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Dream Theater, Opeth, Bigelf, Unexpect im Konzert (Oktober 2009)

Vorbands leider verpasst, aber die beiden Headliner waren genial

Mikael Åkerfeldt

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Bei der Ankündigung dieser Tour glaubte ich beinahe, den Verstand zu verlieren: Dream Theater und Opeth, zwei meiner absoluten Lieblingsbands zusammen auf einer Bühne – der schiere Wahnsinn, der Himmel für jeden Progger! Zwar habe ich Dream Theater schon fünf Mal live gesehen und Opeth gar sieben Mal, aber erstens kann man von diesen Bands gar nicht genug bekommen, da sie beide auf ihre – völlig verschiedene – Weise brillante Livekapellen sind und zweitens ist schon der Event an sich einfach ein absolutes Erlebnis, zu dem wir mit entsprechend vielen Leuten anrücken – unsere ganze Konegge freut sich seit Monaten darauf. 

Und das, was wir uns auf den myspace-Seiten der beiden Vorbands Unexpect und Bigelf schon mal reingezogen haben, um eine etwaige Ahnung zu erlangen, was da sonst noch auf uns zukommt, klingt auch sehr interessant. Bigelf gehen etwas mehr in die psychedelische Ecke, während bei Unexpect schon der Bandname selbst absolut Programm ist. So etwas Krankes habe ich glaube ich noch nie gehört und ich bin weiß Gott einiges gewohnt. Da werden alle Stile munter durcheinander gemixt, System Of A Down- und Devin Townsend-artige Parts mit entsprechend krankem Gekreische treffen auf klassische Sequenzen, die von Klavier, Geige und klarem, weiblichen Gesang getragen sind (gerne auch alles auf einmal), und ständige Dynamik- und Rhythmuswechsel lassen einen mit der gespannten Frage zurück, wie dieser gestörte Haufen das bitte live umzusetzen gedenkt.

Nun, ich persönlich werde auf die Antwort darauf leider noch etwas warten müssen, denn als wir uns um halb acht – als das Ganze eigentlich erst losgehen soll, wie auch ganz eindeutig auf den Eintrittskarten vermerkt ist – in die Sporthalle begeben, haben die Kanadier ihren Auftritt gerade beendet. Eine absolute Unverschämtheit und eine, die wir nicht zum ersten Mal erleben. Schon einmal – und da waren Dream Theater ebenfalls Headliner – mussten wir eine herbe Enttäuschung dieser Art hinnehmen, als wir extra nach Hannover fuhren, hauptsächlich um Symphony X zu sehen, die damals der Supportact waren und mit ihrem Gig ebenfalls fast durch waren, als wir ankamen, obwohl wir pünktlich vor Ort eintrafen. Keine Ahnung, ob Dream Theater selbst dahinterstecken, ich will an sich nichts unterstellen, allerdings munkelte man damals in Hannover schon etwas in dieser Richtung, und wenn dem tatsächlich so sein sollte, wäre es ziemlich rücksichtlos, sowohl den Fans als auch den anderen Bands gegenüber.

Dummerweise gehen mir Bigelf dann auch noch durch die Lappen, da wir auf einen Freund warten müssen, der erst noch aus Berlin kommt, von dem mein einer Bruder ungünstigerweise aber noch die Karte hat, da er sie für ihn mitbestellte; einfach nach draußen gehen und sie ihm geben ist leider nicht drin, da der Veranstalter doch tatsächlich dämlich genug war, keine Stempel zu verteilen, so dass man zwischendurch nicht herauskann. Also heißt es am Ausgang warten, denn den Kollegen kurz anklingeln ist auch nicht möglich, da der zur Zeit ein Handy hat, von dem noch niemand die Nummer weiß. Es herrscht pures Chaos bei uns und man kann nur hoffen, dass wir durch Opeth und Dream Theater entschädigt werden, denn so unglücklich der Abend bisher auch verlief, wegen dieser beiden Gruppen sind wir letztlich hauptsächlich da.

Opeth

Und um es gleich vorweg zu nehmen: Opeth liefern eine Performance, für die allein sich der Eintritt schon gelohnt hätte. Bei für Sporthallen-Verhältnisse (eigentlich ist die Akustik nicht besonders gut, aber der Bau ist nun mal für Sportveranstaltungen konstruiert und nicht für Rockkonzerte) unglaublich gutem Sound beweisen die Schweden wieder einmal, dass sie eine der besten Livebands überhaupt sind. Mit dem sehr ungewöhnlichen, weil ruhigen Opener „Windowpane“ startet man in den Set, was sehr komisch ist, da mein anderer Bruder einen Dream Theater-Fan, der Opeth bis dahin noch nicht kannte, zuvor damit zutextete, wie vergleichsweise brachial die Band doch wäre und dass es bei denen „schon ordentlich auf die Fresse“ geben würde.

Das trifft wohl erst beim zweiten Track „The Lotus Eater“ zu, besonders, da hier bekanntermaßen zum ersten Mal in der Geschichte der Band Blastbeats verwendet wurden. Die Stimmung ist – zumindest dort, wo wir uns befinden und das ist ziemlich weit vorne – relativ gut, wenn man sieht, dass doch recht viele Leute älteren Jahrgangs sind, bei denen man sich vorstellen könnte, dass sie mit den Death-Metal-Elementen, die bei Opeth nun einmal eine tragende Rolle spielen, vielleicht nicht so viel anfangen können. 

Mir ist das, gelinde gesagt, so was von scheißegal – als Die-Hard-Fan bin ich jedes Mal einfach nur glücklich, wenn ich diese Wahnsinns-Gruppe höre (vor allem, wenn es live ist) und bange mich ins Nirvana. Vergessen die Soundprobleme beim Summer Breeze und als Mikael Åkerfeldt dann noch „Harlequin Forest“ ankündigt, den längsten Song von „Ghost Reveries“, gibt es kein Halten mehr: Dieses Epos habe auch ich noch nie live erleben dürfen und auch wenn schon zuvor das Gerücht umging, sie würden das Stück spielen – so richtig glaubt man es erst, wenn es tatsächlich passiert. Da wird mitgesungen und mitgegrowlt, bis die Kehle nur noch ein müdes Krächzen von sich gibt und auf den Schenkeln zum vertrackten Endpart mitgeklopft – doch die Jungs haben mit „April Ethereal“ schon das nächste As im Ärmel. Was geht denn hier ab? Noch ein Song, den ich noch nicht live gehört habe, unfassbar! Unnötig zu erwähnen, dass es sich bei dem Opener von „My Arms, Your Hearse“ ebenfalls um eine völlig grandiose Nummer handelt, die mit ihrem mitreißenden Riffing ebenso von der ersten bis zur letzten Sekunde zum Abrocken verpflichtet. 

Erst danach kommt ein Song, der zum absoluten Standard-Repertoire der Stockholmer gehört und hier macht Mikael auch zum ersten Mal eine seiner berühmt-berüchtigten Nonsense-Ansagen, mit denen er sich heute bisher erstaunlich zurückgehalten hat. „This next song is dedicated to Klaus Meine. I love you, Klaus. WE love you, Klaus“, sagt der Frontmann, bevor man „Deliverance“ zum Besten gibt. – Ah ja... Wobei ich mich zu erinnern meine, dass er bei einem Konzert in Berlin vor knapp drei Jahren schon einmal meinte, der Titelsong des 2002er-Outputs sei eigentlich von den Scorpions geklaut. Irgendwie hat es der gute Herr Åkerfeldt mit den Scorpions...

Einen ungewöhnlichen Schlusspunkt setzt man dann mit „Hex Omega“, dem depressiv-psychedelischen Abschlusstrack des aktuellen Albums „Watershed“. Hab ich auch noch nie live gehört, insofern beschwere ich mich nicht und die Stimmung dieses Songs ist wirklich ganz eigen und sehr beklemmend – gerade deswegen ist er als Rausschmeißer jedoch nicht gerade besonders geeignet. 

Mein einer Bruder unterstellte nach dem Konzert dementsprechend, dass Opeth keinen Song mehr spielen durften, vielleicht aber noch einen in petto gehabt hätten. Dass die Band Bock auf den Gig hatte, war ihr anzumerken und für einen Co-Headliner ist eine Stunde in der Tat zu wenig. Außerdem hat es schon einen schalen Beigeschmack, wenn die Umbauphase eine halbe Stunde dauert. Was soll das? Da hätte man Opeth ruhig noch ein Stück gönnen können, anstatt so viel Zeit damit zu vertrödeln.

Setlist:

- Windowpane
- The Lotus Eater
- Harlequin Forest
- April Ethereal
- Deliverance
- Hex Omega

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Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging

Trotz eher kurzem Set des Headliners ein schöner Konzertabend