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Apocalyptica, Livingston im Konzert (Hamburg, Oktober 2010)

Die Cello-Metaller sind live nach wie vor ein Erlebnis

Livingston waren irgendwie zu bieder

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Mann, sind Apocalyptica groß geworden! Wenn man bedenkt, dass das Ganze als reine Spaß-Nummer begonnen hat – die vier Cellisten, die auf der Sibelius-Akademie in Helsinki studierten und sowohl Klassik als auch Metal mögen, aus Bock ein paar Metallica-Songs auf ihren Celli nachspielten und eine CD damit herausbrachten, hätten wohl niemals damit gerechnet, dass sie einige Jahre später Millionen Tonträger verkaufen und als einer der innovativsten und originellsten Acts der Metalszene gefeiert werden würden. Bekanntermaßen ist man inzwischen was die Cello-Fraktion angeht nur noch zu dritt und hat dafür mit Mikko Sirén einen Drummer mit an Bord. Eine Zeitlang übernahm Antero Manninen – wegen seiner im Gegensatz zu den anderen drei ruhigen Art und seiner Sonnenbrille gerne auch „Mr. Cool“ genannt und 1996 Gründungsmitglied – nach Max Liljas Ausstieg 2002 manchmal noch dessen Part bei Livekonzerten, doch inzwischen hat er die Gruppe bedauerlicherweise endgültig verlassen, weswegen man nun auch live nur noch mit insgesamt vier Mann auftritt.

Anno 2010 gilt es den neuesten Output „7th Symphony“ zu promoten – logischerweise die siebte Scheibe der Finnen –, wofür sich die Combo um Bandleader Eicca Toppinen auch für ein Konzert im schönen Hamburg einfand. Der Gig sollte ursprünglich in der wesentlich größeren Alsterdorfer Sporthalle stattfinden, wurde aber aus angeblich „logistischen und terminlichen Gründen“ relativ kurzfristig in die Große Freiheit 36 verlegt. Es darf angenommen werden, dass man es – auch wenn Apocalyptica wie erwähnt inzwischen eine wirklich große Fangemeinde haben – nicht geschafft hat, die Sporthalle adäquat zu füllen und den Event deswegen auf den Kiez verlegte, aber das sind natürlich nur Gerüchte, die uns im Prinzip nicht weiter kümmern sollen.

Livingston

Einzige Vorband am heutigen Abend ist der Multikulti-Haufen von Livingston mit Hauptsitz in London, wo man die Band nach eigenen Worten gründete. Multikulti deswegen, weil Sänger Beukes genau wie Gitarrist Chris aus Südafrika stammt, während Drummer Paolo italienischer Herkunft ist. Bassist Phil wiederum ist Engländer und der zweite Gitarrist Jakob Deutscher. Ist schon cool, wenn sich eine Band zusammenfindet, in der alle Mitglieder unterschiedliche kulturelle und teilweise auch sprachliche Hintergründe haben und es trotzdem funktioniert. Sympathisch sind sie auch wirklich, die Jungs; Beukes bedankt sich sehr artig bei den Fans und erklärt, dass nur sie es möglich machen, dass das Quintett überhaupt durch die Gegend ziehen und seine Mucke präsentieren kann, und seine Worte wirken tatsächlich – so klischeehaft diese Bekenntnisse sich auch anhören mögen, wenn man sie hier nur in schriftlicher Form wiedergegeben sieht – überhaupt nicht pathetisch und völlig ehrlich.

Auch Jakob meldet sich als Quasi-Lokalmatador einmal zu Wort und erklärt, man würde die gespielten Songs jeden Abend aufnehmen und daher könnten die Fans am nächsten Tag auf der Internetseite der Band einen neu ins Netz gestellten Livetrack begutachten. Man freue sich, „dass ihr so nett zu uns seid“.

Alles schön und gut, aber vom rein musikalischen Standpunkt aus haut das Dargebotene jetzt nicht unbedingt vom Hocker. Handwerklich einigermaßen solide, songschreiberisch zwar okay, aber trotzdem ziemlich konventionell und unspektakulär, können Livingston nur einige Wenige im Publikum – diese allerdings machen sich durch recht lautes Geschrei ziemlich deutlich bemerkbar – begeistern. Kein Wunder, dass spitze Schreie ertönen, sollte man bei dem biederen, glatten Rock doch meinen, dass sich dafür hauptsächlich minderjährige Mädchen interessieren. Zu gefallen, das muss man fairerweise sagen, weiß jedoch der Part in der Ballade, die als vorletzter Song fungiert, in welcher Beukes und Gitarrist Jakob sich Trommeln schnappen, um ihren Felleverdrescher zu unterstützen. Hier kommt tatsächlich mal Intensität auf. Ansonsten aber plätschert das Ganze irgendwie vor sich hin und verdient nicht mehr als das Prädikat „ganz nett“, zumal Livingston auch stilistisch nicht wirklich zum Mainact passen wollen, wobei es bei den in der Szene immer noch Ausnahmestatus einnehmenden Apocalyptica allerdings ja nicht ganz einfach ist, eine passende Vorband zu finden. Dennoch funktionierten zum Beispiel Stam1na vor drei Jahren am selben Ort besser, als der Verfasser ebenfalls anwesend war. Unverständlich ist übrigens mal wieder, wieso das Konzert um 19:30 beginnt, obwohl zumindest im Internet die meisten Quellen 20:00 als Beginn angaben, wobei mir nicht bekannt ist, was auf den Eintrittskarten vermerkt war. So oder so kann es doch nicht so schwer sein, da mal einheitliche Angaben zu machen – dass dieses Früher-Anfangen einfach nicht aufhört, ist ein absolutes Unding.

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