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Cradle Of Filth & Moonspell im Konzert (Hamburg, Januar 2018)

Zwei Metal-Größen in ausgezeichneter Verfassung

Wenn das kein amtliches Package ist: Cradle Of Filth und Moonspell zusammen auf Tour, beide haben jüngst jeweils ein großartiges neues Album hingelegt – also kann das ja eigentlich nur gut werden. Es ist auch nicht das erste Mal, dass beide Combos gemeinsam unterwegs sind, doch so verwunderlich ist es nicht, dass sich deren Wege bereits gekreuzt haben, immerhin haben beide Bands schon je zwölf Alben veröffentlicht und sind seit vielen Jahren im Geschäft. Keine hundert Meter vom Grünspan entfernt, spielt in der Großen Freiheit 36 am heutigen Montag übrigens mit Arch Enemy ein weiteres Schwergewicht der Szene – Freud und Leid also für alle Metaller, die sowohl Cradle und Moonspell als auch Arch Enemy etwas abgewinnen können, aber solche Luxusprobleme kommen in der Großstadt nun einmal vor.

Moonspell

Eine weitere Vorband gibt es nicht, es stehen lediglich diese zwei erfahrenen Metal-Größen auf dem Programm. Dennoch fängt man entgegen der Ankündigung von 20 Uhr bereits eine Viertelstunde früher an – gut, dass die Portugiesen dies zuvor noch einmal auf ihrer Facebookseite kommunizierten. Es ist trotzdem noch sehr überschaubar im Zuschauerbereich, als sie ihren Gig mit einer cleveren Mischung aus der „Em Nome Do Medo“-Originalversion und der neuen auf „1755“ beginnen. Natürlich kommen die bombastischen Orchesterelemente vom Band, diesen gigantischen Soundwall kann Pedro Paixão dann doch nicht komplett auf seinem Keyboard wiedergeben.

Mit einem riesigen, sehr ästhetischen Backdrop ist die Bühne geschmückt und im schummrigen Zwielicht betritt ein mit Hut und einer Laterne bewaffneter Fernando Ribeiro die Szenerie, um den Opener zum Besten zu geben, ihm folgt der Rest der Band, wobei auffällt, dass Gitarrist Ricardo Amorim sich von seiner Matte getrennt hat. Zunächst sieht es beinahe nach einer Komplettperformance von „1755“ aus, da die ersten vier Songs nicht nur dem Album entnommen wurden, sondern außerdem in exakt derselben Reihenfolge wie die Tracklist ablaufen. Fernando lässt es sich dabei nicht nehmen, ein wenig Theatralik einfließen zu lassen, um den Songs auch inhaltlich noch mehr Ausdruck zu verleihen – gerade vor dem Hintergrund, dass natürlich nur die wenigsten Anwesenden Portugiesisch verstehen, auch wenn der Frontmann später noch verkündet, dass sogar Leute aus Portugal heute hier anwesend seien.

So trägt er beim Titelsong eine Art Schnabelmaske wie die Pest behandelnden Ärzte im Mittelalter, und bei „In Tremor Dei“ stolziert er mit einem riesigen Kreuz über die Bühne und mimt mit entsprechenden Gesten und Gesichtsausdrücken die Angst vor Gott, wie es im Titel heißt. Nach der vierten Nummer „Desastre“ wird in Form von „Night Eternal“ dann aber doch eine ältere Nummer eingeschoben, bevor es mit „Ruínas“ wieder mit der aktuellen Scheibe weitergeht. Nach und nach füllt sich auch der Zuschauerraum und die Reaktionen werden euphorischer. Allerdings ist Fernando auch ein ständiger Animateur, bedankt sich immer wieder und ist die Sympathie in Person – wie man ihn eben kennt.

„Opium“ (Fernando: „Wir gehen zurück in die Vergangenheit, wenn auch nicht nach 1755, sondern 1996“) markiert einen weiteren kleinen Einschnitt, „Evento“ und „Todos Os Santos“ führen dann den „1755“-Faden fort – bei letzterem trägt der Sänger erneut ein großes Kreuz vor sich, bei dem sich in der Mitte zwei rote Punkte befinden, aus denen zwei Laserstrahlen ins Publikum leuchten. Anschließend ist es schon Zeit für die Zugaben: „Alma Mater“ ist ebenso unverzichtbar wie das episch-getragene „Full Moon Madness“, bei dem Fernando zu zusätzlichen Sticks greift und Drummer Miguel Gaspar beim Verdreschen der Becken von der anderen Seite hilft.

Eine wiederholte Danksagung ans Publikum wird jedoch nicht ausgespart – zumal sogar „Moonspell“-Sprechchöre aufbranden, die die Band sichtlich rühren –, verbunden mit einer kleinen Anekdote, dass sie heute dem Maritimen Museum einen Besuch abstatteten und dort natürlich auch einiges über die große Seefahrergeschichte ihres eigenen Landes gelesen hätten. Ihr Interesse für Kultur macht Moonspell nur noch sympathischer – es wird also niemand dazu gezwungen, sich auf Tour nur zu langweilen, bis der Gig losgeht. Nach ziemlich exakt einer Stunde ist Feierabend und der relativ gute Sound macht Hoffnung, dass einem dieses auch beim Hauptact beschert wird.

Setlist:

Em Nome Do Medo
1755
In Tremor Dei
Desastre
Night Eternal
Ruínas
Opium
Evento
Todos Os Santos
Alma Mater
Full Moon Madness

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