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The Vision Bleak im Interview (April 2016)

Veröffentlichung in zwei Etappen

Am 3. Juni werden The Vision Bleak ihr neues Album „The Unknown“ herausbringen. Wie sonst meistens üblich, geht die Band allerdings nicht erst nach dem Release auf Tour, sondern bereits davor. Für einige glückliche Gewinner gibt es in den Städten, in denen das Duo Schwadorf/Konstanz gemeinsam mit seinen Sidekicks gastiert, außerdem die Möglichkeit, zusammen mit der Band einer Pre-Listening-Session zu der Scheibe beizuwohnen. Auch der The-Pit.de-Delegierte gehörte in Hamburg zu den Privilegierten und war bereits nach diesem einen Hördurchlauf sehr angetan von dem dargebotenen Material. Anschließend fand man kurz vor dem Konzert (der Bericht ist hier zu lesen) noch die Zeit, um spontan ohne große Vorbereitung ein kurzes Interview zu führen.

The-Pit.de: Die Frage, die natürlich als erstes naheliegt, ist, wie es dazu gekommen ist, dass das Album erst am 3. Juni herauskommt, ihr aber jetzt schon eine Tour dazu veranstaltet. Normalerweise macht man das ja eher andersherum.

Schwadorf: Weil wir diesmal einen anderen Ansatz haben und uns nicht unter Druck setzen wollten, die Platte unbedingt zu einer Tour fertigkriegen zu müssen. Denn mit einer Tour hast du eine ganz klare Deadline und wir wollten der Platte einfach Zeit geben, dass sie reift und so wird, wie wir sie haben wollen. Wir wollten die Platte nicht zwangsläufig für die Tour haben, weil die Tour nämlich schon gebucht war und wir eigentlich den Old-School-Weg gehen wollten, so wie man es früher gemacht hat: Dass man eine Platte mit einer Tour promotet und nicht andersherum. So können wir das ein bisschen in die Länge ziehen, also das Zelebrieren der Platte. Denn sonst ist es oft so: Du kommst nach Hause von einer Tour und alles ist im Endeffekt vorbei. So ist es wie eine Veröffentlichung in zwei Etappen.

The-Pit.de: Dann habe ich gelesen, dass ihr lyrisch diesmal einen etwas anderen Ansatz verfolgt: Sonst bedient ihr euch ja der klassischen Horrorliteratur, doch bei „The Unknown“ soll das Ganze etwas persönlicher angelegt sein. Wie genau kann man das verstehen?

Schwadorf: Wir haben ja schon immer so eine Art psychologische Ebene bei allen Texten gehabt, also, dass die Texte im Prinzip vielseitig interpretierbar sind. Bei der neuen Platte aber sind die Lyrics viel introvertierter, drehen sich mehr um die eigene Person, verglichen mit den Alben vorher. Dort wurden eben im Prinzip einfach Horrorgeschichten erzählt, hier geht es mehr um die inneren Dämonen als um die äußeren.

The-Pit.de: Aber sprachlich hat sich sicherlich trotzdem nicht allzu viel verändert, oder?

Schwadorf: Nein, das ist gleich geblieben, es ist immer noch diese recht poetische Sprache. Und die Scheibe beginnt auch mit einem Edgar Allan Poe-Zitat – das ist zwar irgendwo typisch für uns, aber in einem anderen Kontext als vorher. Denn dieses gewisse theatralische Element, das wir vorher immer hatten, fehlt diesmal, und es ist mehr der Blick nach innen gerichtet als nach außen.

The-Pit.de: Was sind denn eure Lieblingsautoren in der Horrorliteratur?

Schwadorf: Edgar Allan Poe, Howard Phillips Lovecraft und Lord Byron. Das sind die drei Schreiber, die mich mit Abstand am meisten beeinflusst haben.

The-Pit.de: Gerade Edgar Allan Poe hat schon eine interessante Sprache.

Schwadorf: Die Sprache ist unfassbar. Ich finde, Edgar Allan Poe hat eine ganz eigene Sprache: Total melodisch irgendwie – einfach wahnsinnig gut. Allein „The Raven“ – ich hab mir hier sogar „Nevermore“ tätowieren lassen – ist wohl eines der besten Gedichte, die je geschrieben wurden.

The-Pit.de: Habt ihr denn schon mal überlegt, auch modernere Literatur aus diesem Genre einfließen zu lassen? Zum Beispiel Clive Barker, einer meiner Favoriten?

Schwadorf: Clive Barker ist auch sehr cool. Aber wir hatten immerhin schon mal aus dem Buch „Eaters Of The Dead“ von Michael Crichton (Grundlage für den Film „Der 13. Krieger“; Anm.d.Verf.) ein Zitat verwendet: „Evil Is Of Old Date“ (auf dem 2007er Album „The Wolves Go Hunt Their Prey“ zu finden; Anm.d.Verf.). Und mit dem Satz beginnt auch dieses Buch. Aber größtenteils lassen wir uns schon von den alten Meistern inspirieren, das passt halt auch irgendwie besser zur gesamten Konzeption und Atmosphäre. Wir sind da schon etwas altmodisch (lacht).

The-Pit.de: Vorhin bei der Session hatten wir ja schon mal darüber gesprochen, dass die meisten Bands immer ganz klischeehaft ihr neuestes Werk als das beste ansehen, was sie je gemacht haben. Wie sieht das bei euch aus? Zumal mir persönlich es sehr schwer fällt, zu sagen, was eure beste Scheibe ist.

Schwadorf: Naja, im Moment ist es für uns natürlich schon „The Unknown“, ist ja ganz klar. Und ich glaube, sie wird es auch für mich – bis jetzt – bleiben. Aber jede Platte hat ihre Zeit, mit der man Dinge verbindet… also, ich könnte es dir ehrlich gesagt nicht sagen. Für die meisten Fans ist es sicherlich die „Deathship“ und ich kann es auch verstehen, weil sie einfach irgendwie diesen klassischen Debütalbum-Enthusiasmus, dieses Wilde hat, was später wahnsinnig schwer zu reproduzieren ist. Das ist sicher das Herausragende an der Platte.

Konstanz: Wobei das neue Album hat das ja quasi trotzdem wieder.

Schwadorf: Weil es doch irgendwie so ein Neubeginn ist, ja. Dadurch kannst du diesen Vibe irgendwie wieder reinkriegen.

The-Pit.de: Für mich kommt noch hinzu, dass bei der „Deathship“ einfach jeder Song total eingängig ist.

Schwadorf: Ja, die Scheibe ist wirklich catchy ohne Ende, das stimmt. Das Album hat sicher die meisten Bandklassiker; was hingegen so ein bisschen das schwarze Schaf darstellt, ist die „Set Sail To Mystery“. Also, ich hab die sehr gerne, aber von der Rezeption her habe ich das Gefühl, dass die immer am schlechtesten wegkam. Von der spielen wir heute den ersten Song.

Das war’s auch schon mit den Fragen, auch wenn einem im Nachhinein natürlich dann doch noch tausend weitere Sachen einfallen, die man hätte fragen können. Vielleicht jedoch kann man das ja später nachholen, wenn „The Unknown“ offiziell auf dem Markt ist. Bis dahin bleibt nur, sich noch mal bei den beiden Bandköpfen zu bedanken und sich nun darauf zu freuen, in wenigen Wochen eine physische Kopie von „The Unknown“ in den Händen halten zu dürfen.

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