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Behemoth, Aborted, Helrunar, Sworn im Konzert (Berlin 2007)

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Tourauftakte in Berlin sind immer eine Sache für sich. Das Hauptstadtpublikum ist in der Regel eher selten zu überschwänglichen Zuneigungsbekundungen zu bewegen oder braucht einfach einige Stunden bis es warm geworden ist. Für vielleicht noch unsichere und junge Bands ist sowas bei einem Tourauftakt natürlich Gift. Auf der anderen Seite kann es eigentlich nur noch besser werden, werden der Tourtross sich dann erst nach Süden und dann in den Westen der Republik aufmacht. Und genau dieses Phänomen bekamen die erste Band des Abends, die Norweger Sworn, zu spüren.

 

Es lag nicht an der Anzahl der Gäste, dass Sworn nicht die von ihnen erhofften Publikumsreaktionen auslösten, denn erstaunlicherweise fanden einige hundert Leute an einem Mittwochabend den Weg ins Friedrichshainer K17. Die Konzerthalle vom Kasi war also ordentlich gefüllt, als die fünf Jungs die vollbepackte Bühne enterten. Zwei Bands teilten sich nämlich jeweils ein Schlagzeug. Sworn und Helrunar trommelten auf dem kleinen Drumset im Vordergrund und Aborted und Behemoth durften später dann das große Schlagwerk malträtieren. Sworn spielen trotz spärlicher Liveerfahrung ein sehr souveränes Set herunter. Melodischer Black Metal ohne (!) Keyboard mit einer guten Prise Epik wird dem Volke hingeworfen, welches zu großen Teilen auch wegen der zweiten Vorband Helrunar den Weg frühzeitig in den Club fand. Kaum einer kannte die Songs vom Debütalbum „The Alleviation“ und trotz sehr eingängiger Melodien und zum Headbangen einladender Riffs fanden sich nur wenige Enthusiasten. Wenigstens gab das steife Berliner Publikum ordentlich Applaus zu Krachern wie dem Titelsong der ersten Full-Length-CD. Auch der Verlust von Sänger Lars Jensen (Myrkgrav) lässt sich verkraften und Max Wilson, der auch in einer Thrash Metal Band aktiv ist, macht seine Sache recht gut, obwohl der Tonmensch da noch etwas hätte drehen können. Mehr Informationen zum Sängerwechsel gibt es übrigens im Interview mit Sworn hier bei the-pit.de zu lesen.

 

Bei den deutschen Qualitätsgaranten Helrunar, welche ihren melodischen Pagan Black Metal mit akustischen Einsprengseln bald schon auf ihrem zweiten Album herausbringen, sieht die Stimmung schon ganz anders aus. Eine Welle der Euphorie schwappt den vier Herren entgegen. Wirklich angestachelt scheint das die Band nicht zu haben, so ist mir ein Gig der Mannen um Frontsänger Skald Draugir aus dem letzten Jahr in sehr viel besserer Erinnerung. Der Funke will nicht ganz überspringen, was wohl auch an der Auswahl der Songs liegt. Wenn man zwei neue Lieder in einem Set von ganzen fünf Songs zum Besten gibt, dann ist klar, dass diese nicht so enorm abgefeiert werden wie die Klassiker „Frostnacht“, „Älter als das Kreuz“ und „Dreifach Dorn“. Des Weiteren scheinen die Lieder von der bald erscheinenden „Baldr ok Íss“ rauer, weniger melodisch und schneller zu sein, was der magischen Atmosphäre, die sonst bei Helrunar herrscht oder herrschen sollte, doch einen Abbruch tut. Der erste Song „Íss“ weist kaum Melodie auf und fällt für mich in die Sparte „gesichtsloses Black Metal Geknüppel“. Der zweite Titel „Schwarzer Frost“ dagegen kann nach einem gewöhnungsbedürftigen ersten Teil in der zweiten Hälfte mächtig punkten durch Melodie, Akustikteil und variablen Gesang. Kein schlechter Gig, aber man kennt es besser von Jungs, und natürlich war es viel zu kurz.

 

Wegen des Interviews mit Sworn verpasste ich den Gig von Aborted – dachte ich jedenfalls. Schmerzverzerrtes Schweinequieken war aus der Konzerthalle zu vernehmen und ich war voller Überraschung auf eine sehr extreme Show der Polen von Behemoth. Falsch gedacht! Diese merkwürdigen Geräusche kamen aus dem Mund des Sängers von Aborted und hatten selbst mit Death Metal-Gegrunze oder Black Metal-Gekreische nicht mehr viel zu tun. Musikalisch bewegte sich das ganze irgendwo zwischen herbem Death Metal und kompromisslosen Hardcore, wozu der Sänger dann auch seinen Teil beitrug. Wirklich spektakulär war das Ganze nicht anzuhören, da viele Breaks den Fluss merklich unterbrachen. Da sollten die Belgier meiner Meinung noch ein wenig dran arbeiten, obwohl es dem Publikum ziemlich gut gefallen zu haben schien.

 

Und schließlich fand auch der Headliner nach drei Vorbands den Weg auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Das Quartett kommt in voller Montur auf die auch stimmig hergerichtete Bühne inklusive viel Metall und Pentagrammen. Optisch machen die Jungs schon so einiges her. Das Tier von einem Basser malträtiert sein Instrument so dermaßen, dass man sich fragt wie der Herr nebenbei noch so exzessiv sein Haupthaar schütteln kann. Der Aushilfsgitarrist sieht mit seinen überaus großen Stacheln an den Stiefeln auch recht bedrohlich aus und der eher klein wirkende Bandgründer, Gitarrist und Sänger Nergal ist ja so dermaßen aktiv, dass man ihm ohne zu zögern die Rolle des Rumpelstilzchens beim Theater hätte geben können. Diese drei Hassbolzen sind allerdings nur für die Saiten und Bänder zuständig. Alles zusammen hält nämlich der Drummer mit dem bezeichnenden Namen Inferno. Der mächtige Herr hinter der Schießbude wirkt enorm gelassen und prügelt währenddessen mit einer höllischen Leichtigkeit das ganze K17 in Grund und Boden - meinen Respekt! Musikalisch war es für Fans der Polen sicherlich ein äußerst zufriedenstellendes Konzert, denn neben „Demigod“ und „Conquer All“ sind auch viele andere Kracher der letzten Jahre gespielt worden. Mir persönlich war bei diesem Death/Black-Bastard alles zu wenig atmosphärisch, zu chaotisch und verrückt. Aber eines muss ich den Jungs lassen, eine ins Gedächtnis brennende Show mit viel Kunstblut, Masken und Posing haben sie hingelegt. Und das alles mitten in der Woche in einem musikalisch überfütterten Berlin vor etwa 400 Zuschauern.

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