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Cradle Of Filth & Moonspell im Konzert (Hamburg, Januar 2018)

Zwei Metal-Größen in ausgezeichneter Verfassung

Cradle Of Filth

Eine halbe Stunde später, als die englische Gruseltruppe die Bretter entert, scheint sich diese Hoffnung zunächst nicht zu bestätigen: Der Sound ist beim etwas überraschenden Eröffnungstrack „Gilded Cunt“ recht breiig und noch nicht ausgewogen, im weiteren Verlauf der Show sind auch manche der zahlreichen filigranen Soli leider etwas zu leise, aber insgesamt ist das Ganze letzten Endes dann schon einigermaßen rund.

Nicht unbedingt erwartungsgemäß geht es auch weiter, denn mit „Beneath The Howling Stars“ steht gleich der nächste Klassiker auf dem Programm, erst danach folgt in Gestalt von „Blackest Magick In Practice“ der erste Track neuerer Zeiten. Insgesamt haben Cradle Of Filth die Setlist im Vergleich zur letzten Tour erfreulich deutlich umgestellt; drei Songs entstammen dem aktuellen Album, beim Rest handelt es sich um einen Querschnitt durch quasi alle Schaffensphasen des Sextetts.

Der Club ist inzwischen prächtig gefüllt und die Stimmung hervorragend. Das registriert auch Frontmann Dani, der das Publikum, wie man es von ihm gewohnt ist, trotzdem permanent zu höheren Leistungen pusht. So verlangt er von den Anwesenden, da ja nur wenige Meter entfernt gerade Arch Enemy auftreten, man solle so laut brüllen, dass die dort es hören. Man sei ja mit der schwedisch-kanadisch-amerikanischen Band gut befreundet, aber so gut dann doch nicht, dass man sie nicht etwas ärgern könnte. Ob Alissa drüben gerade ein ähnliches vom dortigen Publikum verlangt?

In der Mitte des Sets erklärt er, „Cruelty And The Beast“ würde in diesem Jahr 20. Jubiläum feiern. Damals habe man sich über den „beschissenen Drumsound“ geärgert (da hat er leider recht), aber natürlich sei das Album ansonsten eine wichtige Scheibe in der Geschichte der Formation – um anschließend gleich mal das Elf-Minuten-Epos „Bathory Aria“ anzukündigen, gewidmet allen „evil bitches and women“. Selbstverständlich ein absolutes Highlight, wie auch das dem folgende „Dusk And Her Embrace“. Dass diese wahnwitzige Nummer gespielt wird, reicht schon allein als Grund für diesen Konzertbesuch und der Autor dieser Zeilen dreht dementsprechend völlig durch.

Mit dem Gothic-lastigen „The Death Of Love“ wird der Fuß dann ein bisschen vom Gaspedal genommen (dafür wird es beim Finale von „You Will Know The Lion By His Claw“ bis zum Bodenblech durchgetreten) und auch dieses Stück dürfte schon länger nicht mehr bei Konzerten zu Ehren gekommen sein. Danach verlässt die Truppe nach etwa einer Stunde die Bühne, kommt aber sofort zurück, um mit „The Promise Of Fever“ eine ebenfalls lange nicht mehr gespielte Komposition vom stets etwas stiefmütterlich behandelten „Damnation And A Day“ zu kredenzen.

Wirklich großartig, was Cradle für Perlen aus der Versenkung fischen und es war weiß Gott nicht immer so, dass Konzerte der Engländer so viel Spaß machen – in der Vergangenheit wirkte es mitunter lustlos oder schlampig gespielt, doch mit dem jetzigen Line-up stehen der Band wieder alle Türen offen. Lindsay Schoolcraft meistert ihre Gesangsparts ziemlich tadellos und ich behaupte, sie ist die beste (und motivierteste) Sängerin, die die Gruppe je hatte.

Dani fasziniert mit seinem vielfältigen Gesangsstil und seiner Technik wie gewohnt, Drum-Oktopus Marthus ist sowieso über jeden Zweifel erhaben und das Gitarrentandem Ashok und Richard Shaw sprüht vor Spielfreude und wechselt ständig die Positionen, wobei letzterer manchmal wie ein Zombie ins Publikum stiert oder seltsame Verrenkungen vollzieht, sich dabei jedoch locker-leicht die halsbrecherischsten Läufe aus dem Ärmel schüttelt. Als am Ende ein Circlepit entsteht, dirigiert er mit Kreisbewegungen des rechten Zeigefingers sogar die Meute, während er mit der linken Hand tiefenentspannt weiter über das Griffbrett flitzt, als sei dies die allerleichteste Übung.

Als dann nach zirka 95 Minuten die Abschlussnummer „Born In A Burial Gown“ durch ist (erneut ein Song, mit dem man nicht unbedingt rechnen konnte) und Dani dem Publikum versichert hat, es sei „awesome for a Monday night“ gewesen, verteilt Shaw Plektren auf eine recht eigenwillige Art, indem er sich immer eins auf die Zunge legt und dieses dann in die Menge spuckt. Völlig krasser Typ, der auch als Serienkiller durchgehen könnte, wäre er nicht Musiker (bei einer Band wie Cradle sehe ich das als Kompliment). In jedem Fall ein sehr kurzweiliges und tolles Konzert von beiden Combos und Cradle können es sich sogar leisten, auf die eigentliche Pflichtnummer „The Forest Whispers My Name“ zu verzichten. Jetzt irgendwann noch mal „Tearing The Veil From Grace“ und „Tortured Soul Asylum“ live erleben – das wäre die Krönung!   

Setlist:

Ave Satani (Intro)
Gilded Cunt
Beneath The Howling Stars
Blackest Magick In Practice
Heartbreak And Séance
Bathory Aria
Dusk And Her Embrace
The Death Of Love
You Will Know The Lion By His Claw
---------------------------------------
A Bruise Upon The Silent Moon (Intro)
The Promise Of Fever
Achingly Beautiful
Nymphetamine (Fix)
Her Ghost In The Fog
Born In A Burial Gown

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