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Corvus Corax, Schandmaul, ASP, Volkstrott im Konzert (Berlin 2007)

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Unter dem Banner „Nocturna Festival“ haben sich vier bekannte und beliebte Bands aus der deutschen Dunkelszene, überwiegend mit Folk- und/oder Mittelalterelementen, in der Zitadelle Spandau zu Berlin am vierten August 2007 zusammgefunden. Die Bandzusammenstellung aus Corvus Corax, Schandmaul, ASP und Volkstrott findet großen Anklang bei all denjenigen, die an diesem Wochenende nicht auf dem Wacken Open Air zu finden sind. Ein großer Teil der etwa 1500 Gestalten aus allen Altersklassen, überwiegend in schwarz gekleidet, stehen schon um 17 Uhr, eine halbe Stunde vor der offiziellen Einlasszeit, am Eingang der zwar momentan teilweise im Bau befindlichen, aber dennoch wunderschönen Zitadelle, welche im heutigen Berliner Außenbezirk Spandau steht.

 

Relativ pünktlich und nach mehr als einem Dutzend anderer Konzerte in der Zitadelle im Rahmen eines Konzertsommers gekonnt zügig wird der Einlass vollzogen. Da der erste Act Volkstrott erst einige Tage vorher bekanntgegeben wurde und sich somit der offizielle Konzertbeginn etwa eine halbe Stunde nach vorne verlagerte, waren noch nicht viele Leute vor der Bühne zu finden. Der Großteil hielt sich noch hinten bei allerlei Lederwaren-, Essens- und Getränkeständen, von denen einer auch stilecht Met anbot, auf, als die sechs Berliner die riesige Bühne betraten. Der Truppe, die ihre Musik als harten Rock mit Dudelsack und Geige beschreibt, ansonsten mit ASP aber so gar nicht in das mittelalterliche Ambiente dieses Abends passen wollte, ist es leider nicht vergönnt, mehr als 20 Minuten spielen zu dürfen, was bei den wenigen Die Hard-Fans im Publikum auf vereinzelte Rufe des Unmuts hinauslief. Angesichts dessen sind nur fünf Songs gespielt worden, von denen sich vier auf dem Debütalbum „Todeskunst“ finden lassen. Dazu gehören der Standard-Opener „Reißt die Mauern ein“, der einen sehr tanzbaren Start in das Nocturna Festival bot, das mit englischem Text verfeinerte und alle Elemente Volkstrotts vereinende „Scherbentanz“, die Düsterhymne „Im Schatten“ und das zynische „Deine Welt“, welches als Abschlusslied allerdings eher schlecht gewählt wurde, denn die Menschen, von denen sich immer mehr, ob der angenehmen Musik, vor die Bühne verirrten, hätten einen echten Kracher á la „Zu schön“ oder „Meine Seele“ schon verdient gehabt. Wettgemacht wurde dies aber durch die sehr rockige Neuinterpretation ihres sehr alten und bisher unveröffentlichten Stückes „Paradies“. Insgesamt ein sehr kurzer, aber auch kurzweiliger Auftritt, bei dem Volkstrott sicher noch den ein oder anderen Anhänger folk-rockiger Klänge auf ihre Seite ziehen konnten.

 

Es musste schnell gehen, denn nur 15 Minuten waren für die Umbaupause angesetzt, dann musste jegliches Volkstrott-Equipment verschwunden sein. ASP und Schandmaul hatten ihre Drumkits schon fertig aufgebaut und positioniert gehabt und auch das umfangreiche Corvus Corax-Instrumentarium stand im Bühnennebenraum in Sichtweite, was der extrem großen Bühne wegen aber auch kein Problem darstellte. Des Weiteren waren an der Bühnendecke drei Reihen Scheinwerfer angebracht, um somit eine fette Lightshow bieten zu können. Schade nur, dass offizieller Zitadellen-Zapfenstreich auf 23 Uhr festgelegt war. Damit konnten leider nur Corvus Corax als letzte Band von der großartigen Installation profitieren. Herr Alexander Spreng ließ sich davon nicht beeindrucken und kam posend und geschminkt wie immer in Ledermantel und fast bodenlangen Rock gekleidet auf die Bühne, nach Matze und den anderen zwei musikalischen Mitstreitern. Dass ASP live keine Probleme damit haben, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen, ist schon länger bekannt. Leider sind die Berliner dann doch immer noch ein wenig schwerfälliger und tanzfauler als der Rest der Nation. Atmosphäre wie bei einem Club-Konzert inkl. Passender Beleuchtung konnte natürlich nicht aufkommen, aber der Schwarze Schmetterling setzte alles daran, mit seinem Stageacting eine gute Show abzuliefern. Neben Tanzflächenknallern wie „She Wore Shadows“ und Mitsingspielchen bei „Schwarzes Blut“ gab es zu „Duett (Minnelied der Incubi)“ eine kleine Premiere. Die Jungs hatten eine Geigerin eingeladen, welche nicht nur die Ohren, sondern mit ihren bestimmt einen Meter langen, blonden Haaren auch die Augen in Verzückung versetzte. Und wenn man schon mal eine Frau an der Violine dabei hat, dann hat man sie auch gleich dazu eingeladen, die Singleauskopplung „Werben“ vom vorletzten Album „Aus der Tiefe“ mitzuspielen, was sich schlicht wunderbar anhörte. Leider schienen auch dies nicht allzu viele Besucher schätzen zu wissen, denn Tanzaktivitäten von Seiten des Publikums blieben eher eine Seltenheit. Letztendlich flippte das Publikum dann aber doch noch aus, als die ASP-Hymne schlechthin gespielt wurde. „Ich will brennen“ war wohl auch auch denjenigen bekannt, die ASP nicht unbedingt zu ihren Lieblingen zählen. Der Track ist Kult in der schwarzen Szene und so hat es sich auch angefühlt, wenn man inmitten der Massen gestanden hat.

