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Blues Pills, The Vintage Caravan, The Arkanes im Konzert (Hamburg, Oktober 2014)

Heißer Kandidat für das Konzert des Jahres

Blues Pills

Das gilt selbstredend auch für den Headliner, der allerdings jetzt schon für sensationelle Verkaufszahlen sorgt (unter anderem waren sie die erste Newcomerband in der Geschichte von Nuclear Blast, die es mit ihrem Debütalbum auf Anhieb in die deutschen Charts schaffte) und konzerttechnisch absahnt, wo er auftaucht. Kein Wunder, die Blues Pills bestechen durch Leidenschaft, Emotionen, Authentizität und ein sagenhaft tightes Zusammenspiel.

Inzwischen droht der Laden tatsächlich aus allen Nähten zu platzen. Klar, bei so vielen Leuten kann es nerven, wenn man an einer strategisch ungünstigen Stelle steht und sich ständig Menschen an einem vorbeidrängeln, die Bier holen wollen oder dem Ruf der Natur nachkommen müssen, während man sich auf die Mucke konzentrieren will, aber für die Atmosphäre ist es natürlich schöner, wenn der Schuppen gerappelt voll ist. So lässt sich auch der Verfasser – ohnehin schon begeistert von der Combo – nur zu gerne zu Höchstleistungen in Sachen Headbangen, Tanzen, Grölen, Mitsingen und Luftgitarrespielen hinreißen. Man kann auch gar nicht anders, denn was die Blues Pills heute Abend bieten, ist schlichtweg sensationell und bereitet beim bloßen Zurückdenken daran schon wieder eine Gänsehaut.

Ein Bombensound, eine unfassbar präzise Rhythmusgruppe und dann natürlich dieser Gesang und diese Gitarre. Elin Larssons Powerstimme ist bei ihrer zierlichen Erscheinung nach wie vor geradezu unerklärlich und Verschleißerscheinungen sind während des gut 80-minütigen Gigs nicht einmal ansatzweise zu bemerken. Am meisten beeindruckt mal wieder ihre A-capella-Einleitung zu „Devil Man“, das den wohl größten Ohrwurm der Band bildet und dementsprechend mit jeder Menge Fäusten, Pommesgabeln und wippenden Köpfen gewürdigt wird. Darüber hinaus bezaubert Elin mit ihrem natürlichen, liebenswerten Charme, sodass man selbst solche eher standardmäßigen Ansagen der Marke „Backstage we heard that Hamburg is the coolest city in Europe“ mit einem geschmeichelten Lächeln entgegennimmt als zu denken „Jaja, so was in der Art sagen doch alle, um beim Publikum zu punkten“.

Sich mit Plattitüden die Gunst der Fans zu erkaufen, hätte die schwedisch-französisch-amerikanische Formation ohnehin nicht nötig, zu überzeugend sind Songs und Performance. Allein das Spiel von Gitarrist Dorian Sorriaux ist nicht von dieser Welt. Der Knabe ist nicht einmal 20 Jahre alt und spielt mit einem Feeling und einer Authentizität, als hätte er bei Hendrix, Blackmore und Page persönlich Unterricht gehabt. Es ist ein einziger Genuss, den Klängen, die er seinem Instrument entlockt, zu lauschen, gleichzeitig denkt man aber auch frustriert, dass man nie wieder in seinem Leben eine Gitarre anfassen will. Der junge Mann dürfte in diesem Bereich tatsächlich eines der größten Talente überhaupt sein.

Fast das komplette Debütalbum wird gespielt, nur dass sie statt des „Gypsy“-Covers von Chubby Checker „Elements And Things“ von Tony Joe White und außerdem „Bliss“ anstelle von „Jupiter“ darbieten, wobei „Bliss“ ja quasi die Urversion jener Komposition darstellt. Hinzu kommen „Dig In“ (mit dem angedeuteten „Whole Lotta Love“-Gedächtnisriff) und „Time Is Now“ von früheren EPs. Das Siebziger-Jahre-Feeling blitzt vor allem dann auf, wenn die Band die Stücke ausdehnt und mit Jam-Parts versieht. Damals waren Songlängen teilweise bis zu einer halben Stunde bei Bands wie Deep Purple und Led Zeppelin schließlich keine Seltenheit und auch wenn es heute nicht ganz so redundant zugeht (heutzutage ist ja auch nicht mehr jeder zweite Konzertbesucher auf Acid), sind diese kleinen Boni das Salz in der Suppe, bei denen sich besonders Dorian erneut so richtig hervortun kann. Wahnsinn, wie locker die Übergänge funktionieren, wie leicht, gefühlvoll und regelrecht schwebend die Performance wirkt. Der eine oder andere mag bemängeln, dass sich die Band etwas mehr bewegen könnte, aber das ist Meckern auf ganz, ganz hohem Niveau, denn für den Rausch sorgt schon die Musik und das Konzerterlebnis selbst, da ist Herumgehampel seitens der Protagonisten gar nicht vonnöten, um von alleine durchzudrehen.

„Little Sun“ wird von Elin als letzter Song angekündigt, aber jeder weiß natürlich, dass er das nicht sein wird. „Maybe“, revidiert sie dann auch lächelnd, als protestierende Stimmen zu vernehmen sind und mit „The River“ und dem grandiosen „Black Smoke“ (inklusive ausgiebigem Intro) werden schließlich noch zwei Zugaben gespielt. Danach ist man noch voller Adrenalin und einfach nur sprachlos ob dem, was man gerade erlebt hat. Ohne Zweifel war dies das Konzert des Jahres. Wahrscheinlich besser als Sex auf Koks.

Setlist:

High Class Woman
Ain’t No Change
Dig In
No Hope Left For Me
The Time Is Now
Astralplane
Bliss
Elements And Things
Devil Man
Little Sun
-------------------------
The River
Black Smoke

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