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Castle Rock Festival 2006

Zum Thema

Was sind wohl die Grundvorausetzungen für ein erfolgreiches Festival? Eigentlich eine sehr leicht zu beantwortende Frage; nämlich ein starkes Line-Up, eine passende Location und natürlich auch ein Wetter, das dementsprechend mitspielt. Die bereits siebte Auflage des Castle Rock Open-Airs in Mülheim an der Ruhr erfüllte diese Vorraussetzungen auch dieses Jahr mit Bravour, was auch der Grund sein dürfte, warum das Festival zum bereits sechsten Mal in Folge mit knapp 2000 Besuchern restlos ausverkauft war. Die Veranstalter freuten sich sichtlich darüber und sogar Mülheims Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld richtete ein paar Worte an die gut gelaunte Menge, die aus ganz Deutschland angereist war. Sie versprach, dass es mit dem Castle Rock weitergehen wird und betonte, dass die Stadt als Ausrichter sehr stolz auf dieses Festival sei, da es einen wichtigen Beitrag zur Jugendkultur leiste.

 

Auf dem wunderschönen Gelände des Schloß Broich, der ältesten erhaltenen Burganlage nördlich der Alpen, tummelten sich die unterschiedlichsten Gestalten. Dies bekräftigt auch den Abwechslungsreichtum der verpflichteten Bands. Von extravagant gekleideten Gothics, über junge Metalfans, bis hin zu völlig „normal“ gekleideten Personen, waren jedenfalls alle Gruppen zahlreich vertreten. Was aber alle Besucher vereinte, war die ausgelassene Stimmung und die Freude auf die Bands, die das Castle Rock 7 zu einem absoluten Highlight der umfangreichen Festivalsaison machen sollten. Ein weiterer Pluspunkt des Castle Rock ist seine tolle Lage und die unterschiedlichen Möglichkeiten, die dem Besucher angeboten werden, denn selbst wenn einem die ein oder andere Band nicht gefiel, so hatte man immer noch die Möglichkeit sich entweder im neben der Burganlage gelegenen Park etwas zu entspannen, sich an den vielseitigen Ständen die Zeit zu vertreiben, oder sich die alten Gemäuer der Burg etwas näher anzuschauen.

 

Lobenswert waren auch die angemessenen Getränke- und Essenspreise, über die sich - im Vergleich zu manch anderem Festival - wirklich niemand beschweren kann, sowie die gute Organisation des Festivals, bei der wirklich alles geklappt haben dürfte, ganz gleich ob es die Einhaltung der Bandspielzeiten oder sonstige Punkte, wie Einlass, Security etc. anbelangt.

 

Dennoch sind immer noch die Musiker das Wichtigste an einem Festival; die Bands schienen nicht nur von der guten Stimmung der Fans und dem herrlichen Sonnenschein, sondern auch von dem besonderen Ambiente des Schloß Broich sehr angetan gewesen zu sein. Das konnte man ihnen bei ihren Auftritten wirklich anmerken.

 

Remember Twilight:

 

 

 

Als erste Band standen um Punkt 13.00 Remember Twilight auf den Brettern, die die Welt bedeuten, und jeder weiß, dass es ein Opening-Act bei einem Festival nicht selten äußerst schwer hat. Remember Twilight allerdings machten ihre Sache doch recht ordentlich, was auch dazu führte, dass im Laufe des rund 40minütigen Sets von Minute zu Minute immer mehr Menschen ihren Weg vor die Bühne fanden. Die Band bezeichnet ihren Stil als Kammermusik-Core und damit liegen sie auch vollkommen richtig. Hier treffen harte Metalgitarren, versetzt mit einem streckenweise sehr aggressiv anmutenden Gesang, auf deutlich klassische Elemente, die das Resultat des Einsatzes von Violine und Oboe sind. Die Band sollte man auf jeden Fall im Auge behalten, da diese musikalische Mischung sich als äußerst interessant erweist. Punkten konnte die Band besonders mit ihrer eigenwilligen Interpretation von Brechts “Dreigroschenoper”, aus der man, wenn mich nicht alles täuscht, einen Auszug aus dem bekanntesten Stück “Die Moritat von Mackie Messer“ unter die Leute brachte. Doch auch mit ihren eigenen Songs, wie z.B. „Tränen für euer Blut“ oder „Chaos der Ängste“, konnten Remember Twilight überzeugen. Das Publikum sah dies nicht anders, allerdings waren zu diesem frühen Zeitpunkte noch lange nicht alle Besucher im Burghof versammelt.

