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Blood Ceremony im Konzert (Hamburg, Mai 2014)

Black Sabbath und Jethro Tull zusammen für 18 Euro

Sagenhaft tight: Blood Ceremony

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Über Blood Ceremony heißt es immer wieder, dass man gerade diese Band unbedingt live erleben müsste, schon allein wegen Alia O’Briens unvergleichlichem Charisma. Endlich ergibt sich nun auch für den Verfasser dieser Zeilen die Möglichkeit, diese großartige Combo, die bislang drei vorzügliche Alben veröffentlichte, auf einem Konzert zu erleben. Die hier in Hamburg dafür ausgesuchte Location, das Rockcafé St. Pauli, passt irgendwie ganz gut zu der kanadischen Truppe; ein kleiner, aber sehr gemütlicher und netter Laden mit persönlichem Ambiente – genau wie dann auch die Stimmung beim Gig und das Verhältnis zwischen Band und Publikum sein wird. Trotzdem würde man sich wünschen, dass doch noch ein paar mehr Leute den Weg hierher gefunden hätten. Noch um acht Uhr, als es eigentlich losgehen soll, ist es doch sehr enttäuschend, wie wenig Fans sich bislang eingefunden haben. Allerdings sei hinzugefügt, dass mit Spiders eine weitere Combo (ebenfalls mit weiblichem Gesang) eigentlich als Vorband hätte auftreten sollen, wegen Krankheit muss der Auftritt jedoch bedauerlicherweise abgesagt werden. Sehr schade, wenn man um die Qualitäten auch dieser Gruppe weiß.

Blood Ceremony lassen sich daher noch etwas Zeit, fangen dann aber letztlich um halb neun an und mittlerweile haben sich zum Glück dann doch noch ein paar mehr Nasen eingefunden. Bei allerbestem Sound startet man mit „Witchwood“, dem Opener der aktuellen Platte „The Eldritch Dark“ – einer wahrlich fantastischen Komposition, bei der gleich alle Register gezogen werden. Die gesamte Band besitzt eine sehr sympathische Ausstrahlung, wirkt teilweise fast schüchtern (obwohl man inzwischen ja doch einiges an Erfahrung hat sammeln können), der Mittelpunkt und absoluter Blickfang ist und bleibt jedoch Alia O’Brien. Die Zeremonienmeisterin flötet, orgelt und singt und natürlich hängt ihr das Publikum an den Lippen. Doch so sehr sie bei den Songs auch aus sich herausgeht, wirkt auch sie bei den Ansagen schüchtern, lächelt aber doch gerührt angesichts des Applauses.

Genauso als jemand „The Great God Pan“ verlangt und sie höflich darauf hinweist, dass man dieses Stück diesmal nicht im Programm hätte (schade eigentlich). Überhaupt haben die Kanadier auf der laufenden Tour vom zweiten Album vergleichsweise wenig Material am Start, der Fokus liegt auf dem Debüt und natürlich der aktuellen Platte. Dennoch stellt gerade „Oliver Haddo“ unzweifelhaft einen der Höhepunkte der Show dar, allein der letzte Part versetzt einen in einen regelrechten Rausch. Erwähnenswert auf jeden Fall auch die Performance von „Lord Summerisle“, bei dem Bassist Lucas Gadke den Hauptgesang übernimmt (wie ja auch auf der Platte) und seine Sache ganz hervorragend meistert, auch wenn er bescheiden abwinkt, als Alia ihn vorstellt und seine gesanglichen Fähigkeiten lobt.

Am beeindruckendsten ist aber wohl die Tatsache, wie sagenhaft tight die Band in ihrem Zusammenspiel herüberkommt: Locker-flockiges, aber stets präzises Drumming, kraftvolles Bassspiel und darüber Sean Kennedys Gitarre (der übrigens nicht einmal das Instrument wechselt, im Gegensatz zu so vielen anderen Gitarristen) und Alias Gesang, Flöte und Orgel – alles stets akkurat und perfekt verzahnt. Hier kann wieder „Oliver Haddo“ als Beispiel herhalten; das Anfangsriff wird tempomäßig stark variiert im Vergleich zur Studioversion, aber es sind nie auch nur ein wackliger Einsatz oder ähnliche Unsicherheiten zu vernehmen.

Mit einem Medley wird die Show zunächst beendet, etwas, das man so noch nicht getan hätte, so Alia. Auf den Anfang von „Master Of Confusion“ folgt ein kurzes Drumsolo, bevor es in den unheimlich mitreißenden Schlussteil von „Daughter Of The Sun“ übergeht, bei dem ein erneuter Rausch garantiert ist. Wie man sich denken kann, wird die Band danach natürlich auf die Bühne zurückgebrüllt und Alia kündigt „Hop Toad“ (Kulttitel!) an, das man auf dieser Tour bislang noch nicht gespielt habe. Zu diesem Zeitpunkt hat sich auch Bassist Lucas endlich seiner Lederjacke entledigt – dass er es darin überhaupt solange ausgehalten hat, grenzt an ein Wunder; so warm wie die Temperaturen ohnehin schon sind, will man gar nicht wissen, wie es erst auf der Bühne sein muss.

Danach ist allerdings endgültig Feierabend, Blood Ceremony gehen auch nicht auf die erneute Forderung von „The Great God Pan“ ein (Alia lässt sich ob der Beharrlichkeit des Kollegen lediglich ein Grinsen entlocken) und machen nach 75 Minuten Schluss. Zwei, drei Songs mehr hätten es – gerade nach dem Ausfall der Vorband – vielleicht sein dürfen und es ist irgendwie komisch, nach dem Konzert rauszugehen und es ist noch hell, aber sei es wie es will: Dass diese Formation zur Speerspitze des okkulten Rock der heutigen Zeit gehört, hat sie sehr eindrucksvoll untermauert.

Setlist:

Witchwood
I'm Coming With You
Return To Forever
Goodbye Gemini
My Demon Brother
The Witch's Dance
Oliver Haddo
Lord Summerisle
The Eldritch Dark
The Magician
Master Of Confusion/ Drum Solo/ Daughter Of The Sun
---------------------------
Hop Toad

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