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Die Skeptiker, Dolly D. im Konzert (Dresden, November 2011)

Sie sind nicht reich und auch nicht lieb! 25 Jahre Die Skeptiker

Die Skeptiker: geballte Energie

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Die Skeptiker

Angesichts des voran gegangenen regungslosen Auftritts schaut man während der Umbaupause skeptisch, ob jetzt nicht noch Stühle auf der Bühne landen. Immerhin haben die meisten Bandmitglieder von Die Skeptiker doch ein paar Jährchen mehr auf den Buckel als die Vorband Dolly D.. Aber als das Intro „Ein Lied geht um die Welt“ ertönt, ist klar: dieses Konzert wird nicht im Sitzen gespielt!

Als die Anarcho-Rocker mit „Deutschland halt’s Maul“ starten, zeigt sich auch sofort, dass hier eine ganz andere Dynamik auf der Bühne herrscht. Sänger Eugen mutiert zum absoluten Energiebündel, welches unablässlich über die Bretter springt und rennt. Gute Unterstützung erhält er von Gitarrist Tom Schwoll, der seine Entertainer-Fähigkeiten immer wieder am Publikum testet und auch ausgiebig seine neue Frisur würdigen läßt. Kein Wunder also, dass schon beim ersten Song kräftig mitgefeiert und gepogt wird.

Die Berliner ziehen quer durch ihr 25-jähriges Schaffen. So folgt einem der ersten Songs ihrer Laufbahn, „Ja, Ja, Ja“, gleich „Ego“ von ihrem letzten Album direkt auf dem Fuß. Eingestimmt wird dies durch die Worte „er ist nicht schön - er ist nicht reich und wir sind nicht lieb“. Viel passender hätte man die Band auch nicht beschreiben können, denn was Die Skeptiker betreiben, ist sicher weit weg von nett und somit entsteht auch die Ahnung, dass sie damit nicht reich geworden sind. Hier erlebt man ein Band, die immer ein wachsames Auge auf ihre Umwelt hat und dies sehr authentisch an die Leute weitergeben kann. Sicher gibt es ausreichend Bands in der Punk-Szene, die musikalisch ein sehr anständiges Niveau erreichen, und bis auf die nicht vorhandenen Sauf-Balladen unterscheiden sie sich auch inhaltlich kaum von anderen Bands. Themen wie soziale Ungerechtigkeit, Wirtschaftskrise, Gefahr von Rechts oder Parteienignoranz sind durchaus nichts Neues. Jedoch ist die Art und Weise, wie die Lieder geschrieben wurden, nahezu einzigartig und heben sich unglaublich von anderen Formationen ab. Die Texte haben ihre eigene Poesie und werden von Eugen mit markanter Stimme überzeugend vorgetragen. Zumal hier gezeigt wird, dass Punk und Gesangskünste sich nicht ausschließen müssen. Egal ob bei ruhigen Songs wie „Pierre und Luce“ oder bei kraftvoll aufrüttelnden Liedern wie „Lügenwelt“, der Frontmann trifft immer den richtigen Ton, um den Songs die nötige Stimmung einzuhauchen. „Lügenwelt“ wird hier noch durch längere Gitarrensoli aufgewertet, welche einen psychedelischen Charakter tragen und die Endzeitstimmung des Songs gut unterstreichen. Kann man sich bei diesem sogar etwas treiben lassen, geht es mit dem Kult-Song „Dada in Berlin“ wieder ordentlich in die Vollen und es kann wieder geknüppelt werden. Zu „Wochenendgewalt“ recken sich schließlich die Fäuste in die Luft, es wird mitgesungen und anschließend das Lied mit ein paar versprengten“ Nazis raus“ - Rufen gewürdigt.

Die Anarcho-Rocker hingegen verzichten auf lange Ansagen, das Publikum wird nicht mit Parolen zugeschüttet und so ausreichend Platz zum eigenen Denken gelassen. „Es wird im Leben…“ kommt als ultimatives Geburtstagsständchen daher, bevor es mit „Der Rufer in der Wüste schweigt“ in gewohnt lyrischer Weise weiter geht. Nach einem weiteren Titel ist auch schon das Ende des Haupteils gekommen und der letzte Ton geht direkt in Zugabe-Rufe über. Hier wird mit „Strahlende Zukunft“ ein echter Klassiker ausgepackt und bei der zweiten Zugabe-Runde gibt es nun auch „Ein Lied geht um die Welt“ live. Eugen kann hier nochmals gesanglich überzeugen und läßt mit seiner Stimmfärbung eine Zeitreise in die Schlagerwelt der 20er Jahre zu, an der wohl auch die Comedian Harmonists ihre Freude gehabt hätten. Im Widerpart dazu steht der Abschluss in Form von „Straßenkampf“.

Gibt es an dem Konzert etwas zu bemängeln, so sei es die Wiederholung des Titels. Die Skeptiker zogen mit einer wahnsinnigen Energieleistung quer durch die Geschichte ihres Bestehens. 25 Songs aus 25 Jahren und jeder Titel wurde von der Meute vor der Bühne hingebungsvoll abgefeiert. Lachende, glückliche Gesichter und einige  Freudentränen in den Augen, wohin man schaut. Zu ihrer Geburtstagsparty präsentierten sich die Berliner lebendiger denn je und untermauern ihren absoluten Kult-Status. Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass sie noch lange den Brettern, die die Welt bedeuten, erhalten bleiben.

Setlist:

Deutschland halt’s Maul
Allright my Boys
Die Zeit ist reif
Wir warten
Komm tanzen
Gerechtigkeit
Titania
Da wo man singt, da lass dich nieder
Ja, Ja, Ja
Ego
Dead Mans Town
Lügenwelt
Wochenendgewalt
Looser
Straßenkampf
Sauerei
Es wird im Leben…
Der Rufer in der Wüste schweigt
Pierre & Luce

Amoklauf
Kein Weg
Strahlende Zukunft
Ein Lied geht um die Welt
Straßenkampf

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