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Avantasia im Konzert (Hamburg, April 2019)

Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann

Nach einem kurzen „Ghostlights“-Intermezzo in Form von „Lucifer“ folgen mit „Alchemy“ und der Gänsehautballade „Invincible“ schon die nächsten Songs der aktuellen Scheibe, wobei nun Geoff Tate auf den Plan tritt, der sich wie alle Beteiligten in guter stimmlicher Verfassung präsentiert. Hier zeigt sich auch, dass Tobi trotz allen Erfolgs immer noch absolut auf dem Boden geblieben ist: Nach Tates vorläufigem Abgang nach letztgenanntem Stück sagt er ans Publikum gewendet: „Das war fucking Geoff Tate! Wenn mir jemand vor 20 Jahren gesagt hätte, dass ich mal mit dem auf der Bühne stehe, hätte ich gesagt, man müsste diese Person einweisen lassen.“

Im Folgenden wird ein bunter Mix aus verschiedenen Phasen der Band zum Besten gegeben, wobei „Ghostlights“- und „The Scarecrow“-Stücke am häufigsten vertreten sind und auf „The Mystery Of Time“ dieses Mal komplett verzichtet wird. Nach „The Raven Child“ zu Beginn hat man kein Problem, in Form von „The Scarecrow“ und „Let The Storm Descend Upon You“ weitere Longtrack-Knaller von zehn Minuten plus ins Rund zu feuern. Letzteres angekündigt mit den Worten „Wir haben jetzt zwei Stunden und 20 Minuten gespielt. Andere Bands kommen jetzt nur noch mit kurzen Drei-Minuten-Stücken an, aber wir sind nicht wie andere Bands. Zwei Stunden 20 – da lachen wir doch drüber!“

Und als das Publikum dann doch müde zu werden droht, müssen ein paar Sticheleien herhalten. „Hier vorne sind die echten Fans, die da hinten“ – der Avantasia-Mastermind deutet auf den Rang, in dem sich die Sitzplätze befinden – „sind wohl erst neu dabei. Wir reißen uns hier den Arsch auf und ihr sitzt da hinten und denkt nur: Och, lass den da vorne mal machen!“ Die Leute im Parkett grinsen sich darauf einen, die hinten sehen sich nun wohl doch ein wenig in ihrer Ehre gekränkt und machen mehr Alarm. Aber ist ja alles nur Spaß, Tobi ist und bleibt ein unheimlich sympathischer Zeitgenosse und seine Liebeserklärungen an die Hansestadt arten geradezu in Schwärmerei aus. Trotzdem nimmt man ihm sein immer wieder hervorgebrachtes „Das ist sooo fantastisch, das ist sooo geil“ und dass es gerade heute Abend besonders viel Bock machen würde, zu jeder Zeit ab. Der Kerl weiß ganz genau, dass ein solcher Erfolg keineswegs selbstverständlich ist.

So will er denn auch ein Erinnerungsfoto an diesen tollen Abend und fordert die Leute bei „Mystery Of A Blood Red Rose“ dazu auf, ihre Mobiltelefone herauszuholen und hochzuhalten, damit es aussieht wie lauter sich tummelnde Glühwürmchen. Anschließend folgt mit „Lost In Space“ der vorerst letzte Song, doch obwohl man zu diesem Zeitpunkt schon drei Stunden performt hat, wird auf Zugaben nicht verzichtet. Bei „Farewell“ tritt noch einmal Adrienne als Leadsängerin in Erscheinung, während die Zuschauer bei dieser balladesken Nummer selig die Arme über dem Kopf hin- und herschwenken.

Beim Finale grande treten dann noch einmal alle Sänger gemeinsam auf, um ein Mini-Medley aus „Sign Of The Cross“ und „The Seven Angels“ darzubieten. Hierbei stellt Tobi ausgiebig die Band vor und man kann vor denen ja kaum genug Respekt haben. Jeden Abend über drei Stunden am Start zu sein und abzuliefern und dabei auch noch eine solche Spielfreude zu transportieren, ist aller Ehren wert. Auch wenn Produzent und Leadgitarrist Sascha Paeth („der beste Musiker, den ich je kennenlernen durfte“, so Tobi) neben Sammet selbst am meisten Applaus bekommt: Vor allem vor Drummer Felix Bohnke (Bandkollege von Sammet auch bei Edguy) ziehe ich den Hut; der Mann muss eine nahezu unfassbare Kondition haben. Tobi verspricht noch, dass, wenn Avantasia wieder auf Tour gehen, man auf jeden Fall wieder nach Hamburg kommen würde, dann bestimmt auch wieder ins schmucke Mehr! Theater, in dem er heute laut eigenen Worten das erste Mal war.

Nächstes Mal sei ja dann bestimmt auch diese „unsägliche Harry Potter-Geschichte hier vorbei“ (er spielt auf das Theater-Großprojekt „Harry Potter und das verwunschene Kind“ an, das seit Monaten geplant ist und 2020 aufgeführt werden soll). Keine Ahnung, was Tobi gegen Harry Potter hat; sollte er das hier tatsächlich lesen, kann ich nur empfehlen, sich die Bücher mal zu Gemüte zu führen, das ist beste Unterhaltung. Zweifellos gilt das aber auch für diesen Auftritt: Ein grandioser Abend, der am Ende mit einer Spielzeit von drei Stunden und zwanzig Minuten keine Wünsche offen lassen kann. Eine topmotivierte Band, eine tolle Sängerriege und durchgängig guter Sound – ein besseres Konzert kann man sich in diesem Jahr kaum noch vorstellen und es lässt sich angesichts dieser Performance sogar verschmerzen, dass Michael Kiske diesmal nicht dabei war.

Setlist:

Intro (Ludwig van Beethoven: Symphony No. 9, op.125, Ode an die Freude)
Ghost In The Moon
Starlight (RA)
Book Of Shallows (RA, AC)
The Raven Child (JL)
Lucifer (JL)
Alchemy (GT)
Invincible (GT)
Reach Out For The Light (OH)
Moonglow (AC)
Maniac (Michael Sembello-Cover) (EM)
Dying For An Angel (EM)
Lavender (BC)
The Story Ain’t Over (BC)
The Scarecrow (JL)
Promised Land (EM, JL)
Twisted Mind (EM, GT)
Avantasia (GT)
Let The Storm Descend Upon You (JL,RA)
Master Of The Pendulum (RA)
Shelter From The Rain (BC)
Mystery Of A Blood Red Rose (BC)
Lost In Space
------------------------------
Farewell (AC)
Sign Of The Cross/The Seven Angels

Mit:
RA = Ronnie Atkins
JL = Jørn Lande
GT = Geoff Tate
OH = Oliver Hartmann
AC = Adrienne Cowan
EM = Eric Martin
BC = Bob Catley

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