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D'espairsRay im Konzert (Juli 2009)

Gelungene Rückkehr auf deutsche Bühnen
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Lange ist es her, dass sich die Japaner D'espairsRay in europäischen Gefilden blicken ließen. Nachdem sie in letzter Zeit damit beschäftigt waren, mit der Taste Of Chaos-Tour durch Amerika zu reisen, sind sie anlässlich ihres neuen Albums „Redeemer“ nun mit der Psychedelic Parade Tour das erste Mal seit 2007 wieder auf europäischen Bühnen zu sehen.

Nach dem stellenweise chaotischen Einlass, der durch die berüchtigten „Fangirls“, die Konzerte dieser Art anscheinend nur besuchen, um die Musiker ekstasisch anzukreischen und anschließend das Bewusstsein zu verlieren, einige Schwierigkeiten für die Security mit sich brachte, füllt sich der Platz vor der Bühne beeindruckend schnell. Schon lange bevor die Band zu spielen anfängt, ist die Halle fast bis zum Bersten voll und erweckt den Anschein, dass Bewegungsfreiheit hier wohl eher nicht zu finden ist. Doch sobald die Band unter lautem Geschrei der Fans und einem spaßigen Zirkus-Intro die Bühne entert, werden alle Bedenken zerstreut: Schon bei den ersten donnernden Riffs des „Redeemer“-Openers „Lizard“ gerät die Menge in Bewegung und die bedrückende Enge löst sich ein wenig auf. Leider haben D'espairsRay anfangs einige Probleme mit dem Sound – der Gitarrenklang ist zwar kraftvoll und der Bass ist ebenfalls gut zu hören, das Gesamtbild wirkt jedoch ein wenig matschig. Viel störender ist allerdings, dass Sänger Hizumi bei den ersten Songs kaum zu hören ist und er sich deshalb nahezu umsonst die Seele aus dem Leib schreit. Dies tut der begeisterten Stimmung in der Halle jedoch keinen Abbruch, denn auch nachdem das erste Stück nahtlos in den Titeltrack des aktuellen Albums übergeht, wird weiterhin trotz den Soundproblemen heftig gepogt.

Bei der Setlist gibt es nicht den geringsten Raum für Kritik, denn hier hat sich die Band selbst übertroffen: Songs aus allen Äras ihrer Diskographie wird geboten und vom neuen Longplayer wurden hauptsächlich die härteren Stücke ausgewählt, die poppig angehauchten Songs sind nur in geringem Maße vorhanden. Schon bei dem recht früh gespielten „Mirror“-Klassiker „Trickster“ erreicht die Stimmung ihren ersten Höhepunkt – weitere Publikumslieblinge wie „Sixty Nine“, das abwechselnd zum Tanzen und zum Headbangen einlädt; das heftige „Grudge“ vom Erstling „[Coll:Set]“, das leider unter einem etwas dünnen Gitarrensound leidet und das lautstark bejubelte „Garnet“, dessen asiatisch angehauchte Synths heute spontan von Hizumi durch rythmisches Gekreische ersetzt werden, folgen. Vom aktuellen Album überzeugt insbesondere das mit rasanten Tempowechseln ausgestattete „Lost In Re:Birth“; aber auch die etwas ruhigeren Titel wie „Kamikaze“ oder „Horizon“ werden mit großer Begeisterung aufgenommen.

Zwischen den Songs lässt Sänger Hizumi immer wieder Ansagen in lustigem Englisch auf das Publikum los, das diese zwar meistens nicht versteht, aber trotzdem mit euphorischem Gebrüll antwortet. Abwechslung bringen „Paradox 5“ und „Screen“ in die ansonsten recht metallische Setlist: Das erstgenannte Stück könnte man fast schon als Ambient-Song bezeichnen, der es schafft, die Halle in eine unwirkliche Atmosphäre zu tauchen. Bei der düsteren Halb-Ballade „Screen“ hingegen sorgt der unglaublich emotionale Gesang Hizumis bei den Zuhörern für eine dauerhafte Gänsehaut, selbst die kurze Kopfstimmen-Passage wird souverän gemeistert. Generell ist der charismatische Sänger heute mal wieder in Topform und bringt sowohl den Klargesang als auch die Screams kraftvoll herüber – auch wenn er gelegentlich ungewohnt nasal klingt.

Ebenfalls sehr spaßig ist das kleine Duell, das sich Bassist Zero und Gitarrist Karyu liefern. Zero liefert zwar durch seine enorm schnelle und technische Spielweise deutlich mehr Anlass zur Begeisterung, Karyu sorgt aber immerhin für eine dichte Atmosphäre, wenn seine geisterhaften Melodien technisch auch eher unspektakulär sind. Nachdem die Beiden ihr kleines Geplänkel beendet haben, bekommt Schlagzeuger Tsukasa noch Gelegenheit für ein schönes Drum-Solo, bevor das Quartett seine Setlist fortsetzt.

Einer der unbestrittenen Höhepunkte der Show ist sicherlich „In Vain“, eines der härtesten Stücke in der Diskographie der Band, bei dem das Publikum zu einer einzigen wogenden Masse wird. Überraschenderweise werden alle drei B-Sides der zuletzt veröffentlichten Singles gespielt – warum wird jedoch schnell klar: die des Öfteren in den Uptempo-Bereich ausbrechenden Stücke eignen sich hervorragend für den Live-Gebrauch und werden lautstark bejubelt. Hiervon sorgt besonders das punkig angehauchte Adrenalin-Monster „Bullet“ für Stimmung, die so ekstasisch ist, dass die Band den Song noch stark in die Länge zieht um die Fans ein wenig anzuheizen. Nach dem Stück verlassen D'espairsRay kurzzeitig die Bühne, bis plötzlich Tsukasa überraschenderweise wortlos und alleine ans Mikrophon tritt. Weiterhin schweigend zückt er plötzlich eine Querflöte und präsentiert einige fehlerfrei vorgetragene Melodien, bevor er sich nach einer knappen Verbeugung wieder hinter das Schlagzeug setzt, was mit lautem Gelächter und Applaus gewürdigt wird.

Danach findet sich auch der Rest der Band zur Zugabe ein und beginnt diese tatsächlich mit „Born“, einem Klassiker der Band, der noch aus der Zeit vor dem Debüt-Album stammt. Als wäre dies nicht schon Grund für Begeisterung genug, lassen D'espairsRay hierauf nun auch noch „Hollow“ folgen. Das fast schon thrashig vorgetragene Stück bietet dank seinem Refrain, der nur aus „Lalala“-Gesängen und einigen Screams besteht, dem Publikum nun endlich einmal die Möglichkeit, ausführlich mitzusingen – was auch sofort wahrgenommen wird. Zwischenzeitlich versucht Hizumi dann noch vergeblich, einige deutsche Sätze von einem Blatt Papier abzulesen und sorgt erneut für grinsende Gesichter, bevor Karyu mit einem gebrochenen „Ich liebe euch“ wieder ohrenbetäubende Kreischwellen auslöst. Den Abschluss bildet dann der Dauer-Ohrwurm „Mirror“, der dank seines englischsprachigen Chorus ebenfalls mitgesungen wird, bevor die Band unter lautem Jubel die Bühne verlässt.

Beim Verlassen der Halle blickt man fast ausschließlich in erschöpfte, aber glückliche Gesichter und muss feststellen, dass D'espairsRay es erneut geschafft haben, trotz der Sprachbarriere die europäischen Fans zu begeistern und weiterhin eine absolute Ausnahme-Live-Band sind – man kann nur hoffen, dass man sie bald wieder in Europa begrüßen darf.

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