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Betontod im Konzert (Bischofswerda, Oktober 2011)

Tropisches Klima im tiefsten Osten

Hier hätte nicht mal ein Blatt Papier den Weg zum Boden gefunden - restlos ausverkauft.

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Weit im Osten herrscht gewöhnlich ein raues, kaltes Klima. Nun steht der East Club zwar nicht in Sibirien sondern in Bischofswerda. Aber er gilt Gerüchten zu folge, als östlichster noch funktionierender Club der Republik. Und tatsächlich blies an diesem Sonnabend ein kalter Wind über die eiligst und reichlich abgeparkten Bierflaschen. Zeitige Anwesenheit, Geduld und vor allem Kältebeständigkeit waren Pflichtbestandteil, um sich einen Platz im Inneren der Location zu sichern. Betontod war in großen Buchstaben über dem Eingang zu lesen und dieser Name schien zu reichen, um schon lange vor Einlass eine große Traube Menschen herbei zu locken. So war das Zähne klappern auch bitter notwendig, denn wer zu spät kam, den bestrafte das Schild „ausverkauft“.

Ein ganz anderer Wind schlug dann Betontod entgegen. Der Bischofswerdaer Szenetreff wurde von der ersten Band des Abends Saitenfeuer ordentlich vorgeheizt. Die Leipziger bewiesen, dass sie nicht nur jung, dynamisch, Dialekt sprechend und nach eigenen Aussagen unheimlich sexy sind, sondern auch noch anständig Musik machen können. Ihr Deutschrock kam an und im mittlerweile randvollen Club stiegen nun die Temperaturen im Minutentakt. Schweiß und Bier flossen in Strömen und trieben so die Luftfeuchtigkeit ins Maximum.

Als schließlich gegen 21 Uhr Betontod die Bühne enterte, herrschten tropische Temperaturen und die ersten T-Shirts wurden bereits vom Leib gerissen. Das Intro zu „Gloria“ ertönte und als die Band nun mit einstieg, gab es kein Halten mehr. Eine Woge drängte in Richtung Bühne, es wurde gepogt, die ersten Becher voll mit Gerstensaft flogen vor Entzücken in die Höhe und ergossen sich als kühlender Regen über den Köpfen. Dachte man an dieser Stelle noch, die Stimmung lässt sich nicht mehr verbessern, wurde man bei „Kinder des Zorns“ eines Besseren belehrt. Es streckten sich die Fäuste in die Luft, jede Zeile schrie der Pulk lauthals aus sich heraus und die Bühne füllte sich zunehmend mit Zuschauern.

Betontod setzte vorwiegend auf Songs vom Album „Schwarzes Blut“. Dies erwies sich als ausgesprochen gelungener Schachzug. Ob nun bei „Generation X“ oder „Feuer frei“, die Texte schienen Jedem im Saal so aus der Seele zu sprechen und so verinnerlicht, dass an diesem Abend nichts mehr schief gehen konnte. Mit „Glück auf“ war die Party auf ihrem vorläufigen Höhepunkt. Glückselig grölte ein Jeder den Song, die Bierflaschen wurden in die Höhe gehoben, der Band auch ein paar Schluck abgegeben und weniger trinken war eh nicht das Ziel des Abends.

Mit dem knalligen „Gasolin“ und „Keine Popsongs“ schafften es auch zwei Songs vom aktuellen Album ins Programm. Hier bewies sich, dass die CD völlig angekommen war. Gerade bei „Keine Popsongs“ übermannte der starke Eindruck, dass die Zuschauerschaft die letzten 10 Jahre nichts anderes gesungen hat.

Bestens gerüstet ging es nun zu einem Lied, was hier keinesfalls fehlen durfte: „Viva Punk!“. Zwar sehen die Protagonisten des Abends eigentlich nicht wirklich so aus, aber glaubhaft wirken sie dennoch. Hier am, von Meister ausgerufenen, Arsch der Welt wurde noch mal auf das Gaspedal getreten und die Stimmbänder bis zum Letzten strapaziert. Es ging zu „Wind“ über und Basser Ado ließ sich zwar nicht von diesem, dafür aber von den Getreuen vor der Bühne tragen. Zugegebener Weise war das Risiko als recht gering einzuschätzen, wahrscheinlich hätte nicht mal ein Blatt Papier den Weg nach unten gefunden.

Ein letzter Song wird angekündigt und der sollte die vergangenen neun Tourtage beschreiben. „Saufen“ war dran und beschert nochmals Hochstimmung. Es wurden Hände geschüttelt, Umarmungen ausgetauscht und so das Konzertende sehr publikumsnah gestaltet.

Getreu dem Motto „gebt uns eine Bühne, den Rest besorgen wir“, lieferten Betontod einen guten Live-Auftritt ab. Der Sound war erstaunlich gut, die Musik knallte und die Interaktion mit der Gästeschar funktionierte ausgezeichnet. Auszusetzen gab es hier wirklich nichts und so dürften sich Betontod nachhaltig in Erinnerung gebracht haben. Angesichts der Leistung ist es dann eher fraglich, wie lange kleinere Clubs noch reichen.

Sollte es was zu meckern geben, dann war es der teils komplette Kontrollverlust einiger Publikumskandidaten auf Grund von Alkohol. So ging für mich der Abend bedauerlicher Weise etwas schneller und unerfreulicher zu Ende, als geplant. Dies ist umso betrüblicher, da im Anschluss noch 9mm und Kärbholz spielten und sicher den Abend weiter abrundeten.


Setlist:

  • Gloria
  • Nichts
  • Kinder des Zorns
  • Generation X
  • Schwarzes Blut
  • Feuer frei
  • Gasolin
  • Glück auf
  • Keine Popsongs
  • Viva Punk!
  • Wind
  • Saufen
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