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Blackfield, Mati Gavriel im Konzert (Hamburg, April 2011)

Dieser Abend kann nur mit einem Wort beschrieben werden: magisch

Blackfield boten einen magischen Abend

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Blackfield

Nach dieser eher ungewöhnlichen „Vorgruppe“ dauert es dann eine gute halbe Stunde, bis Aviv Geffen (mit einem Jackett bekleidet, das mit roten Lichtern versehen ist; dieses legt er allerdings schnell ab, da dieser Gimmick natürlich nur im Dunkeln wirkt), Steven Wilson und ihre drei Mitmusiker (Tomer Z. an den Drums, Seffy Efrat mit dem Linkshänder-Bass – angeblich in Hamburg geboren, wie später bei der Bandvorstellung angemerkt wird, der Jubel fällt dementsprechend aus – sowie Eran Mitelman an den Tasten) die Bühne betreten. Als Untermalung der Umbauphase läuft ruhige, melancholisch angehauchte Musik, die zwar irgendwo zu dem gerade Dargebotenen von Mati Gavriel und dem Kommenden von Blackfield passt, letztlich aber doch eher unter der Rubrik „Fahrstuhlmusik“ eingeordnet werden muss und nach einiger Zeit ganz schön zu nerven beginnt.

Die lange Wartezeit wird allerdings mit ziemlich exquisitem Sound entlohnt. Anfangs gibt es zwar ein paar leichte Rückkopplungen von Stevens Gitarre, die Drums sind zu laut und es ist nicht alles perfekt ausbalanciert, aber zum Glück wird das Problem schnell gelöst. Wer den Perfektionist Wilson kennt, weiß, dass es bei ihm keine halben Sachen gibt.

Mit „Blood“ hat man einen der härteren Songs als Opener gewählt, der den Leuten wohl gleich einheizen soll. Allerdings bewegt sich im Laufe des Abends kaum jemand großartig, aber das ist nun mal keine Mucke zum Bangen und Abgehen, hier heißt es schlicht zuhören, genießen, träumen, versinken. Die meisten stehen einfach nur da und gucken, und es ist ja auch mal schön, wenn nicht ständig Leute an einem vorbei drängeln, die Bier holen oder pissen gehen wollen – wie oft hat mich (David) das schon genervt! Und dass die Stimmung schlecht wäre, kann man trotzdem keineswegs behaupten. Der Saal ist mittlerweile ordentlich voll – dieser Eindruck wird optisch noch dadurch verstärkt, dass diesmal kein Fotograben vorhanden ist – und zwischen den Tracks applaudieren die Fans begeistert, johlen, schreien und pfeifen. Die Band vollzieht nur sehr wenig Ansagen, sondern spielt ihren Set mehr oder weniger übergangslos durch.

An zweiter Stelle steht der nach der Band selbst betitelte Song (es kann natürlich auch andersherum sein, dass zuerst der Songtitel da war), bevor das Eröffnungsdoppel vom neuen Album, das zuckersüße „Glass House“ und das mitreißende „Go To Hell“ zum Besten gegeben werden. Bei letztgenanntem Stück macht Aviv Geffen auch eine erste Ansage: „I wrote this song for my parents“, so erzählt er. Huch? Das scheint ja kein gutes Verhältnis gewesen zu sein, schließlich besteht der Track nur aus folgenden Worten: „Fuck you all, I don’t care anymore, go to hell“. Schon krass, wie viel hässlicher das F-Wort wirkt, wenn es in Zusammenhang mit schöner und melodischer Musik steht und nicht mit Extrem-Metal-Spielarten à la Death Metal und Grind, die ja eben nicht in dem Sinne „schön“ sind und es auch nicht sein wollen.

Verwirrend wird es danach, als Geffen verkündet, dass der nächste Song wieder im Zusammenhang mit seinen Eltern stehe. „On The Plane“ handle davon, wie er auf seinen Vater wartete und seine Mutter ihm erzählte, dieser sei noch im Flugzeug unterwegs. Irgendwie passt das nicht zur vorigen Ansage, aber egal...

Im Mittelpunkt steht das neue Album „Welcome To My DNA“ und zwar so was von – bis auf „Far Away“ werden alle Songs davon gespielt, natürlich immer wieder unterbrochen von älteren Nummern: „Pain“, „Once“ (hier geht die Crowd etwas mehr aus sich heraus; sogar ein paar Pommesgabeln werden in die Höhe gereckt), „Miss You“ (wunderschön, und ich erwische mich nicht zum ersten Mal heute abend beim begeisterten Mitsingen), „The Hole In Me“ oder „Glow“, das immer wieder ein Highlight darstellt. Hier steht Aviv eindeutig im Mittelpunkt, trägt er dieses todtraurige Lied doch alleine am Keyboard vor – der Song ist damit wohl auch der, der sich live am deutlichsten von der Studioversion unterscheidet. In jedem Fall unglaublich intensiv und berührend.

Aber apropos intensiv: Mit fortschreitender Spieldauer wird die Stimmung und auch das Konzert selbst immer intensiver. „Oxygen“ beispielsweise fühlt sich so losgelöst und schwebend an, dass es kaum zu beschreiben ist – ein Gefühl puren Glücks und purer Freiheit. Der Gedanke, dass es in diesem Moment nichts Schöneres auf der Welt gibt; und bei „Where Is My Love“ wird von einigen teilweise richtig kräftig gebangt, so sehr hat sie die Ekstase erfasst. Mit „Dissolving With The Night“ wird diese grandiose Performance vorerst beschlossen, doch es war klar, dass die Fans das Quintett auf die Bühne zurückbrüllen würden, und ohne „Cloudy Now“ (für alle, die es nicht wissen sollten: eigentlich ein älterer Song Geffens, den man ins Englische übersetzte, dasselbe gilt für „Zigota“ von der neuen Scheibe, wie Steven Wilson bei einer Ansage erklärt) geht wohl kaum ein Blackfield-Konzert zu Ende. Zunächst aber darf der Porcupine-Tree-Mastermind bei „Hello“ noch seine Bottleneck-Künste unter Beweis stellen, und bei „End Of The World“ verschwindet Avivs T-Shirt (auf dem „Fuckup“ steht) endgültig und macht dem blanken Oberkörper Platz. Zunächst hat er es allerdings nur halb über den Kopf gezogen – während des Singens. Möglicherweise eine Geste, die die Ignoranz der Menschheit zeigen soll, die in diesem Stück thematisiert wird.

Am Ende ist es dann tatsächlich „Cloudy Now“, das ein fantastisches Konzert beschließt. Die Leute singen alle „We are a fucked up generation“, wobei der textliche Inhalt streng genommen ja eigentlich viel zu ernst ist für schnödes Mitschmettern. Aber ganz ehrlich: Scheiß drauf, das war so geil heute, Worte können es nicht adäquat wiedergeben. Und das, obgleich solche Perlen wie „This Killer“, „My Gift Of Silence“, „Summer“, „Scars“ und „Open Mind“ fehlten. Trotzdem lassen sich zwanzig Songs und eine anderthalbstündige Spielzeit absolut sehen. Am liebsten morgen gleich noch mal!

Setlist:

Blood
Blackfield
Glass House
Go To Hell
On The Plane
Pain
DNA
Waving
Rising Of The Tide
Glow
Once
The Hole In Me
Miss You
Zigota
Oxygen
Where Is My Love
Dissolving With The Night
----------------------------
Hello
End Of The World
Cloudy Now

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