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Die Apokalyptischen Reiter, Tyr, Hämatom im Konzert (Berlin 2006)

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Ein fantastisches Album veröffentlicht, sehr gute Kritiken eingefahren und endlich wieder auf Tour. Den Apokalyptischen Reitern aus dem malerischen Thüringen sollte es also bestens gehen, meint man. Aber wie so oft wurde die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Da heute die Tour startet und Berlin das Auftaktkonzert ist, sind die Herren noch ein wenig angespannt. Natürlich wünscht sich jeder, dass nach der Geisterstunde alles super gelaufen ist und die Tour damit unter einem günstigen Stern steht. Da ist es nur natürlich, wenn Sänger Fuchs sich beim Interview hoffend wünscht, dass genug Leute kommen. Welche Band wünscht sich das nicht, doch die Reitermania ist im vollen Gange und welchen Stellenwert die Apokalyptischen Reiter mittlerweile haben, sollte sich noch später am Abend herausstellen.

 

Gegen kurz vor 21 Uhr waren erst einmal die Deutschen Hämatom dran. Ihr stark an Soulfly, Machine Head und Konsorten angelehnter Metal konnte dann auch mit fetten Grooves und nach vorne peitschenden Drums so einige Punkte einfahren. Dazu kam, dass sie sich vom Publikum schon wegen der deutschen Texte einen Sympathiebonus an die Kostüme heften konnten. Der Sänger sprang in weiße Stoffbinden gewickelt herum und erinnerte mich irgendwie an Stumpen von Knorkator. Aber auch die Gitarristen tauschten banale Shirt´s gegen Gasmaske und Anzug inkl. Sack über dem Kopf. Über diese Verkleidungsorgie kann man schmunzeln oder einfach nur den Kopf schütteln. Für meinen Geschmack ist das nix, doch einen gewissen Unterhaltswert hat das Ganze ja. Richtig gut hat mir hingegen der Sänger gefallen, der mit seinem Organ zwischen glockenklaren Tönen und psychopatischen Schreien alles abdecken konnte. Beim lyrischen Konzept kam mir hier und da Rinderwahnsinn in den Sinn. „Verarsche“-Versionen von „Bi Ba Butzemann“ oder „Es rappelt in der Kiste“ übergehe ich hier mal geflissentlich. Ich find so was tierisch peinlich…aber wem es gefällt!?!?

Was die Band definitiv ausgezeichnet hat, das war ihr Bewegungsdrang auf der Bühne. Eine amtliche Vollbedienung in Sachen Stageacting kann ich da nur bescheinigen. Cool war auch, als für ein Intro eine große Blechmülltonne ordnungsgemäß vom Sänger zusammengekloppt wurde (keine Ahnung, ob das ein fetter Stock oder ein Baseballschläger war). Dementsprechend gut waren dann auch die Reaktionen der Berliner Reitermaniacs auf den ersten Supportact. Ich denke, dass sich Hämatom beruhigt auf die Schulter klopfen können, denn sie haben ihren Job als Stimmungsankurbler mehr als amtlich durchgezogen.

 

Dann wurde es nordisch im alten Kesselhaus zu Berlin. Tyr von den Faröer Inseln gaben sich die Ehre, die Anwesenden mit auf eine Zeitreise zu nehmen. Weg vom Hier und Jetzt und zurück in die Zeit, wo die alten nordischen Götter noch unter den Lebenden wandelten. Ihre Mischung aus Pagan, Viking und Folk Metal hat zwar bei mir die ersten zwei Songs gebraucht, um wirklich zu zünden, danach konnte ich mich an den Klängen aber nicht mehr satt hören. Über ein gemäßigtes Midtempo ging die Mucke aber nie wirklich hinaus. Das stört mich zwar bei vielen anderen Bands, doch bei Tyr wird es aber der Atmosphäre ihrer Klänge nur gerecht. Die extrem eigenständige Note ihres Sounds ziehen die Nordmänner nicht zuletzt aus dem permanent im cleanen Bereich bleibenden, absolut ausdrucksstarken Sänger. Damit unterscheiden sie sich von 95% aller anderen Bands dieser Richtungen, die mindestens auf einen Mischung aus Clean- und Kreischgesang setzen.

Fakt ist, dass die Band einen großen Teil der Anwesenden mit ihren Klängen erreichen konnte. Dabei will ich nicht verschweigen, dass die Reaktionen auf die Band schon beim Betreten der Bühne richtig gut waren. Eine gewisse Fangemeinde scheinen sie also schon ihr eigen nennen zu können. Hätte ich nicht gedacht, freut mich aber für die äußerst sympathischen Leutz.

Bei der Hymne „Hail To The Hammer“ war dann auch für den Großteil der Meute kollektives Bangen und Abtanzen angesagt. Muss ich noch etwas zu den überschwänglichen Reaktionen sagen? Nein, kann ich mir wohl sparen.

Was mir bloß spanisch vorkam, das war die Länge des Gigs. Klar ist das meistens so, wenn einem die Band richtig geil mitreißt. Andererseits meinte meine Begleitung, dass es im Vorfeld technische Probleme gab und der Zeitplan trotzdem eingehalten werden musste. Aber wie auch immer…geile Band, geile Mucke und eine wirklich geile Ausstrahlung auf der Bühne. Ich freu mich absolut auf die Supporttour der Jungs für Amon Amarth. Hoffentlich dann mit mehr Spielzeit.

