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Dream Theater, Periphery im Konzert (Hannover, Februar 2012)

Der neue Mike in Action

Live immer wieder ein Erlebnis: Dream Theater

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Dream Theater

Nach einer Dreiviertelstunde ist der Spaß dann auch vorbei und das Publikum bedankt sich artig. Der Umbau beginnt und schon am Bühnenbild, das hinter der Plane der Vorband verborgen war, merkt man, dass der Hauptact heute einiges vorhat. Erst einmal springt einem der Schlagzeugpalast ins Auge, der für Mike Mangini geplant ist. Der Mann hat sogar über sich Kongas und Trommeln aufbauen lassen und dazu noch einige Klanghölzer und Glockenspiele um sich herum platziert. Ein normaler Mensch bräuchte für das Teil ‘ne Landkarte, der Ex-Steve Vai-Drummer kennt sich jedoch bestens darauf aus, was er später noch eindrucksvoll beweisen soll.

Des Weiteren breiten sich mehrere Leinwände hinter der Band aus, die drei Würfel darstellen und später mit Videosequenzen für den visuellen Beigeschmack beim Zuschauer sorgen sollen. Auf diesen Leinwänden wird dann, als das Licht ausgeht, das Intro in Form eines lustigen Zeichentrickfilmes präsentiert, in welchem unter anderem John Myung als Samurai, James LaBrie als Pirat und Mike Mangini als Dschinn (na klar!) auftreten. Dazu kommt atmosphärische Musik von Hans Zimmer aus dem Film „Inception“ aus den Boxen. Auch passend, da der Nolan-Streifen von Träumen handelt. Zum Ende des Intros sehen wir dann den Einradfahrer vom Cover des aktuellen Albums „A Dramatic Turn Of Events“, der uns das Konzert über immer mal wieder begleiten wird.

Mit großem Applaus werden dann die Musikzauberer vom Hudson empfangen, die mit „Bridges In The Sky“ gleich mal ein Highlight der aktuellen Scheibe präsentieren. Gelungener Auftakt, ich bin selig, vor allem als dann mit „6:00“ und dem wunderschönen balladesken „Surrounded“ zwei Klassiker der Alben „Awake“ bzw. „Images And Words“ folgen. 

Klar ist der Fokus auf den aktuellen Output gelegt. Mit „Build Me Up, Break Me Down“  wird der Ausflug in historische DT-Zeiten unterbrochen und die Entkoppelung präsentiert, die vor allem beim neu hinzugekommenen Publikum Anklang findet.

Mit „The Dark Eternal Night“ vom 2007er-Album „Systematic Chaos“ kommt dann einer der düstersten DT-Songs überhaupt, bei dem Jordan Rudess für einen Keyboarder extrem gute Bühnenpräsenz beweist. Beim Outro des Stückes zockt der Kollege ein Solo der Extraklasse auf einem Remotekeyboard, einer Gitarre mit Keyboardtasten also, und präsentiert sich ekstatisch am Bühnenrand. Hätte der Mann noch Harre auf dem Kopf, er hätte sie in dem Moment schwingen lassen. So muss sein etwas längerer, weißer Kinnbart dafür herhalten.

Im Anschluss an diese unfassbare Performance darf dann der Neue ran. Ich muss ehrlich sagen, bei all den klasse Drummern, die ich live bewundern durfte, ob beispielsweise Axenroth (Opeth), Portnoy, Harrison (Porcupine Tree), Peart (Rush) (zumindest auf DVD), so etwas Unglaubliches habe ich noch nicht gesehen und es ist auch schwer, das zu beschreiben. Was dieser Mensch in seinem Trommelschloss da abzieht und das mit absoluter Präzision, superschnell, für Drum- und Percussionsounds fast melodiös, geplant und nicht zu vergessen mit zwei Armen und zwei Beinen, ist unfassbar!

Generell beweist Mangini außerdem, dass er im Stande ist, die Klassiker bei DT zu spielen. James LaBrie lässt ihn nach seinem Wunderauftritt vom Anhang beklatschen und meint dann, dass bei der aktuellen Tour auch Mangini derjenige ist, der den anderen in den Arsch tritt. Teilweise zieht er das Tempo in einigen Songs vielleicht zu viel an, wodurch dann minimale Verschiebungen im Zusammenspiel entstehen, aber allgemein ist die Leistung der Fünf auch heute Abend wieder mit Applaus nicht genug gewürdigt.

Das Publikum ist nach zwei Stunden Spielzeit auch dementsprechend angetan. Es gibt lauthals Zuspruch, Jubelarien und Geklatsche und bei „The Spirit Carries On“ auch mal vereinzelt Gesang zu hören. Insgesamt wird hier aber eher gestaunt als abgefeiert, Pommesgabeln sind nur vereinzelt zu sehen. 

Ich persönlich bin mit dem Gesamtauftritt der Band sehr zufrieden, vor allem als zum Schluss hin mit „Breaking All Illusions“ der beste Song des neuen Albums gespielt wird, bei dem großartig gefrickelt wird, aber auch ein wunderschönes langsames Petrucci-Solo zu hören ist. Der Gig wirkt im Nachhinein allerdings sehr abgebrüht, vor allem, als sich herausstellt, dass die Setlist identisch mit der aus Berlin ist. Dream Theater haben meiner Meinung nach schon abwechslungsreicher auf Tourneen agiert. Auf anderen Konzerten der Tour (z.B. in Paris) wurde auch nur leicht variiert. Schön aber zu sehen, dass auch ein John Myung auf der Bühne richtig abgehen kann (der Bassist hält sich ja bekanntlich eher zurück) und Spaß hatten die Musiker auf der Bühne schon sichtlich, einzig LaBrie wirkte ein bisschen gelangweilt, war aber stimmlich auf der Höhe.

Ein Erlebnis ist das Traumtheater sicherlich aber immer wieder und die ca. 130 Kilometer Luftlinie von der Elbe an die Leine haben sich definitiv gelohnt. Auch wenn man bei mindestens -15°C noch zwei Stunden auf den Zug nach Hause warten muss.

Setlist:

  • Intro: Dream Is Collapsing („Inception“-Soundtrack von Hans Zimmer)
    -----------------------------------------
    Bridges In The Sky
    6:00
    Build Me Up, Break Me Down
    Surrounded
    The Dark Eternal Night
    Drum Solo
    A Fortune in Lies
    Outcry
    Wait For Sleep
    Far From Heaven
    On The Backs Of Angels
    War Inside My Head
    The Test That Stumped Them All
    The Spirit Carries On
    Breaking All Illusions
    ----------------------------------------
    As I Am
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