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Vamacara im Interview (Dezember 2017)

"Ich mache im Grunde all das, worauf meine Kollegen bei Ctulu keinen Bock haben und was immer schon mal aus mir raus musste."

Die musikalischen Einflüsse von Ctulu (s. Bild) und Vamacara überschneiden sich nur marginal

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The-Pit.de: Thema Namensgebung: „Vamacara“ fand ich im Internet als „Weg der linken Hand“, eine Form des hinduistischen Tantra. Gibt’s da bandintern besondere Vorlieben oder wie kam es ausgerechnet zu dem Namen?

N: Ich hol mal etwas aus. Wir beide hegen großes Interesse an allen kulturellen Ausdrucksformen, welche vor allem für die menschliche Sehnsucht nach Sinnfindung stehen und sich der Frage des Warums widmen. Ohne irgendeiner Seite zu verfallen, finden wir es einfach sehr interessant, wie Menschen in einem sinnleeren Leben Sinnstiftung vornehmen. Ich zum Beispiel habe mich lange Zeit sehr intensiv mit dem Vajrayana-Buddhismus auseinandergesetzt. Dabei lernt man erschreckend viel über die menschliche Psyche und Mechanismen menschlicher Erklärungsmuster. Besonders, wenn man alle großen spirituellen Strömungen der Menschheitsgeschichte betrachtet, wird klar, dass der Mensch, vor allem bei deistischen Glaubenssystemen am liebsten zu Dualismen greift, um sich die Welt einfach zu machen. Gut und Böse. Schwarz und weiß. Mann und Frau. Dabei wird meistens eine Seite, welche nicht die Deutungshoheit besitzt, zur Antithese erklärt, wie z.B. im Christentum die Frau oder der Teufel. Das gibt es eben aber auch in fast allen anderen spirituellen Systemen und fast immer beschränkt sich dieser Dualismus nicht auf abstrakte dogmatische Bereiche, sondern nimmt auch in der realen Welt Form an und erschafft so seine eigenen Normen und Ausgrenzungsmechanismen, inklusive Diskriminierung. An diesem Punkt kann man natürlich wunderbar mit Symbolik arbeiten. Die Antithese bedeutet für mich in diesem Fall: Eine Abkehr vom Status Quo, vom Männlichkeitsfetisch, vom dogmatischen Weg; weg von derzeitigen Machtverhältnissen und letztendlich eine Bejahung des Lebens. Symbolischer Kitsch und Klischees wie Satan, Blut und umgedrehte Kreuze langweilen uns jedoch ziemlich. Das ist nur eine andere Spielart des religiösen Dogmatismus und genauso lächerlich.

A: Naaa, das halte ich jetzt aber doch für eine Einzelmeinung. Für mich fängt guter Thrash Metal erst da an, wo Pentagramme und umgedrehte Kreuze in inflationärem Gebrauch vorkommen. Auch Behemoth kann ich mir ohne den stumpfen Symbolismus schwer vorstellen. Das kann auch was Schönes haben. Es ist nicht alles schlecht am Teufel. Das muss halt zusammenpassen.

The-Pit.de: Wie kam es dazu, dass Texte auf Griechisch und Polnisch entstanden sind?

A: Für mich ist Sprache nur ein Kanal, um Informationen weiterzutragen. Ich finde es schade, dass Englisch als Universalsprache gelten soll und alles andere „ethnisch“ eingefärbt ist. Ich möchte darum bitten, den polnischen Track nicht als Folklore anzusehen und bei dem griechischen nicht an Säulenarchitektur zu denken. Nur weil ein Track auf Englisch ist, denkt ja auch nicht jeder automatisch an scones mit clotted cream oder an die Queen. Ich möchte mit den Texten einen Beitrag dazu leisten, dass mehr Sprachen als bisher als Universalsprachen aufgefasst werden. Das funktioniert bei Englisch, bei Französisch, bei Deutsch, aber andere haben es da noch schwer. Ich muss aber zugeben, dass ich die Gegenposition solcher, die darin eine ethnische Färbung sehen, nachvollziehen kann. Ich würde wahrscheinlich niemals einen Text auf Norwegisch oder Isländisch nutzen, obwohl die Sprachen zu meinem (erweiterten) Inventar gehören. Da ist selbst mir die Verbindung zu Heidenmetal und dergleichen zu stark. Abgesehen davon sind beide keine besonders lyrischen Sprachen. Es gibt so viele Sprachen, die sich für Metal eignen und besondere Atmosphären bieten. Ich will mich nicht auf Englisch beschränken. Ganz nebenbei hat Englisch für mich immer etwas mittelbares, indirektes, schwaches, wenn es um negative Termini geht, die in unseren Texten ja nun einmal wichtig sind. Nachdem William The Conqueror England erobert hat und die Sprache diesem starken französischen Einfluss unterworfen war, wurde fast jedes negative oder besonders eindeutige Wort durch ein französisches ersetzt. Damit wirkt Englisch für mich immer, als wollte es sich hinter seiner eigenen Eindeutigkeit verstecken. Und diese lateinischen Wurzeln klingen für mich einfach nicht schön. Das mag Geschmackssache sein. Mir wäre da fast lieber, direkt auf Französisch zu wechseln. Leider klingt Französisch nicht besonders hart, wie wir alle wissen. Polnisch und Griechisch klingen für mich härter als Englisch, da sie in sich konsistenter sind und somit eindeutiger klingen. Und ganz nebenbei: Mir ist das sowas von egal, dass der Text damit schwerer verständlich wird.

The-Pit.de: Mittlerweile ist das Vamacara-Debüt „Mantras For The Manifold“ ja auch als physische EP zu haben, limitiert auf 100 Stück; was hat dazu geführt, dass es so lange gedauert hat? Immerhin war die digitale Veröffentlichung bereits im Frühjahr.

N: Ich glaube, man kann sagen, dass wir die Dinge ziemlich unkonventionell angehen. Was gut ist, denn so wachsen Prozesse natürlich und nicht in immer gleichen Bahnen. Wir haben von einigen Labels und Menschen Angebote bekommen. Einiges davon war ziemlich frech. Da war von Draufzahlen bis irgendwelche NSBM-Scheiße alles dabei. Dann hat uns ein russisches Einmann-Label angeschrieben mit einem wahnsinnig guten Deal. Wir fanden das interessant und haben eingewilligt. Wir hatten jedoch ziemlich viele Probleme mit dem Herrn, der permanent Entscheidungen ohne uns getroffen hat und sich nicht an diverse Abmachungen hielt. Wir sind jetzt zumindest froh, dass wir das physische Release in den Händen halten können. Nächstes Mal werden wir andere Wege gehen, das steht fest. Neues Material gibt es bereits.

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