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Betontod, Zaunpfahl im Konzert (Dresden, März 2015)

Eine schweißtreibende Punk-Nacht

Einen schweißtreibenden Gig reißen Betontod ab

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Betontod

Die kurze Umbaupause zu nutzen, um jetzt noch etwas Luft zu schnappen oder für Getränkenachschub zu sorgen, ist sicher eine einleuchtende Idee, aber nicht wirklich zu empfehlen. Denn innerhalb von Sekunden ist der gute Standplatz weg und man kann nur noch von den hinteren Reihen zu schauen.

Sich jetzt aber in der Hitze des Saals ohne Getränke zu tummeln, könnte gleichzeitig den letzten Tag bedeuten. Und dies ist auch schon das Stichwort für den Auftakt von Betontod. Mit „Mein letzter Tag“ wird begonnen und die Rheinberger hinterlassen auch direkt den Eindruck, als wollten sie auch das Konzert so gestalten, als wäre es ihr letztes. „Flügel aus Stahl“ wird hinterher geschoben und setzt sogar noch einen drauf. Live wird die Metal-Attitüde, die der Titel schon auf dem Pressling mit sich bringt, noch deutlich stärker ausgebaut. Dies ist zugleich auch der ultimative Belastungstest für die sorgfältig gestylten Iro's im Publikum, die sich jetzt beim Headbangen bewähren dürfen. Frontmann Meister kommt nun mit einer Entschuldigung um die Ecke, aber nicht für die eventuell zerstörten Frisuren, sondern für seine Stimme. Aufgrund einer Erkältung sei er nun vom Spatz zur Krähe mutiert und klingt damit etwas krächzend. Verziehen wird ihm sofort, denn kann man denn tatsächlich jemandem böse sein, der den ganzen Tag nur Tee getrunken hat?

Gut an der kurzen Pause ist, dass man sich auch mal etwas dem Bühnenbild widmen kann. Hat man schon beim Licht ordentlich drauf gepackt, kann man dies auch bei der Bühnengestaltung anmerken. Schlagzeuger Maik sitzt gut sichtbar etwas erhöht und vor ihm befindet sich eine Rampe, die durchaus gut zum Tragen kommt. Zum Einen ist man auf ihr auch wieder gut sichtbar und zum Anderen scheint sie den Bewegungsdrang der Musiker noch weiter zu erhöhen. Doch egal wie intensiv jetzt die Bretter bearbeitet werden, im Saal versucht man dies immer noch zu toppen. Zu „Schwarzes Blut“ entbrennt ein wilder Pogo-Kreis, bei dem man sich fragt, wo eigentlich der Platz noch hergenommen wird und wann erstmals die Sanitäter eingreifen müssen. Dies kann man auch für die nächsten Titel so stehen lassen. Bloß zu „In Sekunden“ kommt man gern der Aufforderung von Gitarrist Frank nach, der jetzt den Saal headbangen sehen will. Der findet wiederum das sich bietende Bild so schön, dass er jetzt das Versprechen abgibt, dass Betontod für alle Zeit „Keine Popsongs“ spielen werden. Die Meute freut dies und schiebt den nächsten Pogo zu „Freiheit in Ketten“ voran. Zum Auslüften dürfen bei „Kinder des Zorns“ kräftig die Fäuste den Decke schießen, so weiß man auch endlich, wie der Punk unter den Achseln riecht.

Ohne Ansage und recht plötzlich machen sich im Saal „Nazis raus“-Rufe breit. Dies war sicher nicht so geplant, passt aber hervorragend zu „Dagegen stehn“, bei dem sich Maik jetzt an Akustikgitarre platziert und ebenso gut zu „Geschichte“, welches allen ewig Gestrigen gewidmet ist. An dieser Stelle sei auch ein großes Lob bezüglich der Setlist eingestreut. Nicht nur über die Auswahl der Titel, sondern vor allem wegen der Zusammenstellung. Meist stehen zwei Titel im Block, die gemeinsam eine Geschichte erzählen können.

Durch die Abfolge der Lieder macht aber das Publikum bald einen gehörigen Strich, denn dort werden die Zeilen „wir müssen aufhören weniger zu trinken“ angestimmt. Auf der Bühne wird dies zwar wohlwollend gehört, aber sich dennoch weiter an die eigene Reihenfolge gehalten. Nach „Traum von Freiheit“ ist es aber endlich so weit und das eben schon aufflackernde „Glück auf“ kann nun auch gemeinschaftlich gesungen werden.

Mit „Viva Punk“ scheint man den Alten Schlachthof schließlich komplett abreißen zu wollen. Der hält dem Treiben aber Stand, dafür erklärt Frank Vohwinkel, dass seine Akkus nur noch bei etwa achtzehn Prozent liegen. Und auch, wenn durch die euphorischen Schreie, diese wieder auf fünfzig Prozent aufgetankt werden, gibt es mit „Wind“ den letzten Song zu hören. Was sich anschließt ist ein als spärlich anzusehender Applaus. Dürfte aber Betontod nicht wirklich stören, denn stattdessen geht es direkt in Zugabe-Rufe über. So lässt man sich auch nicht lange bitte und spielt zum Abschluss noch einen Dreierblock, der mit „Ich bereue nichts“ abgeschlossen wird. Zu bereuen gibt es hier tatsächlich nichts, weder bei Zaunpfahl noch bei Betontod, die beide den Schlachthof zum Kochen brachten.

Setlist:

Mein letzter Tag
Flügel aus Stahl
Nichts
Schwarzes Blut
Feuer frei!
7 Schuss
In Sekunden
Alles
Nebel
Keine Popsongs
Freiheit in Ketten
Kinder des Zorns
Dagegen stehen
Geschichte
Ihr könnt mich
Traum von Freiheit
Glück auf
Hömmasammawommanomma
Viva Punk
Wind

Im Himmel
Auf eine gute Zeit
Ich bereue nichts

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