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Straftanz im Interview (Juli 2008)

Über Souflaki und Streetfighting bis hin zu Auschwitzleichen
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Anlässlich des neuen Straftanz-Albums haben wir der Band ein paar Fragen gestellt und sie somit um einige Geheimnisse erleichtert:

 

The-Pit.de: Willkommen zum Interview - könntet ihr euch zum Anfang eben vorstellen, damit die Leser wissen mit wem sie es zu tun haben? 

 

"Cyberdominator": Wir sind Straftanz. Wir sind eine Gruppe unterschiedlich motivierter Personen, die über das Straftanz Zentralkomitee aus k-x, j-ing, -jl- und dem Cyberdominator den Tanz in die Clubs bringt.

 

The-Pit.de: Okay, also dann: Wie ist es zu dem Namen Straftanz gekommen? Was ist der Hintergrund dieses Neologismus’?  

 

"Cyberdominator": Neologismus. Während wir nicht feststellen können, dass diese Frage auch nur im Ansatz origineller wird, je häufiger sie gestellt wird ist hier anzumerken, dass uns noch niemand diese wohl unbedeutendste Frage mit diesem Wort gewürzt hat. Neologismus ist ein schönes Wort, denn offensichtlich stammt es aus dem Griechischen. In Griechenland sind wir sehr beliebt und hatten von dort unsere erste Liveanfrage. Das war sehr interessant. Souflaki ist zwar lecker aber man muss viel dabei trinken. Es ist auch warm dort. Aber wir schätzen die griechische Küche sehr. Wie war noch gleich die Frage? (Anm. d. Red.: Auch wenn die Frage der Band angeblich schon häufig gestellt wurde, ist bisher nirgendwo sonst eine Erklärung / annehmbare Antwort zu finden…)

 

The-Pit.de: Kürzlich erschien euer Debüt-Album „Forward Ever“. Wie vielen die Reaktionen aus? 

 

"Cyberdominator": Einige Leute haben diese Scheibe in der Tat gekauft. Wir finden zurecht. Irgendwer vertrat auch mal wieder die Ansicht, dieses massengefertigte Stück Polykarbonat sei wieder am Untergang der westlichen Welt beteiligt, aber wir sind das Heulen und Zähneklappern mittlerweile gewohnt.

 

The-Pit.de: Ihr habt vor kurzem als Vorgeschmack auf das kommende Album eure neue EP „Tanzt Kaputt Was Euch Kaputt Macht“ veröffentlicht – was genau macht denn euch selbst kaputt? 

 

"Cyberdominator": Stillstand. DJs, deren Playlisten aus Titeln bestehen, die aus der Zeit seines ersten Clubbesuches stammen. Die ewig gleichen Oldieparaden, vollgestopft mit den alten Legenden, die Jahr für Jahr die Festivals headlinen, ohne in den letzten sieben Jahren überhaupt nur ein Album produziert zu haben. Wir haben es satt nur zu hören, dass irgendwas früher mal besser war. Wir haben es satt ständig von selbsternannten Experten zu hören zu bekommen, was richtig oder falsch oder schon mal da gewesen ist. Und letztlich sind wir die ewige Betroffenheitslüge leid. Die Idee, dass jemand im Club tanzt und schwitzt, um sich währenddessen mit Massenmördern und dem dritten Reich auseinanderzusetzen und nach dem Videokonsum von Auschwitzleichen balzbereit das nächste kalte Getränk bestellt, ekelt uns an. Damit räumen wir auf.

 

The-Pit.de: Auf eben dieser EP ist ein Remix des Titelsongs von dem heißesten französischen Underground-Act: Mesmer’s Eyes. Wie ist diese Zusammenarbeit entstanden? 

 

"Cyberdominator": Wir haben Cedric, Danzer Necro und die anderen großartigen Leute aus dem Mesmers Eyes Umfeld bei der fabelhaften Vampireparty in Antwerpen kennengelernt. Uns hat ihre Liveperformance gut gefallen und wir haben uns beim Essen und der Aftershowparty sehr gut verstanden. Einen Remix von diesem Act zu erfragen war da nur folgerichtig.

 

The-Pit.de: Bei den beiden harmonischsten Songs „Out Of Time“ und „Doubt“ eures Albums wird sogar klar gesungen – kann man mehr Stücke dieser Art von euch erwarten, oder bleibt ihr doch eher auf der härteren Schiene? 

 

"Cyberdominator": Wir werden weiterhin Musik für den Club produzieren, mit allen Mitteln die uns richtig erscheinen. Wichtig ist das Ergebnis, nicht das Genrekorsett dem sich so viele fügen möchten. Welche Mittel wir einsetzen entscheidet sich bei der Produktion.

 

The-Pit.de: Wie wird es nun generell mit Straftanz weitergehen? 

 

"Cyberdominator": Wir werden unsere Liveperformance weiter ausbauen, planen ein kleines, spezielles Projekt um verstärkt zu internationalisieren und letztlich befinden wir uns auch bereits in der beginnenden Planung des zweiten Albums. Wir werden jetzt nicht anhalten, unser Weg hat erst begonnen.

 

The-Pit.de: Welche Künstler würdet ihr zum Tanzen empfehlen, welche zum Nachdenken? 

 

"Cyberdominator": Wir empfehlen für gesunde Bewegung auf dem Tanzboden Acts wie Northborne, Combichrist, Johannes Heil, SAM, Dave Clarke und viele andere.

Musik zum Nachdenken ist hingegen eine merkwürdige Idee. Kunst steht für sich selbst, das gilt auch für Musik. Sie wird nicht erzeugt um jemanden über irgendwas nachdenken zu lassen sondern um etwas zu reflektieren, zu zeigen, um Aussagen zu machen oder auch nicht. Die Überlegungen dazu sind Sache des Rezipienten, denn jede Form von Kunst, also auch Musik, wird unterschiedlich wahrgenommen. Findet selbst etwas, dass Euch geistig stimuliert.

 

The-Pit.de: Was kann man live von Straftanz erwarten? 

 

"Cyberdominator": Nacktes Fleisch, erhobene Fäuste in der Luft, das Feuer der Zukunft in tausend Augen, Bewegung, Kraft, Phuture Punk, degressiven Clubsound, Industrial, Streetfighting und Dance.

 

The-Pit.de: Ein paar letzte Worte an die Leser und Fans: 

 

"Cyberdominator": Ihr seid die Bewegung. Was immer in eurer Kultur geschieht es geschieht wegen euch. Es ist euer Einsatz der zählt, eure Ideen die diese Szene voran treiben. Die besseren Leute stehen vor, nicht auf den Bühnen. Eine lebendige Subkultur lebt davon einen Schritt voraus zu sein, dem Alltag eine Alternative entgegen setzen zu können. Steht auf. Übernehmt die Tanzflächen, nehmt den Club zurück, denn er gehört Euch.

 

Danke für das Interview.

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