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Deep Purple, Marillion im Konzert (Hamburg, November 2010)

Marillions Auftritt wurde durch miesen Sound getrübt, doch bei Deep Purple stimmte fast alles

Marillion hatten unter schlechtem Sound zu leiden

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Dass Deep Purple eine Legende und eine der wichtigsten Rockbands aller Zeiten sind, kann niemand bestreiten. Klar, ihre beste Zeit haben sie hinter sich und manch einer mag nicht ganz zu Unrecht anführen, dass sie hauptsächlich von ihren alten Hits leben, dass das ohne Ritchie Blackmore und Jon Lord ja irgendwie „nicht mehr so richtig“ Deep Purple sind, doch trotz alledem ist es für Leute wie den Verfasser dieser Zeilen, die in den Siebziger Jahren noch nicht geboren waren, natürlich toll, dass die neben Led Zeppelin und Black Sabbath wohl beste Classic-Hard-Rock-Formation immer noch aktiv ist, um sie auch heute noch live erleben zu dürfen.  

Für meine Wenigkeit ist es bereits das fünfte Mal tiefes Purpur, aber man weiß bei den inzwischen in die Jahre gekommenen Herren ja auch nicht, wie lange sie sich die Tourstrapazen noch antun werden, und sollte daher die Gelegenheit nicht verpassen, sich die Band anzuschauen, wenn sie in der Heimatstadt gastiert. Noch dazu, wo man sich diesmal mit Marillion einen Supportact ins Boot geholt hat, der selbst schon lange aktiv ist und einen hohen Bekanntheitsgrad aufweist, und noch dazu, wo Deep Purple immer noch mit Spielfreude agieren, im Gegensatz zu anderen Rockopas wie den Rolling Stones, die ja nicht gerade mehr den besten Ruf als Liveband genießen.
 
Das Publikum ist erwartungsgemäß bunt gemischt; neben den ganzen Altrockern, die mit Deep Purple natürlich Jugenderinnerungen verbinden, sind auch etliche jüngere Leute am Start, darunter eine durchaus nicht unerhebliche Anzahl an Metallern, auch aus dem extremeren Bereich, wie zum Beispiel ein Endstille-Patch eines Zuschauers beweist. Diese haben sich wohl genau das im zweiten Absatz Erwähnte zu Herzen genommen.  

Ausverkauft ist die Sporthalle allerdings trotzdem nicht, was angesichts des horrenden Eintrittspreises von um die 60 Euro nicht verwunderlich ist; trotz zweier solch berühmter Gruppen und trotz der viel zitierten Krise der Musikindustrie wegen der illegalen Downloads etc. ist das echt ganz schön heftig – da kann man sich als Pressefritze schon glücklich schätzen, umsonst rein zu dürfen und obendrein noch eine schicke „Ehrenkarte“ zu bekommen, das ist natürlich hübscher als nur ein Stempel. Warum sich die Fotografen allerdings nur in einem bestimmten Bereich aufhalten dürfen, bleibt unklar; nach den üblichen drei Songs fotografieren dürfen sie mit ihren Kameras nicht mehr in den Saal, es sei denn, sie geben ihre Knipsen ab – völlig überzogen und lächerlich. Zunächst scheint dies die Schuld der örtlichen Organisation zu sein, da dies nicht zum ersten Mal in der Sporthalle passiert, doch da ein ähnliches Prozedere auch bei anderen Konzerten dieser Tour stattgefunden haben soll, ist es wohl eher wahrscheinlich, dass das Purple-Management für diesen Schwachsinn verantwortlich ist.

Marillion

Überpünktlich, ein paar Minuten vor acht bereits, treten Marillion auf den Plan. Die Band umgibt ja schon seit langem eine beinahe esoterische Aura und dementsprechend agiert auch Sänger Steve Hogarth. Ausladende, abgespacte Gestik und Mimik lassen ihn ein bisschen durchgeknallt wirken und eigentlich will das nicht so richtig zu der meist ruhigen Musik passen – ob einen das stört oder nicht, muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden.

Die Reaktion ist generell sehr zwiespältig und insgesamt eher verhalten. Später in der Pause hört man leicht spöttische Kommentare wie „Ja, nun ist es aber auch gut mit dem Esoterik-Krempel“ etc., nichtsdestotrotz gibt es aber auch einige, die sich in den psychedelisch angehauchten, meist überlangen Kompositionen wie „The Invisible Man“ oder dem finalen, wundervollen „Neverland“ suhlen und sich angesteckt von den gewöhnungsbedürftigen Bewegungen des Frontmannes beseelt hin- und herwiegen. Marillion machen zweifellos Musik, die niemandem wehtut, die aber stark berühren kann und eben einfach schön ist: Die weiche Stimme Hogarths, das melodische Gitarrenspiel von Steve Rothery und die für die nötige Tiefe sorgenden Keyboardteppiche bilden ein opulentes Ganzes, das durch die stets vorherrschende Melancholie nie pathetisch oder aufgesetzt wirkt.

So sollte es zumindest eigentlich sein; doch trotz vereinzelter applaudierender Rufe will der Funke heute nicht recht überspringen, was wohl auch auf den katastrophalen Sound zurückzuführen ist: Den gesamten Gig hindurch ist irgendetwas zu laut oder zu leise, die richtige Balance finden die Techniker leider zu keinem Zeitpunkt. Vor allem Pete Trewavas’ Bass dröhnt permanent alles zu, zum Teil sogar derart krass, dass manche Keyboardpassagen schlichtweg falsch klingen. Dies dürfte kaum darauf zurückzuführen sein, dass Mark Kelly nicht die richtigen Tasten erwischt, dazu ist er zu erfahren, sondern dass der Tieftöner so übertrieben wummert, dass die Wahrnehmung verzerrt wird. Zwar meldet Kollegin Toni, vorne im Graben sei der Sound besser gewesen, doch in der Mitte des Saales geht das wirklich gar nicht.

Steve Hogarth bedankt sich zwar artig beim Publikum, nennt es großartig und sorgt zudem für einen Lacher, als er sich bei allen bedankt, die für Marillion gekommen waren, aber auch bei denen, die für Deep Purple kamen und trotzdem zugehört und keine Eier auf die Band geworfen hätten – dennoch geht es nicht einmal beim größten Hit der Engländer, „Kayleigh“, der als vorletztes erklingt, so zur Sache, wie man es erwartet hätte. Hier wiederum klingt in einigen Passagen nun die Gitarre plötzlich irgendwie falsch.
Schade, dieser einstündige Auftritt war eher enttäuschend; mich, der die Band zum ersten Mal live gesehen und sich eigentlich auf sie gefreut hat, konnte das jedenfalls nicht begeistern – hoffen wir mal, dass der Sound nächstes Mal besser ist.

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