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ASP im Konzert (Wuppertal, Dezember 2010)

Wunderschöner winterlicher Abend unter Zaubererbrüdern

ASP verzaubert die Historische Stadthalle

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Es ist doch immer dasselbe: Wenn eine Band eine so großartige Konzertreihe gegeben hat, wie es ASP vor zwei Jahren getan haben, dann schwelgt der gemeine Fan in Erinnerungen, Nostalgie. Und der Wunsch, so etwas erneut erleben zu dürfen wird immer größer, bis es an Raserei grenzt. Aber ist die Gier noch so stark, dieses wieder erleben zu dürfen, ist doch die Angst, dass jenes die Erwartungen nicht trifft, auch sehr groß. So in etwa kann sich jeder vorstellen, wie die Atmosphäre in der Historischen Stadthalle in Wuppertal vor Beginn des Konzerts ist. Lange bevor überhaupt die Tore zur Stadthalle geöffnet werden, bibbern und frieren die Fans teils einige Stunden vor der Halle. So ist es dann auch kein Wunder, dass, als sich endlich das eine Tor öffnet, die Meute von hinten schiebt, als gäbe es kein Morgen.

Die Historische Stadthalle ist etwas ganz Besonderes und auch, wenn es keine Kirche ist, wie sie noch vor zwei Jahren die schwarzen Schmetterlinge gelockt hat, bringt sie jeden zum Innehalten und Staunen. Riesige Kronleuchter, viele goldene Akzente, einfach historisch. Ja, hier fühlt sich das schwarze Publikum mehr als wohl. Schnell sind die besten Plätze besetzt, auch die Emporen sind gefüllt und endlich im Warmen geht die Zeit auch schnell vorbei. Der dritte Gong kündigt die Ankunft von ASP an. Und anders als bei den Rock-Konzerten betreten nicht nur Himmi, Matze und Tossi die Bühne. Nein, für diese Tour wurden exakt dieselben Gastmusiker engagiert, wie noch bei der „Zaubererbrüder Tour 2008“. Mit dabei wieder: Sylvia Eulitz am Cello, Ally Storch-Hukriede an der Violine, Thomas Zöllner verantwortet auch heute wieder Small Pipe, Border Pipe, Highlandpipes, Drehleier und Low Whistle und natürlich auch Carlos Serrano del Rio an den Percussions.

Nach nur kurzer Zeit betritt auch ASP die Bühne, altbekannt gekleidet in schwarzem Mantel und Dreispitz. Schweren Schrittes betritt er die Bohlen, die nun heute Abend seine Welt bedeuten. In den Händen hält er den Koraktor. Die Spannung ist zu spüren, das Publikum hält den Atem hat. Die dunkelromantische Winternacht beginnt. Der Song „Betteljunge“ beginnt den Abend in Wuppertal ebenso wie er schon das Album „Zaubererbruder“ beginnt. Es ist beinahe beängstigend still im Saal, ehrfürchtig hängen die Fans an ASPs Lippen und zuerst weiß keiner, wo er hinschauen soll. Mit insgesamt neun Künstlern auf der Bühne ist vorne ganz schönes Treiben. Es ist das zweite Konzert der „Dunkelromantische Winternächte“-Reihe und die bestehende Harmonie unter den Musikern zeigt deutlich, dass der Schritt, das gesamte Ensemble wieder zusammen zu rufen, der Richtige war.

Mit „Beschwörung“ ist ein schöner Song zur Nummer zwei des Abends gewählt worden und langsam nimmt ASP Fahrt auf. Nun endlich wird das Publikum angesprochen und in diesem Moment ist nicht deutlich, wer ehrfürchtiger ist: ASP aufgrund des vollbesetzten Saals oder das Publikum aufgrund der atemberaubenden Kulisse. So einen Anblick habe diese kleine Gruftrockband aus Frankfurt nicht erwartet, begrüßt ASP die schönen Menschen im Saal, sie haben also einiges richtig gemacht, mutmaßt er. Schon ertönen die ersten Takte von „Krabat“ und während Matze die Bühne verlässt, konzentriert sich Tossi statt auf den Bass nun aufs Singen. Ob es die Aufregung oder die Freude über eine derart schöne Szenerie ist, kann nur vermutet werden, doch sowohl ASP als auch Tossi verhaspeln sich im Text. Was jedoch niemanden stört, denn hier geht es niemandem um Perfektionismus. Als dann „Die Teufelsmühle“ besungen wird, steht am Himmelszelt des Saals das hinauf projizierte Mühlrad. Die Setlist lässt einfach keine Fanwünsche offen und bei der völligen Neuinterpretation des recht elektrischen Hits „Where Do The Gods Go?“ stehen die ersten auf der Empore und tanzen.

ASP zeigt auch seine Unterhalterqualitäten, ob er sich nun die Frage früher gestellt hat, wo denn die Götter, wenn nicht mehr an sie geglaubt wird, ihre letzten Tage verbringen („Gibt es so etwas wie ein Altersheim für Götter, wo sie Monopoly spielen können?“). Oder ob die erneute akustische Interpretation dieses Stücks (ursprünglich war es ein Folksong, welcher von ASP elektrifiziert wurde) wie eine übersetzte Anleitung einer Bohrmaschine anmuten könnte. Das Publikum hat einfach Spaß. Was aber nun kommt, verschlägt nun doch dem einen oder anderen die Sprache. ASP nimmt seinen Dreispitz ab und was erscheint darunter? Nein, nicht die bekannte Glatze mit dem Zopf, nein, nein. Es erscheinen: Haare!!! Vor der Pause wird noch „Denn Ich Bin Der Meister“ angestimmt und erstmals an diesem Abend stehen ein paar vereinzelte Fans auf und tanzen. Aber jeder im Saal klatscht und die Begeisterung schwappt wie eine Welle durch die gesamte Stadthalle. ASP kann es auch nicht lassen einen Seitenhieb auf die Politik auszuüben und die derzeitige Diskussion über den Jugendschutz in den Medien aufzunehmen. „Von Amtswegen sind wir FSK 0“, aber sie haben sich bei der Aufnahme der „Dunkelromantischen Herbstabende“ auch wirklich Mühe gegeben und keiner habe „ficken“ gesagt und auch die Aufnahmen im Backstage Bereich haben sie deshalb eher verkürzt auf Polycarbonat gebracht. Nach „Nie Mehr“ ist Pause, sowohl für ASP, als auch für das Publikum.

Nach 25 Minuten kehren alle wieder auf ihre Plätze zurück, die Musiker auf die Bühne, das Publikum auf ihre Stühle. Es folgt ein weiteres Potpourri an ASP Hits, wo natürlich „Aus Der Tiefe“ nicht fehlen darf, genauso wie „Biotopia“. Ein weiterer Höhepunkt des Abends ist das Verlesen eines Gedichts über die grauenhaften Incubi. Nicht nur das Versmaß ist im Stile Edgar Allan Poes, auch die eine oder andere Zeile erinnert doch stark an „The Raven“ und so findet sich auch der Gründer des Gothic-Genres namentlich im Gedicht wieder. So kommt es wie es kommen muss, der Song „Duett: Minnelied Der Incubi“ wird gemeinsam mit Tossi gesungen. Wie schon „Stille Der Nacht“ und auch ASPs Ansingen von „White Christmas“ im ersten Teil der Show, passt auch der nächste Song perfekt zum derzeitigen Winterwetter: „Ungeschickte Liebesbriefe“. Wie der Schneeball aufs Auge, nein die Faust aufs Auge auch der nächste Song: „Schneekönigin“. ASP präsentieren hier an dieser Stelle einen noch unbekannten Song und ein Raunen, welches durchs Publikum geht, bestätigt: ja, so ist ASP, wie alle Anwesenden ihn lieben. Das neue Album wurde schon angekündigt und endlich im August wird „Fremd (Fremder Zyklus Teil I)“ erscheinen.

Nun aber sind wir im Hier und Jetzt und genau da knüpfen die Neun nun an. Mit einer enormen Stimmgewalt singen ASP und Tossi von Werwölfen, Zyklopen und finsteren Jahren. Der „Zaubererbruder“ kehrt zurück und erzählt von all seinen Erlebnissen. So wirklich schwappt die sonst bekannte Stimmung bei ASP-Konzerten nicht über, was aber sicher nicht am Auftritt der Neun liegt, sondern daran, dass es so viele Eindrücke zu verarbeiten gilt. Und so ist es plötzlich Zeit „Abschied“ zu nehmen und ASP verstehen selbst da, den Schmerz zu nehmen und der Song klingt mit einem Medley aus verschiedensten Pop- und Rock-Songs aus. Schon ist die Bühne leer. Doch ASP kehrt wieder als der Meister der Schmetterlinge, er selbst hat nun die Metamorphose durchgemacht und es tritt nun mehr nicht mehr der Meister auf, sondern als ein Dandy, Zeit für die Welten des „Variete Obscure“. Ein Jeder ahnt nun, dass der schönste Abend irgendwann endet, und so muss auch dieser irgendwann zu Ende gehen, auch wenn dies keiner versteht. Noch weniger Verständnis erhält die Uhr, diese zeigt doch tatsächlich 23.40 Uhr an. Fast vier Stunden ASP sind hier aber kaum jemanden genug. Gekonnt tritt ASP mit „Ruhe Vor Dem Sturm“ ab. Noch vor den ersten Taktes des Songs, der viel zu selten einen Platz in der Setlist findet, mahnt ASP die Fans auf, sich wieder zu setzen und verweist schon an dieser Stelle, dass Feuerwerk diesmal nicht inklusive sei. Und vermutlich ist das die erste Tour, auf der die Musiker die Bühne verlassen, ohne die inofizielle Hymne der Band „Ich Will Brennen“ gespielt zu haben.

Ist dieser Abend nun vergleichbar mit dem ersten „Zaubererbruder“-Abend? Stellt sich hier nicht viel mehr die Frage, ob es so einer Frage überhaupt bedarf? Die Stimmung die ASP heute Abend hier in der Historischen Stadthalle entzündet haben, weist auf, dass es keinerlei Vergleiche bedarf. Es war ein großartiger Auftritt einer wahnsinnig schönen Akustikband und das zeigt im Wesentlichen nur eins auf: Es bedarf einer Wiederholung in spätestens zwei Jahren.

Setlist:

1.    Intro
2.    Betteljunge
3.    Beschwörung
4.    Krabat
5.    Die Teufelsmühle
6.    Stille Der Nacht
7.    Wolfspuren
8.    Where Do The Gods Go?
9.    Ballade Von Der Erweckung
10.    Denn Ich Bin Der Meister
11.    Nie Mehr

12.    Aus Der Tiefe
13.    A Song For The Fools
14.    Biotopia
15.    Duett: Minnelied Der Incubi
16.    Ungeschickte Liebesbriefe
17.    Schneekönigin
18.    Der Geheimnisvolle Fremde
19.    Zauberbruder
20.    God Rest Ye Merry, Gentlemen
21.    Abschied

22.    Variete Obscure
23.    Tiefenrausch

24.    Die Ruhe Vor Dem Sturm

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