 

The Beautiful Disease:

 

 

 

The Beautiful Disease hatten es wahrlich nicht leicht, dass Publikum des Castle Rocks für sich zu gewinnen und somit wurde es auch deutlich leerer vor der Bühne. Musikalisch bietet die Band poetischen Wave, der streckenweise deutlich an Goethes Erben erinnert, ohne aber ansatzweise die Magie der Kompositionen von Oswald Henke und Mindy Kumbalek zu versprühen. Zwar verfügte der Sound von The Beautiful Disease über einige nette Synthesizerklänge, aber nicht nur mir war das Dargebotene einfach zu monoton und zu einfallslos. Somit gab es für die Band, wenn überhaupt, lediglich verhaltenen Höflichkeitsapplaus. Vielleicht mag auch die strahlende Sonne daran gelegen haben, dass die Musik überhaupt nicht rüberkam, denn solch düstere Klänge brauchen auch die dementsprechende Untermalung. Man muss den Veranstaltern natürlich attestieren, dass sie sich um musikalische Abwechslung im Bandprogramm bemühten, aber The Beautiful Disease schienen einfach deplaziert zu sein, denn die Leute wollten nicht ruhigen Klängen lauschen, sondern viel mehr feiern und Spaß haben.

 

Thanateros:

 

 

 

Feiern konnten die Besucher des Castle Rock dann auch wenig später mit den Folkmetallern von Thanateros, die sehr viele Subway To Sally und Mittelalter-Fans vor die Bühne lockten. So kam auch zum ersten Mal an diesem Tag wirklich Stimmung im Burghof auf. Thanateros zeigten eine sympathische, routinierte Show und machten auch vom Sound her, wenn man von einigen Mikroproblemen zu Beginn ihrer Show absieht, eine gute Figur. Dies alles sollte aber wenig verwundern, da die Musiker, mit ihren Engagements bei u.a. Evereve und Vermilion Fields, natürlich über eine große Erfahrenheit verfügen. Die Band überzeugte besonders dann, wenn sie die antreibenden Geigenparts in den Vordergrund stellte, die alle Fans der Band zum Tanzen animierten. Auch die Teile des Publikums, die eher der härteren Fraktion zuzuordnen sind, kamen aufgrund der wuchtigen und schnellen Metalparts voll auf ihre Kosten und belohnten die Band dementsprechend mit lautem Jubel. Auf jeden Fall war die Band ein perfekter Anheizer für das noch folgende Programm.

 

Scream Silence:

 

 

 

Leider habe ich von Scream Silence nicht wirklich viel mitbekommen, da zeitgleich ein Interview mit ASP stattfand. Doch die Songs, die ich zu hören bekam, wussten zu gefallen, auch wenn der dargebotene Gothic Rock wenig Überraschendes zu bieten hatte. Die übliche Mischung aus emotional düsterem Gesang, Rockeinschlag und bittersüßen Keyboardmelodien eben. Sänger Hardy Fieting versprach gleich zu Beginn ein eher rockendes Set, da er der Meinung war, dass bei dem schönen Wetter wohl eh niemand kuscheln will und das doch feiern angesagt sein solle. Ich entschuldige mich hiermit nochmals, dass ich leider nicht mehr zum Auftritt von Scream Silence sagen kann, laut Augenzeugen kam die Show wohl doch recht gut beim Publikum an und die klatschenden Fans waren auch im Backstagebereich deutlich zu vernehmen.

 

Xandria:

 

 

 

 

Die gute Stimmung bei den Besuchern sollte auch bei Xandria nicht abreißen, obwohl aufgrund der eindeutigen “T-Shirt-Überlegenheit” klar war, dass ungefähr 90% Prozent der Anwesenden immer mehr den Auftritten von Subway To Sally und ASP entgegenfieberten. Xandria polarisierten und so verschwand ein Teil des Publikums um sich zur frühen Abendzeit zu stärken, während der andere Teil gebannt den Songs der Band lauschte und sich dafür auch kräftig bedankte. Ich sah mir das Treiben auf der Bühne etwas aus der Distanz an, denn auf Platte gefällt mir der kitschige Bombast-Gothic-Metal der Bielefelder so gar nicht und meine Erwartungen an die kommenden 55 Minuten waren nicht gerade groß. Man muss Xandria allerdings zugestehen, dass sie sich live sehr ins Zeug legten und alles für ihre Fans gaben, was leider auch ein paar höchst übermotiviert wirkende Ansagen von Frontfrau Lisa Middelhauve zur Folge hatte. Ständig versuchte Lisa mit dem Publikum zu kommunizieren und eine Ansage blieb mir sehr im Gedächtnis: „Ihr mögt es wohl etwas härter.“ Damit sprach sie sicherlich einigen aus der Seele, denn genau dann, wenn die Band live den Kitsch zurückfuhr, dafür aber mehr ins musikalische Gaspedal trat, konnten sie durchaus überzeugen. Genial sind auch die tiefen Growls von Lisa, die hier locker mit einer Angela Gossow (Arch Enemy) mithalten kann. Dies sollte die Band vielleicht weiterhin ausbauen, anstatt an manchen ausgelutschten Melodien festzuhalten. Natürlich durfte gegen Ende des Auftritts ihr wohl größter Hit “Ravenheart” nicht fehlen, der sogar extrem enthusiastisch aufgenommen wurde. Insgesamt war der Auftritt dann doch besser als zunächst erwartet bzw. befürchtet.

