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Castle Rock 2011

Die Burg rockte zum zwölften Mal

Endlich ist es soweit, die Burg hat ihr düsteres Gewand umgehängt und erwartet die Düsterrocker aus ganz Deutschland. Schon einige Tage vorher gab es die Meldung: Der Samstag des zwölften Castle Rock ist ausverkauft. Schön für die Veranstalter, dumm für all diejenigen, die dachten, sie könnten das Ticket am Tag des Geschehens kaufen. Aber auch die sind ja lernfähig und werden sicher im nächsten Jahr schneller beim Ticketkauf sein.

Aber das Programm, welches in den nächsten beiden Tagen im Burghof laufen soll, kann sich auch echt sehen lassen und selbst, als so ein Hochkaräter wie Zeromancer wegen Erkrankung absagen müssen, ist schnell ebenso hochkarätiger Ersatz gefunden. Die Düsterrocker aus Stuttgart End Of Green, denen ihrerseits das Steiner Burgfestival weggebrochen ist, haben ihr Erscheinen angekündigt. So findet sich eben, was zusammen gehört.

Schon weit vor 17 Uhr, dem offiziellen Einlass, finden sich die ersten Trauben dunkel gekleideten Menschen ein. Die hoffentlich letzten Regenwolken geben ihr Bestes, um zu vergraulen, wer sich maximal unterstellt, aber niemals seinen Platz vor der Tür räumt. Die, die nun so zeitig gekommen sind, werden nun vom Soundcheck und vom Warmsingen der Band Leichenwetter auf das Kommende eingestimmt und schon öffnen sich die Tore der Burg, die Festivalbändchen werden umgeschnürt, mitgebrachte Flaschen als Zoll abgeben und schon strömen die ersten zu Bratwurst, Bier und Met. Nun gibt es noch einmal kräftigst Nass von oben, das aber soll es tatsächlich für die zwei Tage auch gewesen sein. Gott ist also doch kein Popstar, sondern ein Gothic, aber dazu später mehr.

Leichenwetter

Die Technik steht und es geht pünktlichst los mit der Band aus Iserlohn, mit Leichenwetter. Sie sind der Opener des heutigen Abends, sowie der Opener des gesamten zwölften Castle Rocks. Da darf es einem schon ein wenig mulmig sein. Aber davon ist Numen und seinen Kollegen mal so gar nichts anzumerken, Von den ersten Takten des Songs "Letzte Worte“ gehen Leichenwetter ab, als müssten sie das gesamte Ruhrgebiet anzünden und nicht nur die Festivalbesucher im Burghof. Dafür aber würde es reichen. Die Iserlohner entführen die Besucher des Castle Rock in die alte Welt, die Welt der Dichter und Denker. Die Welt, die uns zur Schulzeit oft zu langweilig vorkam. Jetzt, mit einem kräftigen Sound, krassen Riffs im Hintergrund und einer wahnsinnig intensiven Stimme, wird jeder Deutsch-Muffel bekehrt. Woanders als hier in der Idylle des erhaltenen Schloss Broichs könnten diese Songs mehr zünden. Die Gedichte von Hesse, Bürger oder Droste-Hülshoff werden auf eine Art transportiert, dass ein großer Teil der gekommenen düsteren Gesellen Gänsehaut bekommen. Der Sänger Numen verspricht auch nach dem Auftritt am Merchstand anwesend zu sein. DHL habe ihnen aber verweigert, die neuen T-Shirt und Hoodies mitzubringen. Es folgen „Im Nebel“ und „Romanze Zur Nacht“.

Mittlerweile lässt sich die Sonne blicken, denn das gerade vorkommende Wetterphänomen Leichenwetter kennt sie noch nicht und sie ist derart begeistert, dass sie bleibt und dieses in ihr Inventar aufnimmt. Aber nicht nur die Sonne überzeugt die Iserlohner Band heute, denn die Menge hat sich nicht etwa vor den Bierständen aufgereiht, wie es bei manchen Opener eines Festivals passiert, sondern steht vor der Bühne und feiert die Band. Dann aber wird bekundet, dass jemand an der Uhr gedreht hat und der letzte Song wird angekündigt. Nun aber macht Davids Gitarre was sie will und lässt sich vorerst nicht bezwingen. Ein Umstand, den andere Bands in Schwierigkeiten bringt, da würden peinliche Pausen entstehen oder schlimmer auf den letzten Song verzichtet. Nicht aber bei Leichenwetter: Numen kündigt kurzerhand an, den Refrain eines Songs, den sie aufgrund Zeitmangels nicht mehr spielen können, a capella zu singen. Und hier kann sich dann nun jeder von der großartigen Stimme Numens überzeugen und alle die, die vorher noch keine Gänsehaut hatten, haben diese nun. Als dann der letzte Song kurzerhand, aufgrund der noch immer zickigen (weiblichen?) Gitarre, umgestellt wird, erklingt noch Falkos „Out Of The Dark“ und dann verschwinden Leichenwetter noch im Hellen von der Bühne. So muss ein Festival begonnen werden, so muss die Meute angezündet werden, dann ist das Maßband für alles Kommende sehr hoch gelegt.

Setlist:

Letzte Worte
O Schweig
Schwanenlied
Letzte Worte
Im Nebel
Romanze Zur Nacht
Chor Der Toten
Out Of The Dark

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