Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Blind Guardian, Steelwing im Konzert (Hamburg, Oktober 2010)

Blind Guardian sind live nach wie vor eine Macht

Gut gelaunt und gut bei Stimme: Hansi Kürsch

Zum Thema

Blind Guardian

Anschließend ist es nach einer halbstündigen Pause – während der der Song „Black Sabbath“ in einer Endlosschleife vom Band dudelt, und so geil das Lied ist, fragt man sich, warum nicht einfach das ganze Album durchläuft – dann auch bereits Zeit für den Headliner, da man in Hamburg zum Glück auf die nervigen Van Canto verzichtet hat – warum auch immer die hier aussetzen. Zunächst ist das Orchesterintro zu „Sacred Worlds“ aus der Konserve zu hören – es wäre auch ein bisschen viel verlangt gewesen, ein ganzes Orchester mit auf Tour zu nehmen –, wobei noch ein Vorhang das Geschehen auf der Bühne verhüllt. Dieser fällt, als die Band selbst loslegt und großer Jubel brandet auf.

Dass Blind Guardian mit dem Opener ihrer aktuellen Scheibe anfangen würden, war natürlich naheliegend und obwohl das Material gerade auf „At The Edge Of Time“ sehr komplex ausgefallen ist, gelingt es der Combo, besonders natürlich in Form von Keyboarder Michael Schüren, sehr gut, den Song auch live umzusetzen. Allerdings sind die Jungs ja auch keine Anfänger und wissen selbstredend, wie sie so etwas am besten angehen. Der Sound ist für Sporthallen-Verhältnisse geradezu brillant und kristallklar, wenn eben auch sehr nachhallend, aber das liegt nun einmal an der Akustik des Bauwerks und lässt sich nicht ändern. Hansi – an dessen kurze Haare man sich nach so langer Zeit mit Matte immer noch ein bisschen gewöhnen muss; er sieht plötzlich so, sagen wir, brav aus – ist bestens bei Stimme (seine sporadischen Schreie sind geradezu unglaublich und haben im Zusammenhang mit dem Halleffekt eine noch größere Wirkung) und jederzeit zu Späßen aufgelegt. Anfangs pusht er das Publikum noch in Standard-mäßiger Manier mit dem typischen „das war schon gut, geht aber noch lauter!“, wie beim zweiten Song im Set, „Welcome To Dying“, um dann später auf die lokalen Verhältnisse einzugehen.

So sagt er bei „Time Stands Still (At The Iron Hill)“, man müsse sich die Lyrics zu diesem Stück, in der sich der Protagonist mit einem scheinbar übermächtigen Gegner konfrontiert sieht, würde man sie in die Realität übertragen, so vorstellen, als wenn der HSV gegen St. Pauli spielte – wofür der Sänger einige scherzhaft gemeinte Buh-Rufe einstecken muss. Offenbar sind doch mehr Pauli- als HSV-Anhänger unter den Hamburger Blind Guardian-Supportern.

Dass die Krefelder eine Hymne wie „Nightfall“ bereits an dritter Stelle performen, verdeutlicht einmal mehr, wie unfassbar viele Hits diese Band hat. Und somit kann man trotz immerhin 16 gespielter Songs nicht jeden zufrieden stellen, wobei man vielleicht nicht unbedingt „Fly“ hätte spielen müssen, da es doch stärkeres Material auf „A Twist In The Myth“ gibt. Dafür kommt spätestens ab der Mitte des Konzerts so richtig Gänsehautatmosphäre auf, als Guardian „Valhalla“ auspacken, das Stück mit dem wohl besten Mitsing-Chorus. Bei den ganzen Wahnsinns-Refrains, die die Band hat, sollte man zwar eigentlich keinen herauspicken, aber wenn man sich anhört, wie das Publikum auch nach Ende des Tracks noch minutenlang diesen Chorus schmettert (und das ist bei diesem Song nicht das erste Mal, wie man zum Beispiel bei der DVD vom BG-Festival beobachten beziehungsweise hören kann), darf man vielleicht doch so weit gehen, das zu behaupten.

Auch Hansi zeigt sich beeindruckt von der Kulisse und bezeichnet die Zuschauer als „phänomenal“; bodenständig wie er ist, ist es auch für diesen erfahrenen Mann eben immer wieder etwas Besonderes, die Leidenschaft und Hingabe seiner Fans zu sehen – Blind Guardian-Anhänger gelten im Metalbereich nicht umsonst als mit die fanatischsten und treuesten Supporter überhaupt. Und bei dem wunderschönen „Lord Of The Rings“, dem wahrlich eine Wanderlied-Atmosphäre anhaftet und das sich im Abspann von Peter Jacksons Epos mindestens so gut gemacht hätte wie Annie Lennox’ „Into The West“, läuft mir ein Schauer nach dem anderen über dem Rücken - einfach beispiellos, was hier abgeht! Sehr stilvoll werden bei dieser von Marcus Siepen und Hansi Kürsch komponierten Nummer (eine seltene Kombination, sonst ist es bekanntermaßen fast immer das Gespann Kürsch/Olbrich, das für das Songwriting zuständig ist) außerdem mehrere Feuer entfacht - ein sehr anheimelndes optisches Gimmick, passend zur erwähnten Wander-Atmosphäre.