 

ASP:

 

 

 

Nach einem atmosphärischen Intro war es dann auch so weit und der Meister selbst, auf den alle sehnsüchtig gewartet hatten, betrat die Bühne. Zunächst tat er dies ohne seine musikalischen Mitstreiter, lediglich von Flammen im Hintergrund begleitet. Er stimmte die ersten Zeilen von “Beschwörung” an, welche live eigentlich der perfekte Einstieg in die Welt von ASP sind. Dieser Einstieg gelang jedoch nicht ganz reibungslos und kaum verließen die ersten Worte die Lippen des Sängers, der optisch wie immer mit extravagant lässiger Kleidung und dem typischen Make-Up daherkam, schon gab das Mikrophon seinen Geist auf. ASP nahm es mit Humor und konnte sich auch ein trotziges Lächeln nicht verkneifen. Wenig später und mit einem neuen Mikrophon in der Hand konnte es mit dem “:Duett” - Klassiker “Besessen” dann auch weitergehen. Schon zu diesem Zeitpunkt hatte die Band, welche nun vollständig versammelt war, die dicht gedrängte Masse für sich gewonnen. ASP gab sich extrem spielfreudig und flitzte zwischen meterhoch schießenden Flammen von der einen Seite zur Anderen oder wälzte sich mit wahnsinnigem Blick über den Boden der Bühne. Nach der Begrüßung gab es dann mit dem obligatorischem “Welcome”, den ersten Höhepunkt des knapp einstündigen Auftritts, welcher von laut mitsingenden, wild tanzenden und euphorisch klatschenden Fans begleitet wurde. Dies honorierte die sympathische Band ihrerseits mit dem spielen ihrer größten Hits, wie z.B. “Und Wir Tanzten”, “Sing Child”, “Schwarzes Blut” oder meinem persönlichem Highlight “Kokon”, die genau den Nerv des Publikums trafen. Wie eigentlich auf jedem anderen Festival, bewiesen ASP auch auf dem Castle Rock, wie eine amtliche und ausgelassene Gothic-Party auszusehen hat. Nach der ersten Zugabe “Werben” beendeten ASP ihren Auftritt mit ihrem lauthals geforderten und bekanntesten Song “Ich Will Brennen”, bei welchem man stilecht einen brennenden Stuntman über die Bühne laufen sah. Der laute Jubel mit welchem die Band von der Bühne gelassen wurde, zeigte noch mal deutlich welches “Standing” die Band mittlerweile in der Gothic-Szene genießt. Aufgrund solch genialer Konzerte auch völlig zu Recht. Ein sehr interessantes Interview mit ASP, welches vor dem Auftritt der Band geführt wurde, gibt es hier zu lesen: ASP - Interview(klick!)

 

Setlist ASP:

 

1. Intro

2. Beschwörung

3. Besessen

4. Welcome

5. Sing Child

6. Lykanthropie

7. Demon Love

8. Hunger

9. Kokon

10. Und Wir Tanzten

11. Tiefenrausch

12. She Wore Shadows

13. Schwarzer Schmetterling

14. Schwarzes Blut

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15. Werben

16. Ich Will Brennen

 

 

Subway To Sally:

 

 

 

Es hatte den Anschein als hätten Subway To Sally, nach ihrer ausgedehnten Akustiktour “Nackt”, wieder richtig Lust zu rocken und selten habe ich Subway To Sally so metallastig erlebt wie an diesem Tag (vielleicht war der Sound sogar noch ein wenig härter als auf ihrer “Engelskrieger” - Tour). Die Performance der Berliner war jedenfalls wie gewohnt super und da kann man es auch verschmerzen, dass ein paar Dezibel weniger, vor allem in der Bass-Region, vielleicht auch ihren Zweck erfüllt hätten. Somit gingen leider manche Geigentöne oder rein akustische Passagen etwas unter. Mehr gab es allerdings auch nicht zu bemängeln. Sowohl von der Songauswahl, als auch von der Optik der Band erinnerte vieles an die Shows zur Veröffentlichungen des letzten Albums “Nord Nord Ost” und so begrüßte die Band ihre Fans zunächst mit dem Eröffnungsblock, bestehend aus “Sarabande De Noir”, “Schneekönigin” und “Feuerland”, inklusive der optischen Untermalung mit allerhand Kunstschnee und krachenden Explosionen. Zunächst tat sich im Publikum noch nicht all zu viel und es wirkte so, als wollten die Fans die ersten Songs eher ruhig genießen. Doch als Sänger Eric Fish den “Engelskrieger” - Knaller “Knochenschiff” angekündigte, war auch das letzte Eis gebrochen und der Auftritt der Band mutierte zu einem wahren Triumphzug, bei dem besonders Erics und Bodenskis Entertainerqualitäten hervorzuheben sind, die sich sehr ins Zeug legten, um eine Verbindung zum Publikum herzustellen. Dies gelang ihnen vortrefflich und die Fans wurden wirklich zu Höchstleistungen animiert. Die großen Hits der jüngeren Bandgeschichte, wie “Kleid Aus Rosen” (bei dem zu hoffen ist, dass die Band demnächst das grandiose Intro wieder vom Band laufen lässt), “Eisblumen”, “Ohne Liebe”, “Sieben“, “Die Schlacht” oder “Unsterblich”, hatten dabei natürlich auch ihren Anteil. Das gefeierte “Minne” erstrahlte dann sogar in einem neuen Gewand, mit selten gespielter dritter Strophe und untermalte den Song passend mit bengalischem Feuer, wobei Pyro - und Lichtshow generell genial angelegt waren. Nach dem allseits umjubelten “Veitstanz”, war es dann auch endlich soweit und mit “Julia & Die Räuber” gab es dann auch den wohl populärsten modernen Mittelaltersong überhaupt bzw. hauptsächlich die extrem laut mitsingenden Fans zu hören. Eric versprach, dass die Band noch einmal auf die Bühne zurückkommen werde, falls “Julia & Die Räuber” noch sieben Mal vom Publikum gesungen werden würde. So kam es schließlich auch und mit “Seemannslied” und wieder umherwehenden Schneeflocken, verabschiedeten Subway To Sally ihre gut gelaunten Fans in die langsam einfallende Nacht, die für viele allerdings noch lange nicht enden sollte. Angesichts einer solchen Ausnahmeleistung, ist es für mich völlig unverständlich, warum die Band nicht auf jedem Szene-Festival, auf dem sie dieses Jahr auftreten werden, absoluten Headliner-Status genießt. Die Popularität und Qualität dafür haben sie doch schon lange.

 

Setlist Subway To Sally:

 

1. Sarabande de Noir

2. Schneekönigin

3. Feuerland

4. Knochenschiff

5. Kleid Aus Rosen

6. Die Schlacht

7. Unsterblich

8. Eisblumen

9. Minne

10. Henkersbraut

11. Falscher Heiland

12. Sag Dem Teufel

13. Das Rätsel II

14. Sieben

15. Ohne Liebe

16. Veitstanz

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17. Julia & Die Räuber

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18. Seemannslied

 

Nach dem furiosen Auftritt von Subway To Sally, hatten die Besucher des Festivals noch die Möglichkeit, für extrem günstige 3€, bei einer Party im Hotel Handelshof, diesen wundervollen Festivaltag amtlich ausklingen zulassen.

 

Insgesamt bleibt zu sagen, dass das 7. Castle Rock Open-Air wiedereinmal ein voller Erfolg war und hierfür möchte ich mich bei allen Veranstaltern und Organisatoren herzlich bedanken. Allen, die diesen Bericht nun lesen und denken, dass sie doch gerne einmal bei diesem außergewöhnlichen Festival dabei sein wollen, sei gesagt, dass sie sich, sobald der Vorverkauf für das nächste Jahr startet, unbedingt ihre Tickets sichern sollten, denn die glücklichen Mienen in den Gesichtern aller Besucher, weisen klar darauf hin, dass es sehr schnell wieder heißen wird: Das 8. Castle Rock Open-Air ist ausverkauft!

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