 

Und weiter ging es, der Zeitplan drückte. In der abermals sehr kurzen Umbaupause war viel Bewegung im Burghof der Zitadelle Spandau. Viele der vorne Stehenden haben sich nach hinten begeben, um mit ein wenig Wasser den Staub, der sich in allen nicht bedeckten Körperöffnungen finden ließ, hinunterzuspülen. Währenddessen schoben sich aber so einige Leute nach vorne, die bisher eher den Abstand zur Bühne genossen hatten, insbesondere die des älteren Semesters. Klar, Schandmaul schlagen eine Brücke vom Mittelalterrock zur Popmusik. Dass sich dieser Trend aber immer weiter in Richtung Mainstream ausbaut, ist bedauerlich. Der Titel des letzten Albums „Mit Leib und Seele“ ist damit auch nicht ganz treffend gewählt worden, denn die Stücke ebenjenes Silberlings sind weniger für den Leib gedacht, wie sich ganz einfach feststellen lässt, das Publikum betrachtend. „Herren der Winde“ und „Vogelfrei“ waren neuen Songs wie „Die Tür in mir“ und „Kein Weg zu weit“ klar überlegen. Negativ anzumerken sei hierbei, dass auch die Klassiker an Stärke verloren haben. War „Walpurgisnacht“ früher noch das Highlight eines jeden Konzertes neben dem unerschütterlichen „Teufelsweib“, welches übrigens nicht gespielt wurde, gab es dieses Mal nur zaghafte Tanzversuche einiger Die Hard-Schandmaul-Fans. Dass zu allem Überfluss auch noch die Akustikgitarre die Hälfte des Auftrittes unbenutzbar war, setzte dem schwachen Auftritt dann noch die Krone auf. Nächstes Mal dann bitte doch ein wenig mehr Saft!

 

So langsam ging dann auch die Sonne unter und das überaus beeindruckende Instrumentenrepertoire von Corvus Corax wurde aufgebaut. Von allerhand Dudelsäcken und anderen mittelalterlichen Blasinstrumenten über ein dreigeteiltes Percussion-Set inklusive Gong und Davul gab es Vieles zu bewundern, was der normale Zuschauer noch nie vorher gesehen hatte. Der letzte Auftritt dieser achtköpfigen, überwiegend oberkörperfreien Horde war mir noch in schlechter Erinnerung, ob der widrigen Klangverhältnisse. Desto mehr wurde ich von der Wucht, Spielfreude und Melodiewut der Könige der Spielleute gleich am Anfang weggeblasen. Die Truppe spielte ein Klassiker-Set, das sich aus Songs der gesamten achtzehn Jahre währenden Schaffensphase der Berliner zusammensetzte. Passend dazu steht seit Kurzem auch die Corvus Corax Best-Of „Kaltenberg Anno MMVII“ in den Läden und wartet mit ähnlichen Songs wie das Liveset an diesem Abend auf. „Venus Vina Musica“ und „Bibit Aleum“ waren genau so dabei wie die Klassiker „In Taberna“, „Saltarello“ und „Inter Deum Et Diabolum Semper Musica Est“. Interessant zu beobachten und getreu der These, dass das Berliner Publikum eine Menge Aufwärmzeit benötigt, wurde zu den Kolkraben am meisten und am vehementesten getanzt. Viele sahen wegen des dadurch aufgewirbelten Staubes die umwerfende Lightshow nur zum Teil. Die sowieso schon farbenfrohen und detailreichen Kostüme kamen im roten, pinken, gelben und blauen Licht noch besser zur Geltung. Und bei achtzehn Jahren im Geschäft wissen die älteren Herren, teilweise auch mit ordentlicher Bierwampe, dass man sich nicht nur auf die Lichttechniker verlassen kann, sondern auch selber etwas bieten muss neben der Musik. So begab es sich zum Beispiel, dass Patrick der Kalauer, im Grunde der Herr der Davul, eine kleine Operneinlage gab und Mädchenschwarm Ardor vom Venushügel sich selbst geißelte oder zumindestens so tat, denn das Kunstblut spritzte dann doch etwas zu sehr, als dass man es für bare Münze hätte nehmen können. Bewegung auf der Bühne ist bei den Mittelaltermusikern ja sowieso die Regel. Umwerfend!

 

Gegen halb 11 war das ganze „Nocturna“-Spektakel dann auch schon wieder vorbei und die schwarzen Massen bahnten sich den Weg durch ein dunkles Burgtor hinaus in die Zivilisation. Was bleibt? Blaue Flecken, Staub in der Lunge, schmutzige Stiefel, Piepen in den Ohren – wenn das mal kein anständiger Wackenersatz ist! Es war ein tolles Konzert mit tollen Bands in einer tollen Location, nächsten Sommer bitte wieder!

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