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Swallow The Sun im Interview (Februar 2019)

Musikalische Therapie

Die mit dem sperrigen Titel „When A Shadow Is Forced Into The Light“ versehene neue Swallow The Sun-Platte markiert das nunmehr siebte Album der Finnen (wobei man immer im Hinterkopf behalten sollte, dass es sich bei dem Vorgänger „Songs From The North“ um ein Triple-Album handelte und die 2008er EP „Plague Of Butterflies“ Albumlänge besitzt), auf der es die Nordlichter deutlich ruhiger angehen lassen: Mehr Cleangesang und weniger Growls und Screams, was in zerbrechlicheren Songs resultiert – mit klassischem Death-Doom wie einst hat die Band somit nur noch bedingt etwas am Hut. Man hat sich weiterentwickelt, die Atmosphäre berührt jedoch mindestens so sehr wie eh und je, immerhin allerdings verarbeitet Swallow The Sun-Gitarrist und Songschreiber Juha Raivio hier den tragischen Verlust seiner Lebensgefährtin Aleah, die selbst eine äußerst talentierte Sängerin war und leider viel zu früh mit nur 39 Jahren den Kampf gegen den Krebs verlor. Da die Band einen Monat vor Release des Albums in Form von „Lumina Aurea“ außerdem ein verstörendes 13-Minuten-Stück, das musikalisch in totalem Kontrast zu der LP steht, veröffentlichte, und man weiterhin zwei neue Mitglieder an Bord begrüßen darf, gab es für The-Pit.de genug Gründe, das Gespräch zu suchen, wofür uns Frontmann Mikko Kotamäki zur Verfügung stand.

The-Pit.de: Hi Mikko, wie geht’s denn so?

Mikko: Mir geht’s gut danke, nur das Wetter nervt. Hier in Helsinki haben wir fucking zwei Meter Schnee liegen. Es ist echt brutal, die letzten zwei, drei Wochen hat es quasi ununterbrochen geschneit…

The-Pit.de: Dabei kennt man das ja in Finnland… Aber wenn man dran gewöhnt ist, heißt das ja noch lange nicht, dass man sich damit abfindet. Doch zum eigentlichen: Stimmt es, dass euer Bandleader Juha Raivio nach Aleahs unerwartetem Tod in seiner Trauer ernsthaft darüber nachdachte, die Band aufzulösen?

Mikko: Naja, nach Aleahs Tod waren wir sehr lange auf Tour – Juha wollte die Shows trotzdem spielen –, insgesamt fast konstant drei Jahre. Und auch zuletzt haben wir wieder ein paar Gigs gespielt. Allerdings waren wir nicht sicher, ob wir tatsächlich neue Musik veröffentlichen würden. Doch die Dinge ändern sich und eigentlich hatte Juha sogar schon seit zwei Jahren fertige Musik in der Hinterhand, war sich jedoch nicht sicher, ob er dieses Material wirklich veröffentlichen sollte. Am Ende aber entschloss er sich dann doch dazu – insofern hing alles ein bisschen am seidenen Faden, aber wir haben doch entschieden weiterzumachen.

The-Pit.de: Also ist alles was auf dem Album landete schon zwei Jahre alt?

Mikko: Ja.

The-Pit.de: Okay, bemerkenswert, denn er hat ja zwischendurch auch noch das Hallatar-Album gemacht, das ich mir ebenfalls zu Gemüt geführt habe, das aber wirklich derart deprimierend ausgefallen ist, dass man es fast unhörbar nennen muss, wenn du verstehst.

Mikko: Ich weiß was du meinst, aber ich war noch nicht in der Lage, es mir anzuhören. Das ist einfach noch ein bisschen zu viel.

The-Pit.de: Das kann ich nachvollziehen, die ganze Band war ja offensichtlich gut mit Aleah befreundet, sodass dieser Verlust für alle sehr schwer wiegen muss. Dennoch war sie Juhas Freundin und obwohl er ja oft persönliche Texte schreibt, ist ein ganzes Album über dieses Thema noch mal eine andere Dimension – in meinen Augen ist es geradezu mutig, so eine Platte zu schreiben. Wenn es dich träfe, glaubst du, du könntest auch solch tiefe Einblicke in deine Seele mit der Öffentlichkeit teilen?

Mikko: Ich denke schon. Musik ist für meine Begriffe eine Art von Therapie, von daher glaube ich schon, dass ich das auch könnte. Hoffentlich gerate ich allerdings gar nicht erst in diese Situation!

The-Pit.de: Das wäre natürlich wünschenswert. Da ich annehme, dass Juha auch alle Texte geschrieben habe: War es schwer für dich, diese in diesem Fall besonders persönlichen Texte eines anderen adäquat zu singen? Hat Juha dir in irgendeiner Weise gesagt, wie du die Songs singen sollst?

Mikko: Eigentlich war es nicht so schwer, denn unsere Texte waren eben schon immer sehr persönlich. Ab einem gewissen Punkt fühlt man sich wie betäubt, man denkt nicht mehr so sehr darüber nach. Ich widme den Texten auch tatsächlich erst dann richtig Aufmerksamkeit, nachdem wir die Aufnahmen gemacht haben und mit den Songs live auftreten. Klar ist das irgendwo ein überwältigendes Gefühl, diese intensiven Dinge zu singen, gleichzeitig ist es aber auch sehr befreiend.

The-Pit.de: Juha hat also tatsächlich alle Texte geschrieben oder hast du auch etwas beigetragen?

Mikko: Sie sind alle von ihm, außer „Clouds On Your Side“, das ist von mir. Der französische Part ist von Aleah.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann