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Arena im Konzert (Hamburg, März 2015)

Zwei kurzweilige Stunden zu einem fairen Eintrittspreis

Boten einen qualitativ hochwertigen Querschnitt durch ihre Karriere: Arena

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Arena gelten nicht unbedingt als die aller tourfreudigste Band aller Zeiten, auch wenn der Bandname anderes suggerieren mag. Zum 20jährigen Jubiläum will man dann aber doch ausgiebig auf Tournee gehen, zumal man außerdem auch ein neues Album am Start hat: „The Unquiet Sky“ kann, so Gitarrist John Mitchell während des Konzertes, bereits am Merchstand erworben werden, obwohl es hierzulande erst am 8. Mai erscheinen soll. Auch einige neue Songs stellen die Engländer live vor.

Doch der Reihe nach: Dass Arena keine Arenen füllen (man verzeihe mir dieses billige Wortspiel…), dürfte bekannt sein; obwohl es sich hier, wie jeder Insider weiß, um einen der besten Acts der sogenannten Neo-Prog-Szene handelt, wird dieses Quintett immer noch sträflich unterbewertet. Grandiose Platten wie „The Visitor“, „Immortal?“, „Contagion“ oder „Pepper’s Ghost“ haben zweifellos ihre Liebhaber gefunden, sollten, wenn es gerecht in der Welt zugehen würde, jedoch viel größeren Absatz erfahren. Jedenfalls muss sich die Combo mit kleinen Clubs begnügen, in Hamburg (der ersten Station dieser Rundreise in Deutschland) namentlich mit dem urigen Bambi Galore – aber solch eine Atmosphäre ist ja ohnehin viel intensiver und persönlicher als große Hallen oder gar Stadien.

Die Truppe tritt ohne Vorband an, was man an einem Sonntagabend – schon wieder etwas missmutig die nächste Arbeitswoche vor Augen – letztlich doch ganz dankbar aufnimmt, kommt man so schließlich nicht allzu spät nach Hause. Vielleicht 80 bis 100 Nasen haben sich versammelt, als die Herren von der Insel mit „The Demon Strikes“, dem Opener der kommenden Scheibe, loslegen. Der Altersschnitt ist relativ hoch, was zu erwarten war; viele kennen die Band wohl hauptsächlich deswegen, weil Schlagzeuger und Mitbegründer Mick Pointer früher mal bei Marillion getrommelt hat.

Bei gutem Sound (die Drums sind einen Tick zu laut, doch insgesamt geht das voll in Ordnung) präsentieren sich Arena von Anfang an spielfreudig und sehr gut gelaunt. Frontmann Paul Manzi gibt schon nach dem ersten Song zu Protokoll, dass es unheimlich heiß auf der Bühne sei und will wissen, wie das werte Befinden der Zuschauer aussehen würde: „Are you hot, warm or cool?“ Nun ja, hot natürlich – so zumindest brüllen es die meisten Leute, und klar, wer könnte einem Proghead schon widerstehen, die sind doch alle ausnahmslos wahnsinnig heiß…

Eine gute Portion Selbstironie beweist auch die Band (wie es sich für Engländer gehört). Nachdem zunächst das schön groovende „Rapture“ von der letzten Platte gespielt wird und man dann in Form von „Double Vision“ und „A Crack In The Ice“ zwei Klassiker vom „The Visitor“-Album zum Besten gibt, die mit entsprechendem Beifall beklatscht werden, übernimmt Keyboarder und inoffizieller Bandleader Clive Nolan das Wort. Er erzählt von den vielen Line-up-Wechseln, die man innerhalb der zwanzigjährigen Geschichte der Band durchmachen musste (neuestes Mitglied ist Bassist Kylan Amos), „in Line-up-Wechseln sind wir sehr gut“. Als amüsante kleine Anekdote berichtet er auch von der Audition mit Gitarrist John Mitchell, unmittelbar vor dem „The Visitor“-Album. Damals habe Nolan schlimme Zahnschmerzen gehabt und meinte daher, ohne überhaupt etwas von Mitchell gehört zu haben, „just give him the bloody job“.

Später habe man einen speziellen, sehr langen Song aufgenommen, der eigentlich nie dafür vorgesehen gewesen sei, live aufgeführt zu werden, weswegen man sich jede Menge komplizierter Wechsel und ähnliches ausgedacht habe; doch da die Fans immer wieder diesen „fucking song“ hören wollten, würde es ja alles nichts nützen. Aber liebe Leute von Arena – was habt ihr denn erwartet? Wenn eine Prog-Band einen Longtrack aufnimmt, liegt es in der Natur der Sache, dass ihre Supporter auch gerade genau dieses Stück hören wollen. Dementsprechend begeistert fällt der Jubel aus, als man zum Jubiläum das 18-Minuten-Monster „Moviedrome“ auspackt. Großes Kino!

Zu diesem Zeitpunkt hat sich längst herauskristallisiert, dass Paul Manzi sowohl mit dem neuen als auch mit dem älteren Material bestens klarkommt. Er hat sich offensichtlich tadellos vorbereitet und agiert so souverän, als wäre er schon immer Frontmann dieser Kapelle gewesen. So muss es auch sein, denn neben vier neuen Stücken, die positive Resonanz erfahren, konzentriert man sich erwartungsgemäß auf das Klassikermaterial, wie es sich bei einer Jubiläumstour gehört, und bietet einen tollen Querschnitt durch fast alle Alben.

Beim Instrumental „Riding The Tide“ darf sich Manzi dann mal eine kleine Pause gönnen, anschließend bilden „The Hanging Tree“ und „The Tinder Box“ den regulären Abschluss des Sets. Für „(Don’t Forget To) Breathe“ und das obligatorische Finale „Crying For Help“, bei dem Manzi sich Mitsingspielchen mit den Zuschauern liefert, kommt der Fünfer noch einmal zurück auf die Bühne. Nach knapp zwei Stunden mit starker Setlist zu einem fairen Eintrittspreis (18 € an der Abendkasse) kann sich wohl niemand ernsthaft beschweren. Jetzt kann man wieder einmal nur hoffen, dass diese Band endlich die Aufmerksamkeit bekommt, die sie längst verdient hat.

Setlist:

The Demon Strikes
Rapture
Double Vision
A Crack In The Ice
Moviedrome
How Did It Come To This?
The Butterfly Man
Salamander
Bedlam Fayre
Serenity
The Unquiet Sky
Traveller Beware
The City Of Lanterns
Riding The Tide
The Hanging Tree
The Tinder Box
--------------------------
(Don’t Forget To) Breathe
Crying For Help VII

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