Im Prinzip aber sind im gesamten Set nur Highlights zu finden, ob es nun neue Stücke wie „Tanelorn (Into The Void)“ oder „A Voice In The Dark“ sind (die beiden härtesten Songs des neuesten Meisterwerks), oder Klassiker wie „Traveller In Time“, „Valhalla“ oder das selbstverständlich unverzichtbare „Mirror Mirror“, mit dem der reguläre Set nach achtzig Minuten beendet wird. Knapp anderthalb Stunden wären dann aber auch wirklich ein bisschen wenig gewesen und so lassen die Gardinen sich nicht lange bitten und kommen schnell auf die Bretter zurück, um noch vier Zugaben zu geben. Mit „Punishment Divine“ ertönt wenigstens ein Song von „A Night At The Opera“ und bei „The Bard’s Song (In The Forest)“, den Hansi, als sich André und Marcus mit Akustikgitarren bewaffnet auf bereitgestellte Stühle niederlassen, grinsend mit den Worten ankündigt: „Die Herren Gitarristen müssen sich setzen, früher mussten sie das nicht und das Spielen wird auch nicht besser“, ist der nächste große Gänsehautmoment erreicht, da das Publikum traditionell den kompletten Track mit- und zum Teil sogar alleine singt.

Cool ist, dass man dann mit „Wheel Of Time“ noch das Highlight von „At The Edge Of Time“ präsentiert, wenn auch nicht die Wirkung wie auf der CD entsteht, weil das Orchester da einfach noch beeindruckender herüberkommt. Es wäre interessant, falls Blind Guardian das mit dem Festival wiederholen wollen, ob sie nicht vielleicht dort auch live mit einem Orchester kollaborieren könnten. Übrigens sei noch erwähnt, dass es ein absoluter Genuss ist, Drummer Frederik Ehmke zuzusehen, der inzwischen auch schon seit fünf Jahren im Line-up dabei ist und einmal mehr deutlich macht, dass Hansi, André und Marcus keinen besseren Ersatz für Thomen Stauch hätten finden können.

Ohne einen Song von „Imaginations From The Other Side“ will keiner gehen und so spielt die Band als allerletztes schließlich noch den Titeltrack dieser bei vielen als das beste Album geltenden Scheibe. Trotz weiterer „Zugabe“-Rufe soll es das danach allerdings wirklich gewesen sein und unter Verbeugungen verabschieden sich die sechs Musiker nach knapp zwei Stunden.

Wie oben erwähnt, werden nie alle zufrieden sein, dem einen wurde zu wenig von der Platte, dem anderen zu wenig von einer anderen gezockt. Manchmal ist es eben nicht leicht, wenn man so viele Hits im Gepäck hat, aber zweifellos war es ein echt geiles Konzert – diese Band spielt halt keine schlechten Shows. Vielleicht hätte man angesichts von 42 Euro Eintrittspreis noch ein, zwei Stücke mehr spielen können, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Ansonsten kann man höchstens wieder ein wenig über die örtliche Organisation meckern: Warum es in der Sporthalle auch nach Jahren immer noch nicht möglich ist, sich mal einen Stempel – nicht mehr und nicht weniger – zu besorgen, damit die Leute zwischendurch auch raus können, wenn sie wollen, bleibt unverständlich. Genauso wie die Tatsache, dass die Fotografen laut Kollegin Toni, nachdem sie nach drei Songs den Graben verlassen müssen, wegen ihrer Kameras nicht in den Innenraum können. Das ist in meinen Augen reichlich überzogen, schließlich will jeder so einen tollen Gig stressfrei und in seiner gesamten Pracht genießen.  

Setlist:

Sacred Worlds
Welcome To Dying
Nightfall
Fly
Time Stands Still (At The Iron Hill)
Traveller In Time
Tanelorn (Into The Void)
Valhalla
Lord Of The Rings
Turn The Page
A Voice In The Dark
Mirror Mirror
-----------------------------------
Punishment Divine
The Bard’s Song (In The Forest)
Wheel Of Time
Imaginations From The Other Side

Seite
  • 1
  • 2
comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna