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Dream Theater, Opeth, Bigelf, Unexpect im Konzert (Oktober 2009)

Vorbands leider verpasst, aber die beiden Headliner waren genial

Jordan Rudess als Comic-Zauberer

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Dream Theater

Doch ich will nicht meckern, Spaß hatten wir alle ohne Ende und die Freude auf Dream Theater ist selbstverständlich dennoch groß. Nach besagter halben Stunde entern die New Yorker dann auch die Bretter und legen erwartungsgemäß mit dem großartigen Opener ihres neuen Albums „Black Clouds And Silver Linings“, namentlich „A Nightmare To Remember“, los. Auf den Leinwänden laufen dazu Videosequenzen, die an die Thematik dieses Stückes angelehnt sind, in welchem John Petrucci einen traumatischen Autounfall aus seiner Kindheit verarbeitet. Musikalisch ist die Instrumentalfraktion wie immer in Topform, doch auch und gerade Sänger James LaBrie gebührt ein besonderes Lob: Der Mann singt wirklich göttlich, die ewigen Diskussionen um seine Person gehören somit hoffentlich endgültig der Vergangenheit an. Jeder weiß, dass er jahrelang Probleme mit seinen Stimmbändern hatte und daher live des öfteren mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Spätestens seit der letzten Tour jedoch hat der Kanadier merklich an seiner Technik gearbeitet und nun sollten auch die Letzten begriffen haben, dass er wieder voll im Saft steht. Auch Mike Portnoys Vocals bei dem thrashigeren Part zum Ende des viertelstündigen Epos’ kommen live wesentlich überzeugender und aggressiver herüber als auf Platte, wo die Shouts manchmal ein bisschen arg affektiert und wie gewollt, aber nicht gekonnt erscheinen. Dafür ballert die kurze Blastbeat-Passage leider nicht so geil wie auf dem Album.

Sei’s drum, Dream Theater ist hier gleich ein Auftakt nach Maß gelungen und da anschließend mit dem Doppelpack „The Mirror“ (das Main-Riff ist und bleibt ein Oberhammer!) und „Lie“ (ein göttliches Petrucci-Solo in der Mitte, ein noch göttlicheres am Ende) zwei alte Klassiker von „Awake“, dem dritten Studioalbum der Band angehängt werden, hat das Quintett die Meute sogleich voll im Griff.

Der Aktionsradius des Fünfers beschränkt sich wie fast immer bei ihren Konzerten weitestgehend auf die Stelle, wo sich die Jungs nach dem Betreten der Bühne platziert haben, aber das ist hinlänglich bekannt und bei dem unfassbar komplexen Zeug, das sie darbieten, auch nicht allzu verwunderlich. Egal, wie oft man Portnoy und Co. schon livehaftig bewundern durfte – es klappt einem immer aufs Neue die Kinnlade herunter, wenn man sieht, was die Gruppe auf ihren Instrumenten zaubert – nicht von dieser Welt. Wenn sich John Petrucci und Jordan Rudess halsbrecherische Soloduelle auf Gitarre und Keyboard wie beim unglaublichen Instrumental „Dance Of Eternity“ liefern oder bei „In The Name Of God“ völlig irrsinnige Läufe unisono zocken, bleibt einem die Spucke weg und man fühlt sich ganz klein – gerade, wenn man wie meine Wenigkeit selbst ein Instrument spielt. Der Gedanke, seine Gitarre einfach in die Ecke zu schmeißen und nie wieder anzufassen, kommt da mehr als nur einmal auf. Selbst beim ruhigeren „Hollow Years“, bei dem einige Feuerzeuge aufblitzen, lässt es sich Saitenhexer Petrucci nicht nehmen, ein für Normalsterbliche unspielbares Solo als Intro herauszuhauen.

Witzig ist auch der Keyboard spielende Zauberer, der Jordan Rudess als Zeichentrickfigur zeigt und der immer dann auf der Leinwand eingeblendet wird, wenn der Tastendrücker ein Solo spielt. Zwischendurch drücken seine Kollegen dem verrückten Jordan dann auch tatsächlich mal einen Zaubererhut auf, so dass das Publikum auch etwas zu lachen hat. 

Optisch wird neben dem Akustischen allerdings sowieso einiges geboten – die Videoshow ist vom feinsten und es werden neben den obligatorischen Vergrößerungen auf die Musiker beziehungsweise ihre Finger, wenn die Solosequenzen kommen, die entsprechenden Musikvideos zu den Songs gezeigt („Lie“) oder zur Thematik passende Bilder („In The Name Of God“). Das unterstreicht natürlich um so deutlicher, dass Dream Theater immer noch ganz klar auf dem Thron des Progressive Metal sitzen und dort zweifellos auch noch eine Zeitlang verweilen werden.

Nach „In The Name Of God“ verabschiedet sich die Band bereits, doch es war völlig klar, dass da noch was kommen würde: Und mit dem zwanzigminütigen „The Count Of Tuscany“, das neben „A Nightmare To Remember“ und dem ebenfalls dargebotenen „A Rite Of Passage“ den dritten Song des aktuellen Albums markiert, findet der Gig ein würdiges Finale. Ein Stück, das alles bündelt, was man von den Prog-Kings erwartet: Frickelpassagen, traumhafte Melodien und atmosphärische Pink Floyd-Passagen. Kein Zweifel, „The Count Of Tuscany“ reicht beinahe an „A Change Of Seasons“ heran und wer hätte gedacht, dass die Band es noch mal schaffen würde, überhaupt in die Nähe dieses Götterepos’ zu gelangen?

Danach allerdings gehen die Lichter an und es ist Zeit, nach Hause zu gehen. Irgendwie schon verrückt – da haben Dream Theater gut 100 Minuten gespielt, aber unterm Strich waren es doch nur acht Stücke. Jetzt ärgere ich mich auch nicht mehr großartig darüber, die Vorbands verpasst zu haben, dazu war der Abend letztlich dann doch zu geil. Cool wäre es natürlich gewesen, noch „The Shattered Fortress“ geboten zu bekommen, aber man kann eben nicht alles haben. Vielleicht nächstes Mal innerhalb einer Aufführung der kompletten Suite über Mikes Überwindung seiner Alkoholabhängigkeit – diese Pläne sollen ja existieren...

Heute jedenfalls überwiegt die Freude über zwei tolle Konzerte zweier großartiger Bands, auch wenn es immer schade ist, wenn ein Ereignis, auf das man sich seit Monaten gefreut hat, plötzlich vorbei ist. Lediglich die T-Shirt-Preise sind mit 30 Euro erneut viel zu hoch – da darf man sich dann auch nicht wundern, wenn draußen Schwarzhändler Fake-Shirts für einen Zehner an die Leute verschleudern...

Setlist:

- A Nightmare To Remember
- The Mirror
- Lie
- A Rite Of Passage
- Hollow Years
- The Dance Of Eternity
- In The Name Of God
- The Count Of Tuscany

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