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Burgfolk Festival 2006

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Eigentlich scheint es, als läge das Burgfolk Festival 2005 noch gar nicht lange zurück. Dass sich die Bandauswahl des letzten Jahres so stark ins Gehirn brannte, ist eher unwahrscheinlich. Denn die Bands überzeugten zwar allesamt, aber warum sollten sie sich gegen all die anderen Festivals, Mittelalter- und Folk-Veranstaltungen durchsetzen? Es muss etwas anderes gewesen sein. Die Stimmung? Die Fans? Die Atmosphäre? Bingo! Schon letztes Jahr schien diese bei den Klängen der Headliner Corvus Corax, aber auch bei den anderen (Vor-)Bands, eine besondere gewesen zu sein. Eine genauere Erörterung könnte die Umgebung, das Schloss Broich, als Ergebnis haben. Doch da ist noch etwas anderes. Was genau es ist, bleibt – zumindest für mich – im Ungewissen. Was jedoch klar ist, ist, dass das Burgfolk Festival letztes - sowie dieses – Jahr eine ganz besondere Atmosphäre bot, mit der nicht viele Festivals mithalten können.

 

 

 

Nach dem Einlass gehen pünktlich um 13:00 Uhr die Scheinwerfer für Lyriel an. Von den Lichtern bekommt man aber natürlich noch nichts mit, schließlich ist das Wetter bei mittleren Temperaturen noch gut. Die Band, die den schweren Posten als Opener einnimmt, lockt immerhin schon mehrere Reihen von Menschen vor die Bühne und präsentiert die Show recht professionell. Man ist sich zwar nicht sicher, wann das neue Album „Autumntales“ genau erscheint, spielt aber dennoch zum Gefallen der Fans einige neue Songs davon. Cello, Geige und Keyboard sind wichtige Elemente des Sounds von Lyriel, die Atmosphäre schaffen, die Musik aber auch enorm abdämpfen. Gotisches, meist aber fröhliches Material vom ersten Album „Prisonworld“ wird zu Hauf gespielt, scheint aber nicht alle Besucher zu überzeugen. Wie auch beim Großteil der anderen Bands ist tanzen, statt bangen angesagt. Wir befinden uns schließlich auf einem Festival, das zum größten Teil die Mittelalter- und Gothic-Szene anspricht.

 

 

 

Dass aber auch diese feiern können, beweist nicht zuletzt der Auftritt der nachfolgenden Band Claymore. Zwar haben ein paar Leute, die eben noch vor der Bühne zu sehen gewesen sind, den Celtic Rockern den Rücken zugewandt, aber die noch Anwesenden geben ihr bestes. Die Band, die denselben Namen trägt wie das schottische Zweihandschwert der Highlander, gibt Rock-Musik, kombiniert mit Dudelsack, Small Pipe, Tin Whistle und Side Drum zum Besten. Claymore durften bereits 2002 neben Bands wie Schandmaul und Corvus Corax auf dem Burgfolk Festival auftreten und wissen auch heute mit einigen kraftvollen Rocknummern, aber auch einigen Traditionals zu überzeugen. Songs wie „Highlander“, „Braveheart“ oder das etwas bekanntere Stück „Haughs Of Cromdale“ wissen die Anwesenden zu überzeugen.

 

 

 

Schon bei der nächsten Band, Omnia, zeichnen sich Verzögerungen ab. Der Soundcheck dauert lange und Frontmann Sic versucht immer wieder, mit Witzeleien die Zuhörerschaft bei Laune zu halten. Das gelingt auch, aber dennoch sind so ziemlich alle froh, als das Didgeridoo das erste Mal aufbrummt und den eigentlichen Auftritt der holländischen Band einläutet. Seichte Klänge, rein akustisch, zeichnen die Musik der Band aus. Diese bedient sich einer Vielfalt an exotischen Instrumenten und sieht sich einem eigentlich etwas härter eingestellten Publikum gegenübergestellt. Nichtsdestotrotz läuft der Auftritt bis auf ein paar Nebensächlichkeiten („Shit! I think now my microphone really fucked up!“) klanglich rund ab und Sic hält in nahezu perfektem Deutsch seine zahlreichen Ansprachen. Seltsam, dass sich dann doch über die Hälfte der Zuschauer für Englisch entscheidet, als die Frage kommt, welche Sprache ihnen lieber sei. Die letzten Ansprachen werden also auf beiden Sprachen gehalten. Einige Besucher hätten sich wohl gewünscht, dass etwas mehr Musik gespielt und dafür weniger geredet würde.

 

 

 

Als der Auftritt dann zu Ende ist, machen sich die Finnen von Korpiklaani ans Werk. Inzwischen mit 20minütiger Verspätung betreten sie die Bühne und rocken sofort los. Für einige ist die Musik wohl zu hart, denn die Besucherschar vor der Bühne ist plötzlich langhaariger geworden, während sich viele Omnia-Fans weiter nach hinten an die Bier- oder Pommes-Stände stellen. Korpiklaani geben Gas, stehen keine Sekunde still und verwandeln die ersten Reihen zu einem zaghaften Moshpit. Wie gesagt: Bangen ist woanders angesagt. Folk Metal vom Feinsten wird hier geboten. Mit Geige, Akkordeon und mit einem grandiosen und dauergrinsenden Frontmann wird der beste Auftritt des bisherigen Festivaltages hingelegt. Mit Songs wie z.B. „Happy Little Boozer“ (vom neuen Album „Tales Along The Road“) oder „Journey Man“ (von „Voice of Wilderness”) heizt die Band den Fans ordentlich ein. Das ist auch nötig, denn das gute Wetter hat sich verabschiedet, um einem länger anhaltenden ordentlichen Regenschauer Platz zu machen, der jedoch die Stimmung nicht sonderlich beeinträchtigt. „Beer, Beer“ darf natürlich nicht fehlen und am Schluss des Auftritts fragt man sich, wer diesen eigentlich noch zu toppen vermag.

 

 

 

Als nächstes sind Schelmish an der Reihe. Da man sich dieses Mal nicht für einen Headliner entscheiden konnte, legte man im Vorfeld fest, den letzten drei Bands einfach die gleiche Spielzeit von 75 Minuten einzuräumen. Schade, dass die Zeit auf der Bühne von z.B. Korpiklaani dadurch nur 45 Minuten betragen konnte. Schelmish präsentieren auf der Bühne ihr aktuelles Rockprogramm. Die Jungs erzählen viele Geschichten und spielen größtenteils ihr aktuelles Album „Mente Capti“. Außerdem gibt es einige Stücke von ihrem akustischen Marktprogramm in neuem musikalischem Gewand zu hören. Eine Idee, der auch Saltatio Mortis in Zukunft öfter nachgehen werden. Die Zugabe wird in Form von „Ring of Fire“ gegeben und beendet einen typischen Schelmish-Auftritt.

 

Nachdem Veranstalter Michael Bohnes und Bürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld in der Umbaupause das weitere Bestehen des Burgfolk Festivals bestätigt haben und sich öffentlich über die Besuchermengen freuen, steht dann die Oysterband auf der Bühne. Relativ gelassen ziehen die Briten ihr Programm durch und sprechen besonders die älteren Fans an, die ihren Weg nun auch nach vorne finden und lautstark die Texte mitgröhlen. Celtic Rock der ruhigeren Art präsentieren die Bandmitglieder, die vor nicht allzu langer Zeit ihren 25. Geburtstag feierten und anlässlich dessen auch eine DVD unters Volk brachten. Geige, Cello und Akkordeon sind nur einige Instrumente, die kombiniert mit der unvergleichlichen Stimme von John Jones, eine ganz besondere Atmosphäre schaffen. Höhepunkte im Set sind ganz klar die Songs „20th of April“ und „By Northern Light“, die direkt hintereinander gespielt werden, aber natürlich wird auch „Everywhere I go“ grandios gefeiert. Ein zwar unspektakulärer, aber wirklich starker Auftritt der britischen Celtic Rocker.

 

 

 

Man nähert sich der letzten Band und die Verzögerungen sind nun noch länger geworden. Relativ gelassen scheint der Umbau vorgenommen zu werden. Zum Ärger der Fans. Denn das frühe Ende (um 22 Uhr sollten die Lichter eigentlich ausgehen) und die zentrale Lage der Location hatten sich eine Menge Leute zum Anlass genommen, das Auto zu Hause stehen zu lassen, um etwas trinken zu können und trotzdem gut nach Hause zu kommen. Doch Saltatio Mortis beginnen ihren Auftritt erst um halb 10, statt – wie angekündigt – um 20:45 Uhr. Die Stimmung ist dementsprechend teils etwas getrübt und nicht wenige sieht man mit dem einen Auge zur Bühne, mit dem anderen Auge auf die Armbanduhr schielend. Aber dafür können Saltatio Mortis nichts und legen einen sehr, sehr professionellen Auftritt hin. Man spielt vorrangig Songs des aktuellen Albums „Des Königs Henker“. Pyros knallen, die Stimmung ist düster. Ältere Songs werden in ungewohnter musikalischer Umsetzung präsentiert: So wird z.B. bei „Falsche Freunde“ komplett auf die elektronischen Elemente verzichtet. Stattdessen präsentieren Saltatio Mortis viel rockigere Versionen, die wohl auch die Richtung angeben, in die sich der Klang der Jungs in Zukunft bewegen wird. Höhepunkt des Auftritts ist das Palästinalied, bei dem man noch tatkräftige Unterstützung von Schelmish an den Dudelsäcken bekommt. Korpiklaani finden ihren Weg ebenfalls auf die Bühne und singen kräftig mit.

 

 

 

Sieht man über die Verspätungen und die Tatsache, dass so der ein oder andere nicht einmal die Hälfte von der Band, für die er gekommen war, mitbekam, hinweg, kann man durchaus auf ein angenehmes Festival mit guter, abwechslungsreicher Bandauswahl und fairen Essens- und Getränke-Preisen zurückblicken.

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