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Anathema, Amplifier im Konzert (Hamburg, April 2012)

Bombenstimmung trotz leicht gekürzter Setlist

Wollen nächstes Mal gerne länger spielen: Amplifier

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Anathemas Lieblingsclub in Hamburg ist ganz offensichtlich der Knust. Bereits vor zwei Jahren, als man gerade während der Fußball-WM auf Tour in Deutschland war, um das damals neue Album „We’re Here Because We’re Here“ vorzustellen, gastierte man im ehemaligen Schlachthof in der Schanze. Ist ja auch ein hübscher Laden, keine Frage. Diesmal haben die englischen Klangzauberer mit „Weather Systems“ wiederum ein brandneues Album im Gepäck, das lediglich drei Tage vor dem Konzerttermin herausgekommen und arrangementtechnisch deutlich komplexer als der Vorgänger ausgefallen ist – man durfte also gespannt sein, wie die Cavanaghs und ihre Kollegen das facettenreiche, aufwendige Material auf der Bühne umgesetzt haben. Zunächst allerdings steht mit Amplifier noch eine sehr gute Vorband auf dem Programm, die hier nicht unter den Tisch fallen soll.

Amplifier

Die ebenfalls englische Gruppe hat im letzten Jahr ihr drittes Studioalbum „Octupus“ veröffentlicht, bei dem es sich sogar um einen Doppeldecker handelt, und kann von der ersten Minute an überzeugen. Angesichts der Tatsache, dass die vier Jungs einen sehr spacigen, ziemlich drogengeschwängerten Sound spielen und daher viel Delay und ähnliche Effekte auf den Gitarren zu hören sind, kann man mit dem Klang bei diesem Gig sehr zufrieden sein. Obwohl Amplifier schon andere Musik als Anathema fabrizieren – Alternative-lastiger, harscher, dreckiger – passen sie irgendwie doch recht gut zum Mainact, vielleicht, weil man sich trotz der Unterschiede genauso gut darin fallenlassen kann. Witzigerweise sah der Autor das Quartett schon einmal vor einigen Jahren als Opener für Opeth in Berlin und obwohl schon damals der Eindruck nicht schlecht war, hatte sich bis dato doch kein weiterer Kontakt mehr ergeben. Das sollte sich diesmal aber wirklich endgültig ändern, denn die Herren liefern eine tadellose Show ab.

Alle Musiker sind in schwarze Hemden und schwarze Hosen gehüllt und tragen dazu je eine schwarze Krawatte, auf der der Oktopus, der auch auf dem Albumcover der aktuellen Scheibe zu sehen ist, aufgedruckt wurde. Dies hinterlässt schon mal optisch einen bleibenden Eindruck, doch viel wichtiger ist natürlich die musikalische Komponente und hier scheinen die meisten Zuschauer die Meinung des Rezensenten zu teilen: Diese Dreiviertelstunde ist sehr kurzweilig, das psychedelisch-kosmische, trippige Klangkonglomerat der Truppe weiß nicht nur zu gefallen, sondern ist richtig, richtig gut, weswegen Amplifier verdientermaßen mehr als nur Höflichkeitsapplaus kassieren. Tatsächlich ist der Schuppen schon zu Beginn des Auftritts richtig gut voll geworden, aber nach drei Alben ist die Band aus Manchester inzwischen wohl auch schon etwas mehr als nur noch ein Geheimtipp. Die Setlist lässt den roten Faden nicht vermissen und konzentriert sich selbstverständlich vor allem auf den letzten Output, wobei man als Höhepunkt sicherlich das über zehnminütige „Interstellar“ bezeichnen darf.

Der Ansagen-freudigste Mensch ist Frontmann Sel Balamir sicherlich nicht (einmal will er uns lediglich wissen lassen, dass Hamburg seine Lieblingsstadt in Deutschland sei, weil hier die Bars am längsten aufhätten, so lange, bis halt der letzte geht – wollen wir ihm das mal glauben; und ein anderes Mal sagt er nur „Muchas gracias… that means thank you very much, for all those who didn’t understand that“ – Scherzkeks…), aber solange man sich als tighte Band auf der Bühne präsentiert, die die Zuhörer zum munteren Gemeinschaftstrip einlädt und so geil Drogenrausche vertont, braucht es ja auch gar nicht die Schlagfertigkeit eines Mikael A. oder Devin T. „Next time we’ll play longer“, verspricht Sel beim Abschied und es scheint, als hätte keiner der hier Anwesenden etwas dagegen einzuwenden.

Setlist:

Continuum
Panzer
Motorhead
The Wave
Interglacial Spell
Interstellar
Neon (Cut Short)

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann