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Sworn im Interview (September 2007)

"Keyboards are gay!"
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Während Aborted unten in der Konzerthalle des Berliner K17 ihr Set durchhämmerten, hatte ich die Möglichkeit die gesamte norwegische Band Sworn zu interviewen. Die jungen Norweger, die eine sehr eingängige und melodische Variante des Black Metals spielen, waren nach eher verhaltenen Publikumsreaktionen ein wenig betrübt. Nichtsdestotrotz bekam ich auch zu heiklen Fragen klare antworten von Gitarrist und Bandkopf Christoffer, Sänger Max und Trommler Tom Ian.

 

The-Pit.de: Hallo, wie geht’s euch? Zuallererst möchte ich euch zu diesem tollen Gig beglückwünschen. Das Publikum war nicht das beste, aber in Berlin sind die Leute generell ein wenig steif. Aber was erwartet ihr denn vor der Tour? Ist es eure erste?

 

Christoffer: Ja, es ist unsere erste Tour. Wir erwarten einfach die normalen Dinge. Wir wollen einfach eine tolle Zeit haben und vor gutem Publikum spielen. Heute war es aber nicht gerade die beste Erfahrung.

 

The-Pit.de: Das wird schon, keine Angst! Aber ihr habt schon einige Konzerte gespielt, ja?

 

Christoffer: Ja, natürlich! Im Grunde gibt es da aber keinen Unterschied zwischen Norwegen und Deutschland.

 

Max: Wir müssen einfach unser Album besser bewerben und den Namen „Sworn“ bekannt machen. Der Markt hier ist viel größer verglichen mit Norwegen.

 

Christoffer: Sworns Musik ist melodisch und die Leute in Norwegen sind eher grim und Darkthrone-like, weißt du. Die Deutschen sind viel aufgeschlossener dieser Art Musik gegenüber. Deswegen hoffen wir den Namen „Sworn“ weiterverbreiten zu können.

 

The-Pit.de: Okay, viel Glück! Waren die Reaktionen in Norwegen gut oder eher schlecht, weil die Leute dort eher Old-School hören, wie du sagtest?

 

Christoffer: Sie waren gut, aber noch nicht gut genug. (lacht)

 

The-Pit.de: Hat das etwas mit dem Wechsel eures Sängers zu tun? Ich hab gehört, dass euer alter Vokalist Lars Jensen (Myrkgrav) nicht mehr dabei ist. Was ist passiert?

 

Christoffer: Das ist ein schwieriges Thema. Wir hatten Lars noch nie getroffen, als wir das Album aufnahmen. Wir nahmen das gesamte Album in September auf und alles war innerhalb von zwei Wochen fertig. Dann arrangierte ich die Gesänge und schickte die fertigen Arrangements zu Lars. Alles, was er also zu tun hatte, war, sich die Arrangements anzugucken und zu singen. Dies tat er in seinem eigenen Studio. Das ist im Grunde ein sehr einfacher Job, wenn dir gesagt wird, was du zu tun hast. Er brauchte, ich glaube, acht Monate dafür, denn manchmal konnte er singen und manchmal nicht. Ich schätze das ist ein Persönlichkeitsding. Als wir dann eine Booking Agentur bekamen und Konzerte in Norwegen und Deutschland spielen sollten, mussten wir logischerweise mit Lars proben. Während der Probe war er so schüchtern, dass er keinen einzigen Ton herausbekommen hat. Wir spielten den Song und als die Strophe kam, setzte er sich einfach hin und legte das Mikrofon weg. Er hatte defintiv Lampenfieber.

 

The-Pit.de: Wie passt du nun also in die Band, Max? Wie haben sie dich gefunden?

 

Max: (lacht) Nun ja, ich war ein wenig im Internet unterwegs und sah auf verschiedenen Seiten, dass sie einen Sänger benötigen. Während ich darüber nachdachte, hörte ich die Musik und die Lieder gefielen mir. Ich war nicht ganz sicher, ob ich in die Band passen würde, dennoch schickte ich Christoffer eine e-Mail und bot ihm Hilfe an. Nach der Probe mit Lars habe ich dann einen Anruf erhalten...

 

Christoffer: Ja, wir hatten eine Probe mit Max und er wir sagten: „Du hast den Job.“

 

The-Pit.de: Nett, nett. Ist es deine erste Band?

 

Max: Nein, ich habe schon in so einigen Bands gespielt, aber momentan bin ich sonst nur mit meinem Thrash Metal-Soloprojekt beschäftigt.

 

The-Pit.de: Wie sieht es mit dem Rest von euch aus?

 

Christoffer: Das ist meine erste Band.

 

The-Pit.de: Ihr wollt jetzt also eine wirklich erfolgreiche Band in Deutschland werden, womit euch euer Plattenvertrag mit Twilight Records doch ein gutes Stück weiterbringt. Wie seid ihr an den Deal gekommen?

 

Christoffer: Wir schickten unsere Promo mit drei Songs an einige Labels, von denen wir wollten, dass sie uns unter Vertrag nehmen. Wir haben also nicht hunderte Promos verschickt bis wir endlich einen Vertrag hatten. Twilight riefen mich eines Morgens, als ich noch geschlafen hatte, an und sagten, dass sie uns gerne unter Vertrag nehmen würden. Der Deal war großartig für eine Band wie uns, kein Zweifel!

 

The-Pit.de: Bis jetzt habt ihr fast nur überschwängliche Kritiken in Magazinen und Webzines bekommen, besonders von deutschen Publikationen. Habt ihr eigentlich mit einer solch positiven Resonanz gerechnet?

 

Christoffer: Ich weiß nicht genau. Wenn du ein Album schreibst, dann schreibst du es so, dass du denkst, dass es eine 10/10 ist. Wenn ich einen Song schreibe, bei dem ich nur denke „okay“, dann kommt der nicht auf das Album. Für mich ist es also gut, aber im Grunde weiß ich nicht, was wir zu erwarten haben, da wir ja vorher noch kein Album veröffentlicht haben. Eigentlich erwarten wir gar nichts.

 

The-Pit.de: Warst es nur du, Christoffer, der in den Songwriting Prozess involviert war oder half die ganze Band?

 

Christoffer: Ich habe die Songs geschrieben und Tom Ian die Lyrics.

 

The-Pit.de: Kannst du uns dann etwas über die Texte erzählen, Tom Ian?

 

Tom Ian: Also, am Anfang, als Sworn noch eine Ein-Mann-Band war, bin ich gebeten worden, die Texte zu schreiben. Als Schlagzeuger kam ich erst später dazu. Christoffer hat mich dann gefragt, ob ich nicht weiterhin die Texte verfassen will und gab mir ein paar Ideen, worüber ich schreiben könnte. Hauptsächlich geht es um tiefe, menschliche Emotionen und den Fortschritt des Bösen.

 

The-Pit.de: Also die üblichen Themen, die man von einer norwegischen Band erwarten würde...

 

Christoffer: Es sind weder religiöse, noch politische Texte, es geht nur um Emotionen.

 

The-Pit.de: Wie ist denn dann also eure Einstellung zu Religion und Politik in Songtexten?

 

Christoffer: Also ich spreche hier nur für mich. Wenn ich Musik höre, dann höre ich in erster Linie die Musik und nicht unbedingt das Statement und was die Musiker denken.

 

The-Pit.de: Deutschland hat ein ziemlich großes Problem mit nationalsozialistischem Black Metal, welcher die Szene unterwandert. Du hast zwei Gruppen von Leuten. Die einen kümmert es nicht und sagen, dass sie weiter ihre Musik spielen sollen. Die anderen sagen „Warum lassen wir das passieren? Es darf nicht passieren!“. Wie denkt ihr über Politik in Musik, insbesondere im Black Metal?

 

Christoffer: Black Metal und Nationalsozialismus gehen überhaupt nicht miteinander. Es ist ein Paradoxon. Das sind zwei verschiedene Sachen mit zwei verschiedenen Wegen. Du kannst sie einfach nicht mischen. Das wäre wie Christentum und Black Metal mischen. Es klappt einfach nicht, das kann man nicht tun.

 

The-Pit.de: Okay, weiter geht's! Seid ihr eigentlich Fans von Old-School Black Metal, wenn ihr doch eher Melodisches spielt? Hört ihr persönlich eher melodische Bands oder heiligt ihr die alten Helden? Ich sehe, dass du ein Darkthrone-Shirt trägst, Christoffer...

 

Christoffer: Ich mag beides, schätze ich. Also ich mag Old-School Black Metal wie Bathory, Darkthrone und Burzum. Ich würde schon sagen, dass ich von Burzum inspiriert bin. Burzum ist zwar nicht wirklich old-school, gehörten aber zu den ersten der zweiten Welle. Es ist irgendwie gleichermaßen melodisch und old-school. Und es hat eine großartige Düsteratmosphäre.

 

The-Pit.de: Und was haltet ihr von diesem ganz neuen Zeug? Labels nehmen diese Hybriden aus Black Metal, Death Metal und Hardcore unter Vertrag, pushen sie ins Unermessliche und nennen das ganze am Ende dann „Modern Metal“. Wie ist eure Meinung über diese Art Musik oder eher den Entstehungsprozess?

 

Christoffer: Wenn die Bands die Musik machen, weil sie diese mögen, dann respektiere ich das natürlich. Wenn aber die Labels denen vorschreiben, was für Musik sie spielen sollen, damit die Firma mehr Platten verkaufen kann, dann ist das fucked up.

 

The-Pit.de: Hat Twilight euch irgendwelche Vorgaben gegeben?

 

Christoffer: Nein, wir konnten unser eigenes Ding durchziehen.

 

The-Pit.de: Da sie ja nun eure Demo mochten, waren Twilight der Meinung, dass zwei der Songs auf das Album müssen?

 

Christoffer: Eigentlich haben wir sogar alle drei Titel auf das Album gepackt. Wir haben lediglich den Namen von einem geändert. Und Twilight haben uns einfach unter Vertrag genommen, weil sie unsere Musik mochten und weil wir einfach „Sworn“ sind.

 

The-Pit.de: Es ist gut solch ein Label zu haben, schätze ich. So, wir sind dann eigentlich auch schon durch. Möchtet ihr dem deutschen Publikum noch etwas mitteilen?

 

Christoffer: Wir werden einige Festivals nächstes Jahr spielen. Wir sind für das Ragnarök Festival, die Metal Invasion und die Walpurgis Metal Days bestätigt. Da sind, glaube ich, noch ein paar mehr, aber an die erinnere ich mich gerade nicht. Also jeder, der das hier liest, sollte zu einem dieser Gigs kommen.

 

The-Pit.de: Schließlich, wie sehen eure Zukunftspläne aus?

 

Christoffer: Wir haben schon ein paar Songs geschrieben. Ansonsten wollen wir einfach mehr Tourneen und Festivals spielen und uns als Musiker weiterentwickeln. Das normale Zeug halt.

 

The-Pit.de: Ihr wollt also wirklich rein in das Sex, Drugs & Rock'n'Roll Business, ja?

 

Band: (lachen) Selbstverständlich!

 

The-Pit.de: Wunderbar, vielen Dank für das Interview!

 

Band: Ja, Dankeschön!

 

Für dieses Interview will ich mich ganz herzlich bei Chris von Twilight und meinem Kollegen Danny Hoff bedanken, die das ganze in die Wege geleitet haben, und natürlich auch bei der Band selbst. Es war eine nette und informative Runde zu später Stunde!

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