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Cradle Of Filth, Ne Obliviscaris, Darkest Horizon im Konzert (Hamburg, November 2015)

Aliens, nackte Brüste und eine Band in bestechender Form

Dass es angesichts des überraschend grandiosen neuen Cradle Of Filth-Albums Pflicht ist, ein Konzert der Engländer auf der aktuellen „Tourture“ (noch Fragen?) zu besuchen, versteht sich eigentlich von selbst. Ihren letzten Deutschland-Termin in diesem Jahr hat die Band in Hamburg und natürlich freute sich auch der The-Pit.de-Schreiberling schon lange auf diesen Auftritt. Gerade einmal 48 Stunden zuvor hätte allerdings niemand geahnt, dass man sich letztlich mit einem leicht mulmigen Gefühl Richtung Markthalle begibt. Die jüngsten Terroranschläge in Paris, bei denen unter anderem auch im Bataclan-Theater, wo gerade die Eagles Of Death Metal ein Konzert spielten, mindestens 89 Menschen getötet wurden, hinterlassen natürlich einen nachhaltigen Eindruck. Selbstredend ist es höchst unwahrscheinlich, dass sich dieses grausige Ereignis nur zwei Tage später irgendwo anders wiederholen wird – aber allein die Vorstellung, dass man ganz normal auf einem Konzert eine Band abfeiert und plötzlich durchgeknallte Attentäter auftauchen und wahllos in die Menge schießen, ist schon beklemmend. Die enorme mediale Präsenz bei dieser Katastrophe dürfte ihren Teil zu solch unangenehmen Gedankenspielen beitragen, schließlich sterben täglich hunderte Menschen durch Terror, Krieg und Hunger und das wird vergleichsweise kaum zur Kenntnis genommen. Dennoch sind die Anschläge natürlich entsetzlich und auf der anderen Seite ist so ein Konzert auch immer ein wenig Ablenkung – generell von all den furchtbaren Dingen, die tagtäglich passieren und die man in den Nachrichten sieht.

Darkest Horizon

Das musste einmal gesagt sein, doch nun zum eigentlichen Geschehen am heutigen Abend: Das Konzert sollte laut Homepage und Facebookseite der Markthalle um 20 Uhr beginnen – doch als der Verfasser dieser Zeilen um exakt acht Minuten vor acht den Saal betritt, sind Darkest Horizon aus Hessen gerade dabei, ihren letzten Song zu spielen. Die Band hat laut Augenzeugen bereits um halb acht begonnen, womit man mal wieder einen Grund hat, sich aufzuregen. Was soll das und wann wird dieser Scheiß endlich ein Ende haben? Für alle Beteiligten ist so ein Vorgehen unvorteilhaft, sowohl für die Band als auch die Fans. Meine Wenigkeit bekommt die letzten drei Minuten mit und so lässt sich selbstverständlich kein adäquater Bericht anfertigen. Somit ein dickes Sorry an die Jungs, zumindest hören sich die paar Klänge, die ich noch mitbekomme, nach sehr solidem, kompetent dargebotenem Melodic Death Metal an, das wenigstens als kurzes Statement.

Ne Obliviscaris

Der Saal ist immer noch höchstens halbvoll, als Ne Obliviscaris den Ort des Geschehens betreten. Der Sechser hat einen weiten Weg hinter sich, kommen sie doch aus Melbourne in Down Under. Im letzten Jahr veröffentlichte die Band in Form von „Citadel“ ihre zweite Full-length-Platte und eines steht von Anfang an fest: Eigenständig zu klingen und sich vom Einheitsbrei abzuheben, hat hier oberste Priorität. Und hier ist  nicht etwa die Rede davon, dass die Jungs zwei Linkshänder in ihren Reihen haben (Leadgitarrist Benjamin Baret und Bassist Brendan Brown, die ihre Instrumente ziemlich weit oben tragen, was schon etwas kurios aussieht – ihre optische Ähnlichkeit lässt sie zudem wie Zwillinge erscheinen), sondern von etwas ganz anderem: Eine Violine in einer Metalband zu haben, ist seit My Dying Bride und diversen Folktruppen zwar nicht mehr so außergewöhnlich, die Art, wie Ne Obliviscaris (übrigens lateinisch für so etwas wie „Nicht vergessen“) das Instrument einsetzen, allerdings schon.

Teilweise minutenlang spielt Tim Charles, der auch für die cleanen Vocals verantwortlich zeichnet, Leadmelodien auf seiner Geige und erweist sich als wahrer Könner. Bei so mancher Folkband ist das schiefe Gefiedel ein Graus – hier ist es eine Wohltat. Auffällig auch, wie lang die Stücke geraten sind: Da kann eine Nummer auch mal tänzerisch mit cleanen Gitarren beginnen, um nach und nach zu einem Epos mit mächtigen Gitarrenwänden zu mutieren, wie beim finalen „And Plague Flowers The Kaleidoscope“.

Ohne Frage ist das sehr spannend und originell, was die Aussies hier darbieten, und der Lohn ist ein immer kräftiger applaudierendes Publikum. Schade, dass der Sound eher zu wünschen übrig lässt: Das Schlagzeug ist viel zu laut (und leider noch dazu getriggert), die Gitarren und der cleane Gesang zu leise. Dennoch lässt sich in den atmosphärischen Passagen der überlangen Stücke wunderbar versinken, wie sich bei den harten Sequenzen gut bangen lässt. Tolle Band, die man definitiv auf dem Schirm behalten muss.

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