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Dong Open Air 2008

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Das Dong Open Air genießt mittlerweile einen guten Ruf unter den immer zahlreicher werdenden Festivals in Deutschland. Am offensichtlichsten wird dies durch die Tatsache, dass die Organisatoren sich dieses schon nach einer Woche über die „Sold Out“ - Meldung freuen durften. Im vergangenen Jahr hatte man dafür noch drei Monate gebraucht.

 

Auf dem D:O:A wird dem Fan eben etwas geboten, was in dieser Form einmalig sein dürfte: viele unbekannte und hochmotivierte Bands, einige ausgewählte Headliner, die sich sonst selten über so einen Status freuen dürfen, nahezu unglaublich billige Preise und eine Location, die einfach ein klein wenig anders ist! Hoch oben auf dem Dong Berg rocken sich die Bands in einem großen Zelt so ziemlich alle möglichen Körperteile ab und die Fans erfreuen sich an einem kleinen, gemütlichen Zeltplatz, auf dem nichts weit entfernt ist.

 

Anlass zur Kritik gab es dieses Jahr kaum, lediglich das Biermarkensystem war einigen zu umständlich ausgefallen. Das Wetter bot vom Regen über Sturmwarnungen bis zur starken Hitze ebenso so viele Variationen, wie das Billing, aber dafür kann man den Veranstaltern keinen Vorwurf machen. Im Gegenteil: Ein Festival, bei dem man morgens im Zelt nicht gebraten wurde, hatte etwas Erfrischendes. Und bei dieser gemütlichen, familiären Stimmung sieht man auch über die vom Sturm zerlegten Pavillons und zwei kurzfristig abgesprungene Headliner (für die sehr guter Ersatz gefunden wurde) gerne hinweg.

 

Bevor es nun also in die Vollen geht, seien mir einige persönliche Anmerkungen gestattet:

 

Zuerst einen herzlichen Dank an Mira von metalshots.com dafür, dass sie The Pit ihre Fotos vom D:O:A zur Verfügung stellt. Ebenso ein Dank an Manuel von Torian, für die nette Unterhaltung am Samstagabend.

Darüber hinaus muss ich leider sagen, dass mir einige wenige Bands entgangen sind, weil sich zwischenzeitlich mein Knie mal wieder unschön bemerkbar machte. Also, falls sich eine Band in diesem Bericht nicht wieder findet: Nehmt es mir nicht übel, ich habe es gewiss nicht böse gemeint. Aber nun zur Berichterstattung!

 

Das Festival wird eröffnet von Path Of Golconda, die von der Bühne aus ein sehr gut gefülltes Zelt bewundern dürfen. Das Quintett nimmt diese Steilvorlage dankend an und ballert seinen Death Metal in die begeisterte Menge. Egal, wo man steht, überall sieht man nur Haare, Haare und nochmals Haare. Der Sound ist ein wenig zu höhenlastig, aber solche Nebensächlichkeiten stören niemanden. Nicht wenn die Band auf der Bühne derartig routiniert, aber auch enthusiastisch zu Werke geht. Von der Resonanz her hätten Path of Golconda auch gerne später spielen können, so kann man den Veranstaltern aber attestieren, einen perfekten Opener für ihr Festival gefunden zu haben.

 

Enemy Within hatten keine weite Anreise, schließlich kommen sie aus dem nahe gelegenen Duisburg. Musikalisch geht es auch hier schneller zur Sache, die Begeisterungsstürme, die Path of Golconda auslösten, bleiben allerdings aus. Dennoch finden sich genügend Interessierte (was sich im Verlauf der zwei Tage auch nicht ändern wird), die der etwas grooviger zu Werke gehenden Band eine Chance geben wollen. Diese tritt zwar mit einem Gitarristen weniger als üblich auf, legt aber trotzdem einen guten Auftritt hin.

 

Roots Of Death sind stilistisch trotz ihres Namens eher im Thrash Metal Bereich anzusiedeln. Hier und da wird aber doch ein wenig Melodic Death Metal eingestreut, was eine live bestens funktionierende Mischung ergibt. Zumal diesmal auch der Sund angenehm druckvoll aus den Boxen kommt. Besonders positiv tut sich der Frontmann, der mit aggressivem, aber abwechslungsreichem Gesang glänzt, was teilweise etwas an The Black Dahlia Murder erinnert.

 

Mit Lyriel folgt eine Band, die so gar nicht zu dem bisherigen musikalischen Programm passt, was viele dazu veranlasst, das Zelt zu verlassen. Parallel dazu kommen aber auch viele Leute wieder hinzu, die sich den Folk Rock, der auch von Cello und Violine unterstützt wird, nicht entgehen lassen wollen. Richtig so, denn Lyriel treten die Flucht nach vorn an und überzeugen nach einigem Anlauf vollends. Stilistisch lässt sich die Musik ein wenig mit dem leider äußerst kurzweiligen Projekt Alas (von Eric Rutan) vergleichen. Für diesen Vergleich spricht auch die äußerst angenehme, weil nicht zu hohe, Stimme von Frontfrau Jessica. Toller Auftritt!

 

 

 

Moder bieten wieder Kontrastprogramm. Eine Mischung aus Black-, Thrash- und Death-Metal wird äußerst tight in die Menge gerotzt. Im Publikum gibt es jedoch nur wenig Bewegung. Haben viele vielleicht im Zelt nur Schutz vor dem Regen gesucht? Der Band selbst scheint es egal zu sein und sie zelebriert eine Show, die richtig schön „old school“ ist. Angefangen beim Tom Fisher Gedächtniscorpsepaint bis hin zum großen umgedrehtem Kreuz (mit Wunderkerzen !) wird hier ordentlich was fürs Auge geboten. So werden Songs wie „Lichtbringer“ und „Ewig währt die Nacht“ doch noch anständig beklatscht.

 

Danach werden auch die Power Metal Fans bedient, denn Civilization One entern die Zeltbühne. Die Multi- Kulti Band, deren Mitglieder aus Italien, Sri Lanka, Frankreich, Brasilien und Deutschland kommen, packt eine ordentliche Schippe Bombast in ihren Sound, was den überwiegend im Mid Tempo angesiedelten Stücken nicht immer gut tut. Zu austauschbar klingen viele der Nummern, was auch viele im Publikum anscheinend so sehen. Rein vom spielerischen her kann man an der Band aber kaum etwas aussetzten, es fehlt einfach die Abwechslung.

 

 

 

Eigentlich sollten an dieser Stelle Primordial besprochen werden, aber diese sprangen ja vom Billing ab (wir berichteten). Als Ersatz konnten Suidakra verpflichtet werden, die seit ihrer Show auf dem „ArmageDong“ 2004 Kultstatus auf dem Berg besitzen. Ein prall gefülltes Zelt spricht für die Beliebtheit der symphatischen Band, die bei ihrem Set zwar ein wenig mit Soundproblemen zu kämpfen hat, aber dennoch restlos begeistern kann. Dies liegt vor allem am bestens aufgelegten Frontmann Arkadius (lest seinen Namen mal rückwärts), der breit grinsend am Mikrofon steht und offensichtlich, wie der Rest seiner Band, bestens aufgelegt ist. Musikalisch gibt es eine Reise durch die Bandgeschichte: „Gates Of Nevermore“, ein schneller gespieltes „Darkane Times“, die Uralt „Lupine Essence“ Nummer „Havoc“, „The Well Of Might“ oder der frenetisch gefeierte „Dead Man’s Reel“ lassen die Stimmung überkochen. Suidakra verzichten live wie so häufig auf Keyboards, was die Songs eine ganze Ecke aggressiver macht. Nicht verzichtet wird aber auf den Dudelsack, was begeistert aufgenommen wird. Zwischen all diesen Songs wird noch kurz ein Stromausfall als Anspielung auf 2004 vorgetäuscht, bevor man nach den Zugaben „Wartunes“ und „The IXth Legion“ meinen könnte, hier hätte schon der Headliner gespielt.

