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Dritte Wahl, Cor im Konzert (Dresden, April 2015)

Wenn Leidenschaft und Herz den Saal zum kochen bringen

Wenn man auf den Januar 2015 zurückschaut, kann man bezüglich des Wetters folgende Einschätzung lesen: „Der erste Monat des Jahres zeigte sich zu mild und abwechslungsreich: Erst rekordverdächtige Frühlingswärme und zum Ende hin winterlich.“ So ungefähr, wenn auch in anderer Reihenfolge, kann man auch die Albenveröffentlichungen im gleichen Jahresabschnitt beschreiben, die anständig den Geldbeutel schröpften. Dass es im Januar auch noch zu wenig Sonnenschein gab, glichen glücklicherweise einige Bands mit ihren neuen Werken komplett aus. Gleich zwei von ihnen treten heute Abend im Alten Schlachthof an, um ihr Liedgut unter die Menschen zu bringen. Zum Einen sind dies Cor, die mit ihrem neuen Album „Lieber tot als Sklave“ den eisigen Zeiten ordentlich Feuer unterm Arsch machen und zum Anderen ist dies Dritte Wahl, die mit einem sehr abwechslungsreichen und ebenfalls sehr gelungenen Album um die Ecke kommen. Dresden begrüßt sie nicht nur mit erfreulich hohen Vorverkaufszahlen, sondern auch noch mit einem traumhaften Frühlingswetter.

Cor

So verwirrend manchmal die Temperaturen zu Weihnachten und Ostern scheinen, so merkwürdig erscheint auch der Blick in den Saal. Da vereinnahmen also diese beiden Bands den großen Saal und was man dort kurz vor Beginn an Zuschauern sieht, ist nicht viel mehr als eine Handvoll Leute. Sollte man aber bei den Begrüßungsworten von Frontmann Friedemann: „Wir spielen in einer großen Halle, damit uns mehr sehen können. Ansonsten ist alles wie immer, wir lieben euch.“, doch noch einen Blick jenseits der Bühne riskieren, darf man eine sehr gut gefüllte Halle wahrnehmen.

Dies ist aber zugleich die letzte Ablenkung. Denn was man jetzt auf der Bühne zu hören und zu sehen bekommt, kann man am besten mit einem Herbststurm auf Rügen vergleichen. Rau, aufbrausend, ständig dem Gefühl ausgesetzt, dass der Wind einem kräftig ins Gesicht schlägt, möchte man sich vor der Wucht am liebsten verkriechen und genießt dann doch die entgegentreibende Kraft in vollen Zügen.

Das Cor nicht antreten um über das Wetter zu plauschen, ist ihren Fans klar und wer sie bis dahin nicht kannte, erfährt es eben jetzt. „Antipop“ ist nicht nur der erste Titel, sondern auch eine recht klare Aussage über die Musik die tagtäglich aus den Radiosendern dudelt. Und wenn man schon so schön beim Thema ist, gibt es mit „Business“ gleich noch die nächste Breitseite gegen das Musikgeschäft. „Tsunami“ tost durch die Halle und ehrlich gesagt, ist man froh, als Friedemann die erste Ansage macht. Da die ersten Titel mit einer dermaßen hohen Energie und völlig ohne Pause durchgezogen werden, bleibt den Leuten im Raum eigentlich kaum noch Zeit zum atmen. Zwar verschwindet die Leidenschaft auch infolge nicht, aber immerhin stehen jetzt ein paar kurze Erholungspausen zwischen den Hardcore-Stücken bereit, die durch Friedemann mit authentischen Statements gefüllt werden. Ob zum Thema Rassismus, Pädophilie oder Konsum, die Worte kommen immer aus tiefsten Herzen, wirken ehrlich und können genauso gut aufrütteln. So schwingt sich „Herztier“, mit einer unglaublichen Inbrunst vorgetragen, neben „Segeln“ zu einem absoluten Highlight auf.

Das Thema Musikgeschäft wird noch einmal aufgegriffen, diesmal aber um der nachfolgenden Band für ihre aufrichtige Musik zu danken und der Hoffnung Ausdruck zu verleihen, dass sich auch in Zukunft weiter Bands aufmachen, die mit handgemachter Musik und gelebten Texten die Leute begeistern können. Der „Sound der Straße“ weht durch den Saal und wird jetzt zum Sound des Saals, bevor die Ankündigung des letzten Songs erfolgt. Mit „Am Meer“ setzen Cor den perfekten Schlusspunkt unter ihr einstündiges Konzert. Wer kraftvolle Musik mit aufrichtigen Texten hören will, kommt wohl an Cor nicht mehr vorbei und muss ebenso deren Ansturm gewachsen sein. Denn trotz der Begeisterung die sich jetzt in Zugabe-Rufen ausdrückt, sollte man doch anmerken, dass nicht alle Zuschauer während des Gigs im Saal blieben. Cor sind sicher nicht jedermanns Sache und man darf stark annehmen, dass sie dies auch nicht sein wollen.

Setlist: 

Antipop
Business
Tsunami
Freunde des Wortes
Herztier
Frei sein
Mischling
Nichts gesehen
Guter Tag zum Sterben
Krieg
Segeln
Lass sie nicht rein
Sound der Straße
Freistil
Am Meer

 

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