 

Schon beim Auflauf der Reiter auf die Bühne gab es kein Halten mehr. Die Band schaute in etwa 450 Augenpaare und war sichtlich erleichtert, dass sich doch eine stattliche Anzahl Reitermaniacs angesammelt hat. Und die machte ohne Übertreibung einen Höllenlärm. Man sah der Band deutlich an, dass sie von so einem Empfang einfach nur gerührt war. Optisch hatte sich der Keyboarder Dr. Pest diesmal mit freiem Oberkörper und SM/Maske in einem Käfig verschanzt, von wo aus er mal spielend, mal am Käfig festkrallend in die Massen blickte.

„Vier Reiter stehen bereit“ heißt es dann auch gleich nach einem gänsehauterzeugenden Intro. Die Halle tobt und bis fast nach hinten sieht man kreisende Köpfe und hüpfende Passanten. Der Natur der Sache geschuldet rasteten die ersten Reihen natürlich kollektiv noch mehr aus als der Rest. Ein großer Pit bildet sich innerhalb von Sekunden und erfreut die Teilnehmenden und die Band gleichermaßen.

Das Hauptaugenmerk der Setlist lag, wie sollte es bei einer Tour zum neuen Album auch anders sein, beim frischen Output „Riders On The Storm“. Hieraus gab es mit „Friede sei mit dir“, „Riders on the Storm“, „Seemann“, „Revolution“, „Wenn ich träume“, „Soldaten dieser Erde“ und „MMMH“ gleich mehr als die Hälfte neuer Songs zu hören. Ein bisschen schade fand ich, dass es „Der Adler“ nicht live zu hören gab. Wäre bestimmt fett angekommen. Hoffen wir mal auf anstehende Festivals, wo sich ja die Setlist doch noch hier und da ändern kann.

Sänger Fuchs meinte vor der Show zu mir, dass er doch ein wenig nervös sei, wie die Show denn laufen würde. Schließlich habe man die Songs noch nie live gespielt. Und bei einem Tourauftakt kann ja hin und wieder so einiges schief gehen. Doch bis auf eine verstummte Gitarre bei „Friede sei mit dir“ gab es keine wirklichen Ausfälle.

Überrascht war ich, dass es vom Vorgänger „Samurai“ gerade mal „Reitermaniacs“ (inkl. Fanchor), „Barmherzigkeit“ und „Die Sonne scheint (mir aus dem Arsch)“ zu hören gab. Letzterer aber mit Bühnenbegleitung, denn Sänger Fuchs zog einen weiblichen Fan nach oben, damit sie den Anwesenden ihre „Sonne“ zeigen würde. Zwar blitzte kurz was Weißes hervor, doch so richtig traute sie sich nicht. Dafür ließ sie es dann beim Mitbangen ordentlich krachen.

Lediglich „Gone“ und „Dschingis Khan“ stellten die Fraktion älterer Reiter-Songs dar, der Rest des Materials wurde vom Tonträger „Have A Nice Trip“ livehaftig auf die Bühne befördert. Die Thüringer scheinen nach „All You Need Is Love“ eine Schlussstrich unter die Vergangenheit gezogen zu haben. Kann man natürlich anmosern, doch sie haben ja genug neue Hits am Start, die sich schon eh nicht alle in einer Show verbraten lassen. „Metal Will Never Die“ zum Beispiel hatte es nicht auf die Bühne geschafft, was nicht Wenige wirklich geärgert hat. Aber mein Gott, alles Gute ist nie beisammen.

Die Band spielte sich zusehends in einen Freudenrausch und glänzte mit einer gewohnt bewegungsfreudigen Show und eine Menge Spaß in den Backen. Egal ob eine holde Weiblichkeit kurzerhand zu Pest in den Käfig verfrachtet und dort mit Ketten angekettet wurde, ob nun eine handvoll Fans dann die Befreiung vornahmen oder ob Dr. Pest dann von Fuchs an Ketten herausgelassen wurde, dieser mit seiner Peitsche wild um sich schlug und dann wieder von seinem „Bändiger“ in den Käfig verfrachtet wurde. Alles ließ die Stimmung immer noch höher kochen. Selbst die Band konnte nicht mehr vor Lachen. Fuchs meinte dann nur noch „Hat überhaupt noch jemand Bock auf Mucke oder sollen wir so weitermachen?“ (das war, nachdem Dr. Pest erst freigelassen und dann wieder eingesperrt wurde). Natürlich wollten die Massen noch mehr und weiter ging’s, bis das Johnny Cash-Cover „Ghostriders in the sky“ als Zugabe mit den Abschluss des Abends markierte.

Während „Wonderfull World“ und ABBA´s „Thank You For The Music“ vom Band leerte sich ganz langsam die Halle. Doch immer noch standen etwa 100 Fans vor der Bühne und verlangten lauthals eine Zugabe. Doch das Zeitlimit des Kesselhauses war erreicht. Schade.

 

Für mich unübertrieben ein beeindruckendes Konzerthighlight, den Tourauftakt miterlebt zu haben. Absolut begeistert schlichen wir aus der Halle, geplättet von so viel Spaß und miterlebter Freude an der Musik. Diese Band ist wirklich groß. Auf Platte sowieso und live fast unschlagbar. Obendrein noch total umkompliziert und sympathisch. Im Interview an anderer Stelle dieser Seite nachzulesen wehrte Damen und Herren…oder Reitermaniacs…

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Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging