Alter von etwa 60 bis 70 Jahren ist vieles was heute als Musik bezeichnet wird schlichtweg unerträglich. Diese Barriere findet man eigentlich ständig, jeder von uns trägt sie mit sich herum; so bin ich etwa leicht allergisch auf sogenannte Volksmusik und dessen amerikanisches Equivalent Country.

Wenn nun bei einem Konzert, auf welchem die Musik eher an Polka erinnert, vorwiegend junge Leute begeistert feiern, so mag man die Brücke zwischen den Generationen als überaus intakt betrachten.

 

Dass Eläkeläiset in der Metal-Szene besonderen Zuspruch finden, mag an diversen Faktoren liegen, vor allem jedoch sind die ursprüngliche Freude an direkter Musik, die Vorliebe zum Alkohol und die Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Musikstilen sicherlich ausschlaggebende Faktoren für den weitreichenden Erfolg der finnischen Band.

 

Und so kam es auch, dass sich eine nicht geringe Menge von Leuten vor dem hannoverschen Szene-Club Bei Chez Heinz einfanden, die wie die grimmigsten Metaller aussahen und im Tiefsten Innersten eine Vorliebe für finnische Ursprünglichkeit gepaart mit den lyrisch-melodiösen Ergüssen der weiten Welt der Popmusik hatten.

Denn genau dies sollte allen Besuchern geboten werden, und schon das Duo um den nominierten "Sägisten" Jouni Salo gab ein breites Repertoire an populärer Musik und einigen finnischen Liedern zum Besten. Nur eine singende Säge und eine Gitarre brachten den ganzen Club in Stimmung; und zwar in genau die Stimmung die sie wollten: Entweder ausgelassen oder besinnlich, wobei freilich nur ein ruhiges Stück im Set ausreichte, da man schließlich nicht zum Sitzen und Säge-hören gekommen war, sondern um sich das Tanzbein lockern zu lassen.

 

Und genau dort stiegen Eläkeläiset dann auch ein. Ihr Programm war nicht innovativ neu gestaltet, sondern von der gleichen bezaubernden Simplizität, die man schon von ihren Platten kennt. Die Massen vor der Bühne gaben ihre innige Liebeserklärung an Musik und Band durch pausenloses Mitfeiern und ausgelassenen Beifall zum Besten, und so kamen zwischen den gelegentlichen, englischen Ansagen alle Beteiligten kurz zum Verschnaufen, bevor es dann weiter ging mit dem rhythmisch unkomplizierten 80-minütigen Humppamarathon.

Und je weiter man vorne stand, desto ekstatischer wurde das Publikum, und so war ich nach dem Konzert so verschwitzt und erschöpft, wie es manch ein abendfüllender Discobesuch nicht vermag, ganz im Sinne der finnischen Saunakultur, mag man meinen.

 

Man kann also sagen, das Konzert war überaus kurzweilig und auch wenn bösen Zungen behaupten, die Finnen würden komplett ausrasten, wenn man sie nur mit genügend Alkohol versorgt, so haben Eläkeläiset doch ihre musikalisch-technische Versiertheit unter Beweis gestellt, und dem Publikum des gut gefüllten Chez Heinz einen ausgelassenen Abend beschert.

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