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Avatarium, The Vintage Caravan, Honeymoon Disease im Konzert (Hamburg, November 2015)

Drei sympathische und überzeugende Bands sorgen für einen kurzweiligen Abend

Die Schweden von Avatarium sind richtige Senkrechtstarter: 2012 gegründet, kamen sie direkt bei Nuclear Blast unter Vertrag und haben drei Jahre später bereits zwei bärenstarke Full-length-Alben und eine EP vorzuweisen. Natürlich musizieren hier auch keine gänzlich unbekannten Gestalten: Bandgründer Leif Edling kennt jeder als Bassist von Candlemass und Krux, für die Gitarre und den Gesang holte er – nachdem der ursprünglich für diese Posten geplante Opeth-Chef Mikael Åkerfeldt aus Zeitgründen doch passen musste – Ex-Evergrey-Gitarrero Marcus Jidell und dessen Frau Jennie-Ann Smith ins Boot, während für die Keyboards mit Carl Westholm ein Krux-Mitstreiter verantwortlich zeichnet, und in Gestalt von Lars Sköld sitzt der langjährige Tiamat-Drummer hinter der Schießbude.

Beste Voraussetzungen also für eine stark aufspielende und erfolgreiche Band, die nun, unmittelbar nach Release des überirdisch guten Zweitlings „The Girl With The Raven Mask“, ihre erste Headliner-Tour bestreitet, deren erster deutscher Termin hier in der Hansestadt Hamburg stattfindet. Mit The Vintage Caravan finden sich alte Bekannte als Support wieder, die in der letzten Zeit öfters in Deutschlands zweitgrößter Stadt auftraten, und eigentlich sollten Avatariums Landsleute Spiders die zweite Vorband stellen, sagten jedoch ab, um mit Graveyard in den USA zu touren, und wurden durch die ebenfalls schwedischen Rocker Honeymoon Disease ersetzt.

Honeymoon Disease

Der Vierer aus Göteborg mit dem lustigen Bandnamen steht kurz vor der offiziellen Veröffentlichung seines Full-length-Debüts „The Transcendence“ und ist stilistisch von den eigentlich vorgesehenen Spiders gar nicht mal so weit entfernt. Old-schooliger, grooviger Rock’n’Roll (um das böse Wort „Retro-Rock“ mal zu umgehen) wird hier zelebriert, der allerdings noch ungleich mehr Arschtrittfaktor und Speed als die Spinnentruppe besitzt.

Schon anhand der Klamotten – alle Bandmitglieder tragen Schlaghosen – kann man erkennen, in welcher Zeit die Haupteinflüsse dieser Combo liegen, und mit Sicherheit haben die beiden Damen und die beiden Herren in ihrem Leben viel Led Zeppelin, Kiss, AC/DC und Konsorten gehört. Witzig auch: Die beiden Frauen an den Gitarren singen noch zusätzlich und tragen an den Armen jede Menge Tattoos, wohingegen die Männer an Bass und Schlagzeug keine erkennbaren Tätowierungen besitzen – wer in dieser Band die Hosen anhat, dürfte somit wohl klar sein.

Noch ist es nicht sonderlich voll im Zuschauerraum, allerdings entpuppt sich das Klubsen (es ist tatsächlich der erste Besuch meiner Wenigkeit in diesem Laden) bereits beim Hereinkommen als erstaunlich großer Schuppen; es scheint nahezu unmöglich für eine Band, die ihre erste Headliner-Tour absolviert, den Club komplett vollzukriegen. Für den Support also eine noch schwierigere Aufgabe, richtig Schwung in die Angelegenheit zu bekommen, aber Honeymoon Disease schlagen sich wacker und kommen bei den Leuten gut an. Nach und nach werden es mehr Interessenten und die anfangs naturgemäß noch etwas verhaltenen Reaktionen von Song zu Song euphorischer; immer mehr Fans bangen oder wippen wenigstens mit den Füßen und der Jubel in den Songpausen wird auch immer größer.

Fronterin Jenna freut sich darüber natürlich und gibt zu Protokoll, dass es der erste Auftritt der Schweden überhaupt in Hamburg ist – dafür kann sich das alles definitiv sehen und hören lassen, zumal auch der Sound Schmackes besitzt, ohne in übertriebene Lautstärke auszuarten. Vor allem die schnellen Stücke kommt gut an, wie die Zuschauer auf Nachfrage mit ordentlichem Gebrüll bestätigen. Letztlich werden flottere Nummern wie „Fast Love“ oder das finale „Gotta Move“ („bei dem Titel wisst ihr ja, was zu tun ist“) aber genauso abgefeiert wie groovigeres Material à la „Higher“. Guter Auftritt einer sympathischen, bodenständigen Band, die noch augenzwinkernd darauf aufmerksam macht, dass man das Album hier exklusiv einen ganzen Tag vor dem offiziellen Release am Merchstand kaufen kann.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“