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Eisbrecher, Lord Of The Lost im Konzert (Nürnberg, Februar 2012)

Mit Gerte, Charme und Trachtenhut

Eisbrecher zerlegen den Löwensaal

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Eisbrecher

Nach einer längeren Umbaupause sind die Headliner am Zug. Das Eisbrecher-Emblem erstrahlt unter der Schießbude in kaltem Blau und die Musiker kommen nach und nach aus den Startlöchern gekrochen. Auch Alex erscheint beim Einsatz seines Gesangsparts von „Exzess Express“ auf der Bühne und wird mit großem Jubel Willkommen geheißen. Wie gewohnt ganz adrett in schwarzer Lederjacke präsentiert er den ersten Song vom neuen Album „Die Hölle muss warten“, das sich gleich von Null auf Platz fünf der deutschen Albumcharts hochkatapultiert hat.  

Langsam wird es mit der Tierhaut doch etwas warm auf der Bühne und der Sänger entledigt sich des Überwurfs, damit es ohne Hitzschlagattacken mit „Willkommen im Nichts“ weiter gehen kann.  Es wird sich allerdings nicht nur auf den Neuling spezialisiert, sondern man mischt die Songs mit dem Klangwerk vergangener Jahre bunt durch. Mit dem vierten Stück „Abgrund“ hagelt erst wieder neues Material für die Meute. Damit man sich vor der Austrocknung schützt, hat sich der Fronter doch gleich eine Buddel Whiskey mit auf die Bühne genommen. Allerdings scheinen einige im Publikum eine Befeuchtung der Kehle nötiger zu haben und da hilft man von vorne natürlich gern aus. Manus Manum Lavat. Aber Alex gibt deutlich zu verstehen, dass auf der Flasche „Wiedersehen“ eingraviert ist. 

Während das güldene Gesöff auf Reisen geht, wird vorne wieder mit dem Set weitergemacht. Allerdings brennt der Durst, nachdem der Frontmann „Antikörper“ und „Leider“ aus dem Hals geschrien hat, doch sehr auf die beanspruchten Stimmbänder, der Whiskey ist hingegen nicht mehr am Podest angekommen. Ein Roadie eilt sofort heran, um mit Kartoffelschnaps auszuhelfen, jedoch recht begeistert zeigt sich Herr Wesselsky nicht. Egal – wat mut dat mut! 

Nach „Herz aus Eis“ ist großes Gewusel auf der Bühne zu sehen. Wenn Tonnen im Spiel sind, weiß die treue Fangemeinschaft, dass „Amok“ auf dem Programm steht, und so ist es auch. Die vier Mitstreiter tauschen ihre Instrumente mit neongrünen Drumsticks und hauen fröhlich auf das Blech ein. Alex streichelt während des Songs freundschaftlich über die Glatze von Drummer Achim, doch dabei hat man wohl vergessen, dass Scheinwerferlicht auf nackter Kopfhaut zu einigen Schweißperlen beitragen kann. 

Die obligatorische Schlagereinlage darf auch dieses Mal nicht fehlen. Jedoch zeigt sich das Publikum nicht angetan vom Wort Schlager. Alex versucht, die Menge aus der Reserve zu locken mit den Worten „Kommt schon, in jedem Schwarzen schlägt doch ein Schlagerherz“. Allerdings zeigt sich, dass das Publikum keinen Bock auf Akustik hat. Doch das scheint den Münchnern wurscht zu sein, denn sie ziehen ihren Stiefel knallhart durch. Die leicht abgewandelte Version von Michael Holms „Tränen lügen nicht“, die auch schon fest in die Setlists des Quintetts Einzug gehalten hat, wird gleich mit „Mir san a bayrische Band“ von der Spider Murphy Gang verschmolzen. Das Medly kommt trotz vorangegangenen Beschwerens gut an und es wird fröhlich mitgesungen. Zum Schluss drückt Alex Gitarrist Jochen noch einen dicken Schmatzer auf den Mund auf, der sich mit einem freundlichen Schulterklopfen bedankt und dann schnell das Weite sucht. 

Mit „Die Engel, die Krüge – oans, zwoa, drei – bsuffa“ wird gleich von der Schlager-Hit-Parade wieder in normale Gefilde geführt. Inzwischen hat auch die verlorengegangene Whiskeyflasche ihren Besitzer wieder gefunden. Alex zeigt sich erfreut über den wiedererrungenen Gegenstand und nimmt gleich einen kräftigen Zug vom Hochprozentigem. Dann kann es ja mit „Prototyp“ weitergehen. Sänger und Gitarristen steigen dabei auf die Subwoover und geben einige Zentimeter näher am Fan ihr Bestes.

Nach einer kleinen Vorstellungsrunde trifft die Nachricht am Podest ein „Whiskeyflasche bitte unterschreiben und am Merchstand abgegeben“. Naja dazu muss sie erstmal leer werden. Ob das Überhändigen an den Fanartikeltempel je stattgefunden hat, haben wir nicht erfahren 

Während „Vergissmeinnicht“ geht Alex auf Tuchfühlung mit dem Publikum und schüttelt einigen in den vordesten Reihen die Hände. Ein Lob kommt auch noch vom Fronter, nämlich dass Nürnberg den Takt bis jetzt am Besten gehalten hat. Daraus schließt der Sänger, dass es in den zwischenmenschlichen, rhythmischen Aktivitäten sodann perfekt funktionieren muss hier in der Gegend. 

Eisbrecher schlängeln sich weiterhin durchs Set und es kommen noch einige Bühnenutensilien wie eine Spiegelkugel und die hochgeehrte Frankenflagge zum Einsatz, für die der Roadie gleich für das falsche Zusammenlegen eine verdiente Rüge erhält. Auch Trachtenhut und eine neue Weste kann Herr Wesselsky vorweisen. Schließlich kommt endlich das Lied für alle Frauen zu Tage – „Miststück“. Die auf der Empore links und rechts der Bühne versammelten Fans werden zum Mitsingen animiert. Die rechte Seite macht ihre Sache ganz gut, jedoch die linke muss etwas aus der Reserve gelockt werden. Alex ist natürlich um keinen Spruch verlegen und stellt die letzte Fraktion als Gastfans aus Aserbaidschan vor.

Mit einem gewaltigen Knall und anschließendem weißen Flittersturm kommen Eisbrecher nun zum Ende. Mit „Hölle“ wird der Absacker des Abends noch gespielt und dann können die Musiker nach zweistündiger Strapaze wieder zur Ruhe kommen und den Restwhiskey vernichten.

Auf jeden Fall haben Eisbrecher in Nürnberg eine Hammer-Show abgeliefert und man kann getrost feststellen, dass der Aufenthalt im Gedränge jede Minute wert war. 

Setlist:

  •  1. Exzess Express
  •  2. Willkommen im Nichts
  •  3. Angst?
  •  4. Abgrund
  •  5. Verrückt
  •  6. Antikörper
  •  7. Leider
  •  8. Herz aus Eis
  •  9. Amok
  •  10. Schlager-Medley
  •  11. Engel
  •  12. Prototyp
  •  13. Vergissmeinnicht
  •  14. Schwarze Witwe
  •  15. Heilig
  •  16. This is Deutsch
  •  17. Kann denn Liebe Sünde sein
  •  18. Ohne Dich
  •  19. Misstück
  •  20. Hölle  
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