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Vamacara im Interview (Dezember 2017)

"Ich mache im Grunde all das, worauf meine Kollegen bei Ctulu keinen Bock haben und was immer schon mal aus mir raus musste."

Die Musiker legen Wert auf Anonymität - Promobilder gibt es bislang nicht

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Lange kann’s dauern, bis einem eigentlich geübten Schreiberling Fragen einfallen zum ersten Release einer Band wie Vamacara, die so viele verschiedene Einflüsse so großartig in sich vereint, dass die Debüt-EP „Mantras For The Manifold“ es gleich in die persönliche Jahrestopliste geschafft hat. Sänger, Gitarrist und Bassist A. hat sich bereits mit seiner Hauptband Ctulu äußerst positiv hervorgetan, der dort gespielte Black Metal wird bei Vamacara noch um die Nuancen Death und Stoner Metal, sowie um einige thematische und linguistische Besonderheiten erweitert. Schön, dass auch Bandkollege N., der für Drums und Percussion verantwortlich zeichnet, sich mit in die Beantwortung der Fragen eingeklinkt hat.

The-Pit.de: Hey A., danke für deine Zeit (und das geduldige Warten auf meine Fragen). Zu deiner neuesten Band Vamacara findet sich ja (wahrscheinlich gewollt) noch nicht allzu viel im Internet, erzähl doch bitte mal, wie ihr euch zusammengefunden habt.

A: Die Frage gebe ich direkt an meinen Kollegen ab.

N: Wir haben uns vor vier Jahren durch Zufall auf dem PartySan in einem Kieler/Hamburger Camp kennen gelernt. Ich war ein paar Jahre im musikalischen Bereich absent und wollte sowieso wieder was machen. Dann hat sich durch diverse Fachsimpeleien herausgestellt, dass wir ähnliche Ansichten haben, wenn es um etwas „Neues“ und Innovatives im musikalischen Bereich geht. Wir fanden irgendwie vieles langweilig, was zu der Zeit so gehyped wurde. Ein Jahr später haben wir dann beschlossen, einfach mal ein paar Sachen auszuprobieren. A hatte direkt ziemlich komische und abgefahrene Riffs am Start. So Dinger, die du erst mal auszählen musst um durchzusteigen, wo Anfang und Ende ist. Seitdem wissen wir im Grunde nicht genau, was wir da eigentlich machen… Wir verzichten auf ganze Namen, weil es das Projekt irgendwie zu sehr personalisieren würde. Auf der anderen Seite finde ich lange Pseudonyme, welche entweder aus Fantasie-Latein oder aus einem Sammelsurium von Wörtern aus viktorianischen Horrorgeschichten bestehen, einfach nur unfassbar peinlich. Anonymität kann außerdem sehr praktisch sein, da jeder ja noch ein anderes Leben abseits dieser Band führt.

The-Pit.de: Was unterscheidet die Band, abgesehen von dem offeneren Stil, von deiner anderen Truppe Ctulu? A propos Stil: Stört es dich überhaupt noch, wenn deine Bands Stilstempel aufgedrückt bekommen, die so gar nicht passen?

A: Wir machen bei Vamacara kaum etwas so wie bei Ctulu. Wir schreiben unfassbar langsam, rearrangieren und ändern herum und arbeiten wesentlich intensiver an musikalischen Details. Wir lassen den Dingen viel Zeit zum Reifen und schmeißen alles raus, womit wir nicht beide 100%-ig zufrieden sind. Ctulu ist eine Demokratie, bei der öfters mal einer etwas hinnehmen muss, womit er nicht vollständig übereinstimmt. Vamacara ist quasi eine Zwei-Mann-Diktatur. Ich mache im Grunde all das, worauf meine Kollegen bei Ctulu keinen Bock haben und was immer schon mal aus mir raus musste. Krumme Riffs, Akkorde mit Fingerverrenkungen, der Gitarrensound, das alles würde bei Ctulu nicht gehen. Ctulu ist eine relativ konservative Band, die sicherlich niemals den Originalitäts-Stempel aufgedrückt bekommen wird, das aber auch gar nicht anstrebt. Mit Vamacara haben wir beide Neuland betreten und wussten überhaupt nicht, ob das, was wir da tun, irgendwen anders interessieren könnte, der nicht involviert ist. Ich war noch nie so unsicher wie im Januar 2016, als wir im Studio waren, ob wir überhaupt etwas von den investierten Geldern in Form von CD-Verkäufen wiedersehen würden. War mir aber auch egal, weil ich einfach auf das Ergebnis gespannt war.

Ich denke, dass Vamacara schon etwas „Originelles“ ist. Dabei versuche ich nicht, auf Teufel komm raus irgendetwas Seltsames zu erschaffen, sondern mache einfach genau das, was ich immer schon machen wollte und was so automatisch aus mir herausfließt. Ich schreibe oft genug krumme Sachen, da ich kein guter Musiktheoretiker bin und mir auch das Spielen selber beigebracht habe. Ich habe also null Ahnung von Tonleitern oder Fingersätzen und schere mich da auch nicht wirklich drum. Vamacara hat eine sehr andere Dynamik als Ctulu, da wir uns auf Persönlichkeitsebene viel näher sind. Ctulu vereint drei äußerst verschiedene Geister, was zu sehr unterschiedlichen Ansätzen und damit auch zu einer ganz eigenen Note führt. Bei Vamacara ähneln wir uns vom Charakter sehr, was unheimlich praktisch sein kann, da wir dadurch musikalisch auch enger beieinander liegen, aber bisweilen auch ausbremst, wenn wir uns beide an der gleichen Abzweigung selbst im Weg stehen. Mich stört es tatsächlich, wenn solche Genrestempel kommen. Oft genug frage ich mich, ob solche Leute dieselbe Band gehört haben wie ich. Andererseits ist Diskurs gut, weil interessant. Uneinigkeit bedeutet, dass man an Selbstständigkeit dazugewinnt und sich in verschiedene Richtungen entwickelt. Bei Ctulu wurde zum letzten Album oft mit der „Ich mag die Thrash-Schlagseite nicht“-Keule gewedelt. Den Punkt verstehe ich gar nicht. Ich höre solche Einflüsse fast nicht raus; definitiv aber halte ich sie nicht für dominant. Bei Vamacara ist es mir derzeit total piepe, was für Schubladen da für uns aufgehalten werden. Wir wissen ja selber nicht, wie wir das Ganze betiteln sollen und wollen es im Grunde auch gar nicht. Da war schon von Sludge die Rede, von Stoner (in beiden Fällen weiß ich nicht mal, was das eigentlich nun genau ist) oder von einer 100%-igen Bölzerkopie. Das hat mir große Freude bereitet, da ich Bölzer vorm Release unserer EP nicht ein einziges Mal gehört habe. Lass die Leute reden.

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