 

 

 

Der kommt aber erst noch und heißt Dark Tranquillity. Die Schweden, die zu Unrecht immer ein wenig im Schatten ihrer Landsleute In Flames stehen, können anscheinend keine schlechten Konzerte geben. Nicht mit so einem Frontmann wie Mikael Stanne, der wie entfesselt über die Bühne wirbelt. Aber auch der Rest der Band lässt sich von der Nähe zum Publikum anstecken, denn so bewegungsfreudig sieht man sie selten. Und so peitschen sich Musiker und Fans zu Höchstleistungen hoch, feiern bei Songs wie „The Treason Wall“, „The Endless Feed“, „Lost To Apathy“ oder „The Wonders At Your Feet“ bis spät in die Nacht und lassen so den ersten Festivaltag würdig ausklingen.

 

 

 

Der zweite Tag beginnt skurill! Gegen die Grailknights wirken J.B.O. direkt angepasst und bieder. In augenfeindlichen Kostümen und mit reichlich guter Laune im Gepäck betreten die Vier die Bühne, um abermals eine Schlacht gegen den bösen Dr.Skull zu schlagen. Unterstützt werden sie dabei von ihrem „Battle Choir“, bei anderen Bands auch „Publikum“ genannt. Dieser ist auch äußerst zahlreich anwesend und singt begeistert Songs wie „Return To Castle Grailskull“ mit. Von der Stimmung her hätte also auch dieser Opener später spielen können, macht aber auch so ordentlich Laune. Bei Showeffekten wie dem Drachen Urk (!) oder einem Kostümpferd fällt es auch nicht mehr ins Gewicht, dass die Melodic - Death Songs zwar nicht schlecht, aber keinesfalls kreativ daherkommen. Hier zählt der Spaß am Gig und wenn eine Band es schafft, dass sich nahezu das gesamte Publikum hinsetzt, ist sie ohnehin auf keiner Bühne fehl am Platz. Die kommende Tour mit Sabaton dürfte eines der Ereignisse des Herbstes werden.

 

 

 

Rocketchief aus Münster passen eigentlich gar nicht so recht aufs Billing, da sie eher rockig als metallisch zu Werke gehen. Das Dong Publikum ist aber glücklicherweise sehr tolerant und gibt der Band eine wohlverdient Chance. Rocketchief nehmen diese Herausforderung an und gewinnen. Enthusiastisch treten sie die Flucht nach vorne an und rocken, was das Zeug hält. Davon lässt sich auch alsbald das zahlreicher werdende Publikum anstecken und macht den Gig zu einem der Besten auf dem diesjährigen Dong Open Air. Beide Daumen nach oben!

 

Es ist eine wahre Ironie des Schicksals, dass Raintime gerade dann auf die Bühne gehen, als der schlimmste Wolkenbruch des Wochenendes losgeht. Mit cleanem Gesang und Musik, die an In Flames und Children of Bodom erinnert, legen die Italiener los und können zumindest in den ersten Reihen einiges an Bewegung verursachen. Im Verlauf des Gigs kommt aber die Sonne wieder heraus, was einige der Anwesenden dazu veranlasst, das Zelt zu verlassen. Selber schuld, denn so verpassen sie gute Gitarrenarbeit und einen talentierten Keyboardspieler, der die Songs bereichert, anstatt sie zu überfrachten. Es war im Zelt schon mehr los an diesem Wochenende, aber Raintime waren durchaus unterhaltsam.

 

 

 

Im Jahr 2006 gewannen sie den Wackener „Metal Battle“, im Jahr 2008 stehen Drone auf der Bühne des Dong Open Airs. Sänger Moritz punket auch gleich mit seiner Aussage: „Der nächste Song ist von unserem aktuellen Album….wir haben auch nur eins!“ Auf diesem Album wird wohl melodisch- groovender Thrash Metal stehen, der teilweise ein wenig an Machine Head erinnert. Drone zocken einen routinierten Gig, der aber nicht als besonderer Höhepunkt in die Festivalgeschichte eingehen wird.

 

 

 

Die Paderborner Torian wurden ja schon in der Einleitung gegrüßt, konnten aber nicht nur menschlich, sondern auch musikalisch überzeugen. Geboten wurde Power Metal der amerikanischen Art, wie ihn auch Brainstorm zu „Hungry“ Zeiten gespielt haben. Auch das Fehlen des eigentlichen Bassisten konnte die Fünf nicht aufhalten, einen tollen Gig hinzulegen. Leider konnten sich Torian nicht über viele Zuschauer freuen, da es viele wohl vorzogen, ein Bier in der Sonne zu genießen. Hoffentlich ist das beim nächsten Konzert anders, denn Songs wie „Starbringer“ oder „Into The Winter“ haben live bestens funktioniert.

 

Nohellia aus Frankreich bezeichnen ihren Stil als „symphonischen Avant-Garde Black Metal“, was viele Leute vor die Bühne lockt. Nicht nur die Silbezeichnung, auch die Kleidung der Musiker kommt ein wenig exzentrisch herüber. Musikalisch wird keyboardlastiger Black Metal geboten, der vielen Fans ganz gut gefällt. Warum man eine Sängerin mitschleppt, die kaum etwas zu tun hat, bleibt aber schleierhaft.

 

„Bei Persefone handelt es sich um 0,007% der Bevölkerung von Andorra“, um einmal die Homepage des Open Airs zu zitieren. Der Nightwish- artige Schriftzug täuscht, denn den Zuschauern werden hier mitunter sehr progressive Songs um die Ohren geblasen, die ziemlich heftig daherkommen. Dafür sorgt das Black Metal kompatible Gekeife und die heftigen Riffs, unter denen sich mancher Hochkaräter verbirgt. Leider wirkt das Songmaterial dennoch ein wenig zerfahren, was dafür sorgt, dass die Masse vor der Bühne eher interessiert als begeistert ist. Bezeichnend ist, dass ein Cover die größten Reaktionen hervorruft. Dies ist aber ein äußerst kreatives, denn ein metallisches „Star Wars- Medley“ (bestehend aus dem „Main Theme“, dem „Cantina Theme“ und natürlich dem „Imperial March“) hört man wahrlich nicht alle Tage.

 

 

 

Morgana LeFay waren der zweite Headliner, der seinen Auftritt canceln musste, wenn auch aus anderen Gründen als Primordial. Als Ersatz konnte man eine Band verpflichten, mit der nicht viele gerechnet haben dürften. Hollenthon spielen nur äußerst selten live und haben sich gerade erst nach sieben Jahren Pause wieder zurückgemeldet. Auf die Umsetzung des komplexen Materials, was neben hartem Metal auch „Finessen ethnischer Musik aus allen Rundungen des Globus“ (aus dem Programmheft) enthält, durfte man gespannt sein. Es war klar, dass man mit Samples arbeiten musste, diese wurden aber sehr geschickt eingewoben und hatten die richtige Lautstärke. Die sehr tight spielende Band tat dann ihr Übriges, um den zahlreich anwesenden Fans etwas zu bieten. Diese verhielten sich aber etwas zurückhaltender als erwartet. Richtige Stimmung kam vor allem bei den Songs des starken, zweiten Albums „With Vilest Of Worms To Dwell“ auf. „Fire Upon The Blade“, „Y Draig Yoch“ oder „To Kingdom Come“ brachen das Eis und ließen den Gig doch zu einer sehr unterhaltsamen Angelegenheit werden.

 

 

 

Sabaton profitierten am meisten von der Absage Morgana LeFays, denn sie in die Headlinerposition des Samstags vor. Um es vorweg zu nehmen, die Entscheidung war goldrichtig. Das Zelt ist zwar nicht komplett gefüllt, aber die Anwesenden machen Krach und Stimmung für die dreifache Menge. Man mag zu den häufig ähnlich aufgebauten Songs der Schweden stehen wie man will, aber live sind Sabaton vielen größeren Bands absolut ebenbürtig. Nachdem die Band beim Opener „Ghost Division“ noch ein wenig aneinander vorbeispielt, brechen im Zelt alle Dämme. Aufgrund der „Open End“ Show spielen Sabaton viele Nummern auf Zuruf, was begeistert aufgenommen wird. „Cliffs Of Gallipoli“, „Panzer Battalion“, „Panzerkampf“, „Primo Victoria“ oder „Attero Dominatus“ setzen stimmungsmäßige Höhepunkte und beenden das diesjährige Dong Open Air auf eine würdige Art und Weise.

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